30.10.2008 · Krisenstimmung, Rezessionsangst, desaströse Unternehmenszahlen - bloß am Arbeitsmarkt herrscht noch eitel Sonnenschein: Im Oktober ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erstmals seit 16 Jahren unter die Marke von 3 Millionen gefallen. Denn der Arbeitsmarkt reagiert stark zeitverzögert auf die Krise.
Trotz Rezessionsangst und Finanzkrise ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Oktober unter die Marke von drei Millionen gefallen. Sie sank um 84.000 auf 2.997.000. Das waren 437.000 weniger als vor einem Jahr, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote ging um 0,2 Punkte auf 7,2 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,2 Prozent gelegen. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) sprach von einem „Signal der Zuversicht.“
Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sagte, die Arbeitslosenzahl sei erstmals seit 16 Jahren unter die Grenze von drei Millionen gesunken. Auch im Oktober zeigten sich noch keine gravierenden Auswirkungen der konjunkturellen Abschwächung. „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm weiter zu, und auch die Stellenmeldungen der Unternehmen signalisieren weiterhin einen hohen Bedarf an Arbeitskräften“, sagte Weise.
Saisonbereinigt ist die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Oktober um 26.000 auf 3,151 Millionen gesunken. Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 20.000 ab, im Osten um 6000.
Mehr Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr
Im kommenden Jahr rechnet die BA durch der Konjunkturabschwung mit mehr Arbeitslosigkeit. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit werde nicht in dem Maße wie in früheren Abschwungphasen ausfallen, sagte Weise (siehe auch: BA-Chef Weise: „Fünf Millionen Arbeitslose halte ich für ausgeschlossen“). Der Arbeitsmarkt sei besser aufgestellt als früher. Der BA-Chef führte dies auf die Reformen in der Arbeitsmarktpolitik zurück. Auch Scholz sagte, die Arbeitslosenzahl von unter drei Millionen sei ein Zeichen dafür, dass die Reformen der vergangenen Jahren richtig gewesen seien.
Analysten zeigten sich teilweise positiv überrascht, erwarten aber fast durchweg, dass sich die Krise erst zeitverzögert auf den Arbeitsmarkt auswirkt und die schlimmen Zeiten dort noch bevorstehen: „Das ist in dem aktuellen Umfeld eine gute Zahl“, sagte etwa Ralph Solveen von der Commerzbank. „Das ändert aber nichts daran, dass die besten Zeiten am Arbeitsmarkt vorbei sind. Die Zahl der Arbeitslosen wird um die Jahreswende wieder nach oben gehen.“ Die schwächere Konjunktur werde deutliche Spuren hinterlassen. „Der Arbeitsmarkt ist ein nachlaufender Indikator, der erst mit mehreren Monaten Verspätung auf konjunkturelle Änderungen reagiert.“
Ähnlich äußerte sich Antje Hansen von HSBC Trinkaus: „Das ist eine positive Überraschung. Damit steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass es in den kommenden Monaten stärker bergab geht als erwartet“, sagte sie. Die Finanzkrise habe sich im Oktober noch nicht so stark auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. „Aber das kommt noch, wenn man sich etwa die Autoindustrie anschaut.“ Der Höhepunkt im Arbeitsmarktzyklus sei nun wahrscheinlich überschritten. Spätestens zu Jahresbeginn dürfte sich die schwache Konjunkturlage auch in den Arbeitsmarktzahlen niederschlagen, glaubt die Expertin.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,87 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |