Home
http://www.faz.net/-gqe-7avf2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Teures Obst und Gemüse Lebensmittelpreise um mehr als 5 Prozent gestiegen

Kalter Frühling, starke Flutschäden: Lebensmittel sind in Deutschland vor allem aufgrund von Ernteausfällen deutlich teurer geworden. Insgesamt ist die Inflation so hoch wie seit Dezember nicht mehr.

© dpa Vergrößern Kein gutes Jahr für Spargel: Der Frühling war zu kalt.

Teure Lebensmittel nach Ernteausfällen durch Dauerregen und Hochwasser machen das Leben in Deutschland kostspieliger. Die Verbraucherpreise stiegen im Juni um 1,8 Prozent zum Vorjahresmonat und damit so stark wie seit Dezember nicht mehr. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mit.

Im Mai lag die Inflationsrate noch bei 1,5 und im April sogar nur bei 1,2 Prozent. Damit nähert sie sich wieder der Zwei-Prozent-Marke, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht.

Überschwemmungen sorgten für schlechte Ernten

Besonders stark verteuerten sich Nahrungsmittel: Hier zogen die Preise mit 5,4 Prozent dreimal so stark an wie die gesamten Lebenshaltungskosten. „Dafür dürften zumindest teilweise die Überflutungen in Deutschland verantwortlich sein“, sagte die Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf. Sie hätten zu Ernteausfällen und Verzögerungen beim Transport geführt.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurden fast eine halbe Millionen Hektar Agrarland durch Überschwemmungen und Starkregen in Mitleidenschaft gezogen. „Auf vielen Feldern und Höfen steht noch immer das Wasser“, hieß es. Der Schaden für die Landwirtschaft wird bisher auf 400 Millionen Euro geschätzt.

„Der Frühling war kam zu spät, war zu kalt und zu nass“, sagte ein Sprecher des Bauernverbandes. Dadurch sei beispielsweise die Ernten bei Spargel, Erdbeeren, Frühkartoffeln und Salat schlechter ausgefallen, was zu höheren Preisen geführt habe. Auch schlechte Ernten in anderen Staaten wie Neuseeland dürften hierzulande zu spüren sein. „Von dort wird viel Obst importiert, das im Preis derzeit besonders kräftig steigt“, sagte Rondorf.

Lebensmittel-Einzelhandel kann Umsätze steigern

Die kräftigen Preiserhöhungen steigern den Umsatz im Lebensmittel-Einzelhandel. Er legte im Mai im 4,5 Prozent zum Vorjahresmonat zu, während der gesamte Handel nur ein Plus von 2,0 Prozent schaffte. Werden Preiserhöhungen ausgeklammert, fiel der Zuwachs mit 1,5 Prozent nur ein Drittel so stark aus. Der Bauernverband geht davon aus, dass sich Nahrungsmittel auch künftig überdurchschnittlich verteuern werden. „Die Zeiten, in denen Lebensmittel die Inflationsbremse Nummer eins waren, sind vorbei“, sagte der Sprecher. Grund sei die steigende Nachfrage auf der ganzen Welt.

Ökonomen gehen davon aus, dass die Preise in Deutschland künftig stärker steigen werden als in der Euro-Zone insgesamt. Bislang war es zumeist umgekehrt. Grund seien die robuste Konjunktur und kräftige Lohnerhöhungen, die im ersten Quartal bei 3,5 Prozent lagen, sagte der Europa-Chefvolkswirt von Nordea, Holger Sandte: „Dadurch haben die Unternehmen Spielraum, höhere Kosten an die Verbraucher weiterzugeben“.

Mehr zum Thema

Quelle: Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fondmanager-Gespräch Die Fed zögert, solange sie kann

Amerika war am Aktienmarkt bislang die bevorzugte Region. Fondsmanager Bernhard Langer jedoch hält die Vereinigten Staaten für überschätzt. Und glaubt auch dort nicht so schnell an Zinserhöhungen. Mehr Von Markus Frühauf

19.03.2015, 18:05 Uhr | Finanzen
Nach starken Regenfällen Überschwemmungen in Mosambik

Nach starken Regenfällen kam es in Mosambik zu heftigen Überschwemmungen. Die Menschen in dem südostafrikanischen Land kämpfen gegen das Hochwasser. Auch von Todesopfern wurde berichtet. Mehr

15.01.2015, 11:45 Uhr | Gesellschaft
Wirbelsturm Pam Ganze Dörfer wurden weggeblasen

Der Inselstaat Vanuatu steht unter Schock: Der Wirbelsturm hat gewaltige Verwüstungen auf dem kleinen Pazifikstaat angerichtet. Zu Zehntausenden Menschen gibt es noch immer keinen Kontakt. Mehr

15.03.2015, 06:49 Uhr | Gesellschaft
Starke Regenfälle Kalifornier kämpfen gegen Hochwasser

Kalifornien macht seinem Ruf gerade keine Ehre. Die Bürger im amerikanischen Bundesstaat haben mit schweren Regenfällen zu kämpfen, die zu Überschwemmungen und Schlammlawinen geführt haben. Mehr

04.12.2014, 14:15 Uhr | Gesellschaft
Schwacher Euro EZB treibt die Chinesen zu Chanel

Die Euro-Schwäche macht es möglich: Händler kaufen in Europa massenweise Luxusuhren und Taschen billig ein, um sie in China und Hongkong auf dem Schwarzmarkt zu verschleudern. Deswegen müssen die Hersteller dort ihre Preise senken. Dem Markenimage tut das richtig weh. Mehr Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai

20.03.2015, 07:48 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.06.2013, 18:57 Uhr

Ministerin für Arme

Von Heike Göbel

Es stimmt: Das relative Maß der Armut führt in die Irre. Und man verliert den Blick für wirklich Bedürftige. Aber was folgt daraus für Nahles’ Politik? Mit Mütterrente und Rente mit 63 hat sie jedenfalls die falsche Klientel bedient. Mehr 12 23


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wo es den meisten Urlaub gibt

In Deutschland haben Arbeitnehmer gesetzlich einen Urlaubsanspruch von 24 Tagen. Wie es in anderen Ländern ist, zeigt unsere Grafik des Tages. Mehr 3

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden