Home
http://www.faz.net/-gqe-740up
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Teuerungsrate über EZB-Zielwert 2,5 Prozent Inflation im Euroraum

Zwar ist die Inflation im Euroraum im Oktober etwas zurückgegangen. Doch sie liegt mit 2,5 Prozent immer noch über dem Wert, den die EZB anstrebt.

© dapd Bleibt der Euro stabil?

Die EZB sieht sich kurz vor ihrer nächsten Zinssitzung mit Preisdruck und einer Rekordarbeitslosigkeit konfrontiert. Die Statistikbehörde Eurostat in Brüssel meldete am Mittwoch in einer ersten Schätzung eine Jahresteuerung von 2,5 Prozent. Damit hat der Preisauftrieb in der Euro-Zone leicht nachgelassen. Dennoch ist die Inflationsrate damit weit höher als der EZB lieb sein kann, die bei Werten von knapp unter zwei Prozent von Preisstabilität spricht. Diese Marke ist nunmehr fast zwei Jahre lang verfehlt worden.

Zugleich steckt Euroland in einer tiefgreifenden Arbeitsmarktkrise. Die Erwerbslosenquote stieg im September auf das Rekordhoch von 11,6 Prozent.

Energiepreise steigen langsamer

Hauptgrund für die etwas niedrigere Inflationsrate waren die Energiepreise, deren Auftrieb sich auf 7,8 von 9,1 Prozent verlangsamte. Dagegen beschleunigte sich der Preisanstieg bei Lebensmitteln. „Obwohl die Inflationsrate nunmehr bereits 23 Monate in Folge über dem Zielwert der EZB liegt, halten sich die Inflationsängste weiterhin in Grenzen“, meint Ökonom Christoph Weil von der Commerzbank. Der Lohnauftrieb im Euroraum sei weiter verhalten und die schwache inländische Nachfrage begrenze den Preiserhöhungsspielraum der Firmen.

Mehr zum Thema

Die EZB, die am Donnerstag der kommenden Woche zu ihrer nächsten Ratssitzung zusammenkommt, rechnet erst im Laufe des nächsten Jahres mit einem Sinken des Preisdrucks unter die magische Marke von zwei Prozent. Zuletzt war dieses Ziel im November 2010 erreicht worden, als die Inflationsrate 1,9 Prozent betrug. Von Reuters befragte Experten erwarten mehrheitlich, dass die Frankfurter Währungshüter den historisch niedrigen Leitzins von derzeit 0,75 Prozent im ersten Quartal 2013 auf 0,5 Prozent kappen werden und danach konstant halten. Rund ein Drittel der 73 befragten Ökonomen hält eine Senkung sogar noch in diesem Jahr für möglich.

Die Verbindung von erhöhtem Preisdruck und andauernder Arbeitsmarktmisere ist nach Ansicht von Analyst Ben May von Capital Economics Gift für die Konsumentenstimmung: „Das ist ein schlechtes Omen für den privaten Verbrauch.“ Anders als in der gesamten Euro-Zone können sich die Verbraucher in Deutschland hingegen über stabile Preise und einen vergleichsweise robusten Arbeitsmarkt freuen. Daher konnten die hiesigen Einzelhändler ihren Umsatz im September so kräftig steigern wie seit über einem Jahr nicht mehr.

Fast 18,5 Millionen Bürger in der Eurozone ohne Job

Im gesamten Euro-Raum verdüsterte sich jedoch die Lage am Jobmarkt. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im September saisonbereinigt auf den Rekordwert von 11,6 Prozent, wie Eurostat mitteilte. Im August hatte sie bei 11,5 Prozent gelegen. Während die Arbeitslosenquote in Spanien auf 25,8 Prozent kletterte, verharrte sie in Deutschland bei 5,4 Prozent. Die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für Oktober weisen allerdings saisonbereinigt einen Anstieg der Arbeitslosenzahl im Monatsvergleich um 20.000 Erwerbslose aus.

In dem von einer Wirtschafts- und Schuldenkrise erschütterten Spanien haben insbesondere die Jüngeren immer schlechtere Jobperspektiven: Die Jugendarbeitslosigkeit kletterte auf eine Quote von 54,2 Prozent. In Frankreich ist mehr als jeder vierte junge Bürger unter 25 Jahren ohne Arbeit, während es hierzulande nur acht Prozent sind. Insgesamt waren in den 17 Staaten der Euro-Zone im Vormonat 18,49 Millionen Menschen ohne Job. In der Europäischen Union erhöhte sich die Zahl auf 25,7 Millionen.

Quelle: FAZ.NET/Reuters

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wochenausblick Für Aktien könnte die neue Woche schwierig werden

Im heißen Börsensommer könnte der Dax weiter zurückfallen. Die jüngste griechische Erleichterungsrally ist schon wieder Vergangenheit. Jetzt sorgen sich die Anleger um die weltweite Konjunktur und die Ertragskraft der Unternehmen. Mehr

27.07.2015, 08:37 Uhr | Finanzen
Börse Erleichterung über Hellas-Deal treibt Dax und Euro

Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone haben eine Pleite Griechenlands im letzten Moment abgewendet. Nach einer Marathonsitzung haben sie sich auf die Umrisse eines neuen Hilfsprogramms der Euro-Zone geeinigt. Die Folgen sind an der Börse spürbar. Der Dax legte zur Eröffnung 1,5 Prozent zu. Der Euro verteuerte sich binnen Minuten. Mehr

13.07.2015, 12:19 Uhr | Wirtschaft
Japan Rettet der Mindestlohn die Abenomics?

Japan will den Mindestlohn kräftig anheben. Mit höheren Einkommen sollen die Japaner mehr ausgeben, um die Wirtschaft anzukurbeln. Bislang läuft diese Wirkungskette nicht rund. Mehr Von Patrick Welter, Tokio

31.07.2015, 06:19 Uhr | Wirtschaft
Geldpolitik EZB startet eine Billion Euro schweres Kaufprogramm

Mit einem eine Billion Euro schwerem Kaufprogramm will EZB-Präsident Mario Draghi der Konjunktur in der Euro-Zone auf die Sprünge helfen und die Inflation wieder in Richtung der angepeilten Zielmarke von knapp zwei Prozent hieven. Mehr

06.03.2015, 17:06 Uhr | Wirtschaft
Eurostat-Zahlen Schäuble drückt Griechenlands Schuldenlast

Griechenland senkt seine Schuldenlast: Gegenüber dem Vorquartal fällt sie um gut acht Prozentpunkte. Das liegt auch an den Euro-Finanzministern. Mehr

22.07.2015, 14:42 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 31.10.2012, 13:41 Uhr

Obamas Energiewende

Von Winand von Petersdorff

Die Republikaner lassen sich von Barack Obama nicht überzeugen, dass es Zeit ist für eine Energierevolution. Allerdings hilft Obama die harte wirtschaftliche Realität. Mehr 1 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Was auf Deutschlands Flüssen verschifft wird

Innerhalb Deutschlands werden viele Güter per Schiff transportiert. Etwa Erze, Steine und Erden – aber auch viele weitere Rohstoffe. Mehr 0