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Terror Die Londoner tragen die Anschläge mit Fassung

08.07.2005 ·  Londons Wirtschaft hat auf die Anschläge gelassen reagiert. Der Börsenhandel geht ohne Unterbrechung weiter, befürchtet werden allerdings Absatzeinbußen im Einzelhandel und Tourismus.

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Als die Terroranschläge des 11. September New York in Angst und Schrecken versetzten, forderte der damalige Bürgermeister der Metropole, Rudolph Giuliani, die New Yorker auf: "Bleibt ruhig, macht euren Job, nehmt eure Kinder in den Park, und geht aus."

Auch der Londoner Oberbürgermeister Ken Livingston betonte nun nach den Anschlägen in der britischen Hauptstadt, eine Metropole, in der so viele Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion lebten, lasse sich nicht beirren. Die Londoner zeigen in der Tat die typisch britische "stiff upper lip". Die Gefaßtheit, mit der die Londoner seit vielen Jahren die Terroranschläge - erst der IRA und jetzt Al Qaidas - aufnehmen, läßt vermuten, daß sich die Auswirkungen der Anschläge nach dem ersten Schreck in Grenzen halten werden.

An der Börse wird weiter gehandelt

Am Donnerstag und Freitag lag London zwar wirtschaftlich erst einmal fast lahm. Viele Geschäfte konnten wegen mangelnden Personals nicht öffnen, Mitarbeiter steckten im Verkehrschaos fest. Die Bevölkerung wurde von Scotland Yard aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Theatervorführungen wurden abgesagt, die Othello-Oper in Covent Garden annulliert, Konzerte für das Wochenende verschoben.

Ölpreis fällt nach den Londoner Anschlägen

Zudem wird es einige Tage dauern, bis der Nahverkehr wieder reibungslos funktioniert, die Straßensperren um die Unglücksstellen aufgehoben sind und vor allem die Untergrundbahn wieder die üblichen drei Millionen Pendler befördern kann. Aber die Erfahrung des Terroranschlages von Madrid zeigt, daß sich die Bürger einer Stadt nicht lange davon abhalten lassen, ihren normalen Tagesablauf wiederaufzunehmen.

Vergleichsweise unterkühlt reagierte die London Metal Exchange (LME), deren Gebäude wegen der Anschläge in der Londoner City am Donnerstag geschlossen bleiben mußte. In einer Mitteilung betonte die Börsenleitung: "Diese Börse hat schon in anderen schwierigen Situationen einen ordentlichen Handel gewährleistet" - und so geschah es dann am Freitag auch. Es wurde gehandelt wie stets.

Handel befürchtet Umsatzeinbußen

Angesichts der Bedeutung Londons als größter Finanzplatz in Europa unternehmen die Bank von England, die Londoner Börsen und Banken alles, um "Business as usual" zu demonstrieren. Selbst am Donnerstag vormittag setzte das geldpolitische Komitee der Bank von England seine Sitzung fort - obwohl der Tatort des Terroranschlages im Bahnhof Liverpool Street fast in Hörweite lag.

Ob diese selbstbewußte Haltung auch im Londoner Einzelhandel vorherrscht, ist allerdings fraglich. Der Handel stöhnt ohnehin schon wegen der Zurückhaltung der Verbraucher, die nach fünf Zinserhöhungen und angesichts der hohen Energiepreise weniger konsumieren.

Wenn jetzt die Londoner der Innenstadt auch noch fernbleiben, weil sie nicht wissen, wann ihnen die nächsten Bomben um die Ohren fliegen, werden die Absatzeinbußen noch größer - um so mehr, als die Bank von England der Forderung des britischen Industrieverbandes nicht nachgekommen ist, die Zinsen zu senken.

Muslimische Händler fürchten Schuldzuweisung

Die Stadt London fürchtete schon vor den Terroranschlägen, daß der Konsumanstieg der Londoner Haushalte gegenüber dem vergangenen Jahr von 2,9 auf 1,8 Prozent sinken würde. Die Zurückhaltung dürfte jetzt noch größer und die Geschäftseinbuße schmerzhafter sein.

Große Sorge vor Rückschlägen haben zudem die asiatischen und muslimischen Geschäftsleute in der Stadt. In London leben Hunderttausende Asiaten und Muslime, die wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg der Stadt beitragen.

Ein Großteil des Lebensmittel-Einzelhandels ist fest in der Hand indischer und pakistanischer Geschäftsleute. Insgesamt stellen asiatische Arbeitgeber, von denen viele Muslime sind, in London 300.000 Arbeitsplätze. Ein Teil von ihnen befürchtet, daß sich die Empörung der Londoner über die Terroranschläge jetzt gegen sie richten könnte.

Angst vor Umbuchungen

Ähnlich sorgenvoll hat die Tourismus- und Hotelbranche die Terroranschläge verfolgt. Eigentlich hatte die Branche nach Angaben der Organisation "Visit London" gehofft, daß in diesem Jahr 3,5 Prozent mehr Touristen als 2004 nach London kommen würden, insgesamt also 13,8 Millionen Reisende. Im vergangenen Jahr hatte sich der London-Tourismus kräftig ausgeweitet: Dank der höheren Kaufkraft des Euro war die Zahl der Besucher aus der EU im vergangenen Jahr bereits von 5,7 auf 6,5 Millionen gestiegen.

"Visit London" meinte vor den Terroranschlägen, daß die Londoner Einnahmen aus dem Tourismus in diesem Jahr gut hätten um 3,3 Prozent auf 6,65 Milliarden Pfund steigen können. Jetzt fürchtet die Branche, daß zahlreiche Urlauber ihre Reisen umbuchen werden.

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