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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Steigende Preise China bekommt die Inflation nicht in den Griff

 ·  China wächst stärker als jede andere nennenswerte Wirtschaftsmacht. Und die Preise kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. Neuen Zahlen vom Wochenende zufolge stiegen sie im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,1 Prozent. Es droht Überhitzung.

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Chinas Wirtschafts- und Inflationsentwicklung hat sich von den Versuchen der Regierung und der Notenbank zu einer Abkühlung bisher kaum beeindrucken lassen. Fachleute rechnen daher mit einer weiteren Straffung der Geldpolitik und schärferen Preiskontrollen. Neuen Zahlen vom Wochenende zufolge stiegen die Verbraucherpreise im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,1 Prozent. Im Oktober hatte die Inflation schon 4,4 Prozent betragen, in den ersten elf Monaten zusammen waren es 3,2 Prozent.

Das Ziel der Regierung für das Gesamtjahr beträgt 3 Prozent. Wie das Statistikbüro weiter mitteilte, legte die Industrieproduktion im November um 13,3 Prozent zu. Dieser Wert übertraf die Erwartungen ebenfalls. Die Anlageinvestitionen wuchsen in den ersten elf Monaten um fast 25 Prozent, die Einzelhandelsumsätze legten im November um annähernd 19 Prozent zu.

Starkes Wachstum

Zwar blieb die für das Wochenende erwartete Zinserhöhung zunächst aus. Sie wäre erst die zweite seit 2007 gewesen, nachdem die Notenbank die Sätze im Oktober angehoben hatte. Am Freitag versuchte die Zentralbank aber auf andere Weise, Liquidität vom Markt zu nehmen. Zum sechsten Mal in diesem Jahr erhöhte sie die Mindestreserveanforderungen der Geschäftsbanken. Dieses Geld müssen die Institute bei der Zentralbank hinterlegen, so dass es für Kredite nicht zur Verfügung steht. Angesichts der höheren Inflations- und Konjunkturwerte rechnen Banken wie die Hongkonger HSBC jetzt „unmittelbar“ mit einer weiteren Straffung der Geldpolitik. Erst kürzlich hatte das Politbüro der Kommunistischen Partei entschieden, die Geldpolitik von „gemäßigt locker“ zu „vorsichtig“ zu verschärfen.

China wächst stärker als jede andere nennenswerte Wirtschaftsmacht. Das Bruttoinlandsprodukt stieg 2009 real um 9,1 Prozent und dürfte auch in diesem Jahr die Planungen von 8 Prozent übertreffen. Die Zunahme der Wirtschaftsleistung ist nicht zuletzt einem Konjunkturpaket von umgerechnet 400 Milliarden Euro zur Krisenbekämpfung zu verdanken. 2009 hatten die staatlich dominierten Banken zudem rund 1000 Milliarden Euro verliehen, in diesem Jahr werden es mindestens 850 Milliarden Euro werden.

Die Wirtschaft könnte überhitzen

Skeptikern zufolge könnte die Stimuluspolitik jetzt die Wirtschaft überhitzen und andere unliebsame Nebeneffekte zeitigen. So haben sich Überkapazitäten in der Stahl- oder Baustoffwirtschaft gebildet. Da die Realzinsen negativ und die Anlagemöglichkeiten in China begrenzt sind, fließt viel spekulatives Geld in den Immobilienmarkt. Einer neuen Untersuchung der staatlichen Chinese Academy of Social Sciences zufolge liegen die Häuserpreise in den 35 wichtigsten Städten des Landes um 30 bis 50 Prozent über den fundamental gerechtfertigten Werten.

Die hohe Inflation könnte nach Ansicht von Ökonomen die Bereitschaft Chinas erhöhen, die Landeswährung Renminbi (Yuan) schneller als bisher aufzuwerten. Nach einer vorsichtigen Lockerung der Dollar-Bindung im Juni hat der Renminbi bislang um 3 Prozent zugelegt. Für eine schnellere Aufwertung spricht neben auch das starke Exportwachstum. Im November stieg die Ausfuhr im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast 35 Prozent auf 153 Milliarden Dollar. Der Handelbilanzüberschuss von 23 Milliarden Dollar lag ebenfalls über den Erwartungen.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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