http://www.faz.net/-gqe-75h9p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 03.01.2013, 04:30 Uhr

Starker deutscher Jobmarkt So wenige Arbeitslose wie zuletzt im Jahr 1991

Im vergangenen Jahr waren in Deutschland im Schnitt nur knapp 2,9 Millionen Menschen ohne Arbeit - der beste Wert seit 20 Jahren. Aber auch der deutsche Arbeitsmarkt kann sich der Krise nicht gänzlich entziehen.

© Bundesagentur für Arbeit

Der deutsche Arbeitsmarkt bleibt robust, hat sich auf hohem Niveau aber auch im Dezember etwas eingetrübt. Insgesamt sind im Schlussmonat des gerade zu Ende gegangenen Jahres 2,84 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos gewesen. Das sind 88.000 mehr als im November. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit ist damit höher ausfallen als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre.

Im Dezember des Jahres 2011 waren ungefähr 60.000 Menschen weniger arbeitslos gewesen. Die Arbeitslosenquote ist damit nun auf 6,7 Prozent gestiegen. Insgesamt hat sich der deutsche Arbeitsmarkt im gerade zu Ende gegangenen Jahr allerdings äußerst robust und resistent gegenüber der Krise gezeigt: Im Durchschnitt waren 2,897 Millionen Menschen ohne Arbeit, rund 79.000 weniger als im Jahr 2011 und so wenige wie zuletzt im Jahr 1991.

BA-Chef Weise: „Arbeitsmarkt bleibt robust“

„Der Arbeitsmarkt reagierte auch zum Jahresende robust auf die wirtschaftliche Eintrübung“, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise in Nürnberg. „Spuren sind aber sichtbar.“  Auch bereinigt um jahreszeitliche Sondereffekte legte die Arbeitslosigkeit zu, wenngleich sich daraus verglichen mit dem November nur ein Anstieg um 3000 ergibt. Zuvor befragte Volkswirte hatten einen deutlich höheren Anstieg erwartet.

Kopie von Infografik / Arbeitslosenzahlen regional im Dezember 2011 © Bundesagentur für Arbeit Vergrößern So sah es vor einem Jahr aus.

„In den Zahlen spiegelt sich wieder, dass die Unternehmen im Moment mit der Einstellung neuer Mitarbeiter erst einmal abwarten“, meint etwa Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. Ebenso wie Deutsche Bank-Volkswirt Heiko Peters rechnen die meisten seiner Kollegen mit einem schwachen Winterhalbjahr auf dem Arbeitsmarkt. Für Allianz-Volkswirt Rolf Schneider hat im Dezember auch der früh einsetzende Winter in weiten Teilen Deutschlands den Arbeitsmarkt belastet. Frost und Schnee lähmten vor allem die Arbeit in Gärtnereien, im Landschaftsbau und anderen Außenberufen.

Mehr zum Thema

Die meisten Experten halten den Arbeitsmarkt aber dennoch für robust. Nach Beobachtung von Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut zögerten viele Unternehmer mit einem Arbeitsplatzabbau und versuchten, Auftragslücken mit dem Abbau von Arbeitszeitkonten abzufedern. „Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist zwar stark gesunken, auf die Arbeitslosenzahlen hat das aber noch nicht richtig durchgeschlagen“, gibt Henzel zu bedenken. Der aktuell leichte Anstieg der Arbeitslosenzahlen hänge auch damit zusammen, dass weniger Jobsucher Aus- und Fortbildungen absolvierten. Wer sich auf Kosten der Bundesagentur für Arbeit weiterbildet, gilt während dieser Zeit nicht als erwerbslos.

Die Bundesagentur für Arbeit hat im vergangenen Jahr aufgrund der insgesamt stabilen Entwicklung einen Überschuss von 2,6 Milliarden Euro erzielt.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anstieg durch Zuwanderung Deutschland hat 82,2 Millionen Einwohner

Die Bevölkerung in Deutschland ist auf 82,2 Millionen gestiegen. Das liegt vor allem an der Zuwanderung. Noch nie kamen so viele Menschen nach Deutschland wie im vergangenen Jahr. Mehr

26.08.2016, 09:27 Uhr | Politik
Willkommenskultur In Portugal kommen zu wenige Flüchtlinge an

Anders als viele osteuropäische Staaten zeigt Portugal Solidarität in der Flüchtlingsfrage. Das Land will 10.500 Kriegsflüchtlinge aufnehmen und auch viele Portugiesen sind dafür aufgeschlossen. Bisher sind aber kaum Menschen gekommen. Mehr

25.08.2016, 18:11 Uhr | Politik
Ruhestand in Deutschland Rente mit 73

Die Deutschen leben immer länger. Und immer gesünder. Was spricht dagegen, auch immer länger zu arbeiten? Mehr Von Dyrk Scherff

22.08.2016, 15:01 Uhr | Finanzen
Alternative Ernährung Berlin als Trendstadt für Veganer

Immer mehr Menschen wollen sich vegan, also ganz ohne tierische Produkte ernähren: 900.000 sollen es in ganz Deutschland sein. Fast zehn Prozent davon leben Schätzungen zufolge in Berlin, und so ist es nicht überraschend, dass die deutsche Hauptstadt hier Trendsetter ist. In Berlin gibt es mehr vegane Restaurants als in Paris oder London, und immer mehr vegane Betriebe schießen aus dem Boden. Mehr

23.08.2016, 02:00 Uhr | Gesellschaft
Osteuropa In Bosnien lässt sich gutes Geld verdienen

Lange prägte der Streit zwischen VW und Zulieferern der Prevent-Gruppe aus Bosnien die Schlagzeilen. Selten hörte man hierzulande so viel von Unternehmen aus diesem politisch zerrissenen Land. Wie geht es eigentlich der Wirtschaft dort? Mehr Von Christian Geinitz, Wien

25.08.2016, 07:31 Uhr | Wirtschaft

Heilpraktiker - keine Mini-Ärzte

Von Andreas Mihm

Sanfte Medizin und ein paar Globuli - das kann doch gar nicht schaden. Oder doch? So harmlos, wie sie daherkommt, ist die homöopathische Medizin keineswegs. Mehr 16 42

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden