Home
http://www.faz.net/-gqf-q1ui
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Stabilitätspakt Gute Tage, schlechte Tage

24.03.2005 ·  Keine Verfassung wird die Wähler wieder mit der Brüsseler Politik versöhnen, keine Weltmachtambition wird die Leute zu Gesinnungseuropäern machen, wenn die Union nicht wirtschaftlich zu Kräften kommt. Das, was beim EU-Gipfel in Brüssel beschlossen wurde, war kein Signal des Optimismus.

Artikel Bilder (6) Lesermeinungen (0)

Wenn der Kanzler sich da nur nicht irrt: Einen guten Tag für Europa hat er die Kündigung der Police zum finanzpolitischen Schutz des Euro, des Stabilitätspakts, genannt. Das war das, was er und sein Mitkämpfer Chirac (und ein paar andere Sünder) wollten und zugestanden bekamen.

Schröder und Chirac wollten auch eine „Überarbeitung“ der Dienstleistungsrichtlinie, und auch diesem Begehren ist stattgegeben worden.

Mit anderen Worten: Das deutsch-französische Tandem, das für den Fortgang der europäischen Einigung ja unerläßlich sein soll, hat sich gleich zweimal „erfolgreich“ betätigt: bei der Demontage einer europäischen Schlüsselinstitution und dabei, der europäischen Wachstumsstrategie ihren womöglich dynamischsten Teil zu nehmen, weil die Dienstleistungsrichtlinie jetzt vermutlich minimalisiert und nicht nur dort, wo es im Detail notwendig ist, korrigiert wird. Ergebnisse, die den innenpolitisch Bedrängten zupaß kommen - aber gute Ergebnisse für Europa?

Die Wahrung des „europäischen Sozialmodells“

Immerhin hat man kleinlaut das Ziel gestrichen, bis zum Jahre 2010 der wettbewerbsstärkste Raum der Welt zu werden. Das klang schon vor fünf Jahren, als es verkündet wurde, ziemlich bombastisch, und heute ist auch nicht zu erkennen, daß der europäische Wirtschaftsverband die alte Dynamik zurückerlangt. Solange jedenfalls die großen kontinentalen Volkswirtschaften durch (politisch flankierte) Minderleistung auffallen.

Und solange die maßgeblichen Politiker so tun, als sei die Wahrung des „europäischen Sozialmodells“ so etwas wie eine zivilreligiöse Verpflichtung. Eine Wahrheit dieses Sozialmodells ist unerfreulich; sie lautet: In Deutschland sind weit mehr als fünf Millionen Leute ohne Arbeit; in Frankreich liegt die Arbeitslosenquote bei gut zehn Prozent. Das ist das Modell, auf das die Europäer partout nichts kommen lassen.

Kein Signal des Optimismus

Dabei müßte ihnen doch mittlerweile klar sein, daß ohne Wachstum nicht nur das Sozialmodell erodiert, sondern auch die Zustimmung zu „Europa“ dahinschwindet. Keine Verfassung wird die Wähler wieder mit der Brüsseler Politik versöhnen, keine Weltmachtambition wird die Leute zu Gesinnungseuropäern machen, wenn die Union nicht wirtschaftlich zu Kräften kommt.

Das, was in den vergangenen Tagen in Brüssel beschlossen wurde, war kein Signal des Optimismus. Im Gegenteil. Und die Kommission hat auch keinen Preis für praktiziertes Selbstbewußtsein gewonnen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 11 13

30.05.2012 10:39 Uhr
  Vortag
Dax 6.342,45 −0,85%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.382,31 −0,85%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2452 −0,29%
Rohöl Brent Crude 105,57 $ −1,20%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.