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Schwache Wirtschaft Rezessionsangst in Amerika

08.06.2008 ·  Die Arbeitslosenzahlen und der Ölpreis nähren die Konjunktursorgen in den Vereinigten Staaten. Expertenmeinungen zufolge, verdichten sich Hinweise auf eine Rezession. McCain und Obama kritisieren derweil die Wirtschaftspolitik von Präsident Bush.

Von Claus Tigges, Washington
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Ein kräftiger Anstieg der Arbeitslosenquote und der Sprung des Ölpreises um fast 11 Dollar auf 138,54 Dollar je Fass am Freitag haben in Amerika von neuem die Furcht vor einer Rezession geschürt. Hoffnungen, dass die kräftigen Leitzinssenkungen der Notenbank Federal Reserve (Fed) und das milliardenschwere Konjunkturpaket von Regierung und Kongress die Konjunktur beleben werden, erhielten einen deutlichen Dämpfer. Abzulesen war dies unter anderem am führenden Börsenbarometer der Wall Street, dem Dow Jones, der um fast 400 Punkte oder 3,13 Prozent auf 12.209 Punkte sackte.

Wie das Amt für Arbeitsmarktstatistik berichtete, wurden in amerikanischen Unternehmen im Mai im Saldo 49.000 Stellen gestrichen. Insgesamt sind damit in diesem Jahr 324.000 Arbeitsplätze verlorengegangen. Das war von zahlreichen Bankvolkswirten an der Wall Street aber erwartet worden; überraschend kam indes der Anstieg der Arbeitslosenquote von 5 auf 5,5 Prozent - der größte monatliche Sprung seit mehr als zwei Jahrzehnten. „Wer jetzt noch meint, die amerikanische Wirtschaft befinde sich nicht in einer Rezession, der muss an ein neues Paradigma glauben“, kommentierte David Rosenberg, Chefvolkswirt von Merrill Lynch, die Arbeitsmarktzahlen.

Unwahrscheinlich, dass Leitzins heraufgesetzt wird

Vor allem die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen im Alter von 18 und 19 Jahren sei stark gestiegen, weil offenbar wegen der schlechten Wirtschaftslage nicht genügend Sommerjobs angeboten werden, meint Rosenberg. „Die Hinweise auf eine Rezession verdichten sich“, sagt auch Jared Bernstein vom Economic Policy Institute in Washington, einer gewerkschaftsnahen Denkfabrik. Große Sprünge in der Arbeitslosenquote seien zwar mit Vorsicht zu bewerten, weil dahinter statistische Ungereimtheiten stecken könnten. „Aber es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die amerikanische Wirtschaft seit einem halben Jahr äußerst schwach ist.“ Mehr und mehr Amerikaner seien auf der Suche nach einer Stelle, könnten aber keine finden, insbesondere in der von der Häuserkrise betroffenen Bauwirtschaft und im Produzierenden Gewerbe. „Nun ist der Kongress gefordert. Er muss eine verlängerte Bezugsdauer der Arbeitslosenunterstützung beschließen“, fordert Bernstein. Der Senat hat bereits einer Verlängerung von 26 auf 39 Wochen zugestimmt, doch im Repräsentantenhaus gibt es noch Widerstand.

Zahlreiche Bankökonomen und auch viele Finanzmarktakteure halten es angesichts der trüben Wirtschaftslage nun wieder für etwas unwahrscheinlicher, dass die Fed in den kommenden Monaten den Leitzins heraufsetzen wird, um die Inflationsgefahr zu bekämpfen. Der geldpolitische Rat der Fed tagt Ende dieses Monats das nächste Mal. Die beiden Präsidentschaftsbewerber, Barack Obama und John McCain, reagierten in ihrem Wahlkampf prompt auf die düsteren Konjunkturnachrichten. „Das ist eine Erinnerung daran, dass Arbeitnehmerfamilien die Last der verfehlten Wirtschaftspolitik von Präsident George Bush tragen, die John McCain vier weitere Jahre fortsetzen will“, sagte Obama. „Der falsche ,Wechsel' wäre eine Wirtschaftspolitik der Vergangenheit, die auf höhere Steuern, mehr Staat, eine staatliche Krankenversicherung und Protektionismus setzt. Um den Familien in dieser schwierigen Zeit zu helfen, dürfen wir nicht rückwärts gehen, so wie Senator Obama es will“, entgegnete McCain. McCains Wirtschaftsberater Douglas Holtz-Eakin ging auf Distanz zu Bush: Bedauerlicherweise verstehe dieser von Wirtschaft nicht viel mehr, als dass niedrigere Steuern gut seien.

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