Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform befürchtet eine neue Überschuldungswelle bei Privathaushalten in Deutschland. Der in den nächsten zwei Jahren zu erwartende Wiederanstieg der Arbeitslosenzahlen werde wohl dazu führen, dass die Überschuldung der Verbraucher wieder steige, prognostizierte die Wirtschaftsauskunftei am Dienstag bei der Vorstellung des Schuldner-Atlas Deutschland 2008 in Düsseldorf.
Ein Sprecher der Wirtschaftsauskunftei sagte zu FAZ.NET, Creditreform rechne damit, dass die Überschuldung der Verbraucher im Jahr 2009 mindestens wieder auf das Niveau von 2007 ansteigen werde - möglicherweise sogar darüber hinaus. Im Jahr 2007 galten 7,3 Millionen Bewohner Deutschlands oder mehr als jeder zehnte erwachsene Einwohner als überschuldet oder wiesen zumindest nachhaltige Zahlungsstörungen auf.
In diesem Jahr war dank des konjunkturellen Aufschwungs die Zahl der überschuldeten Bundesbürger laut Creditreform noch um 470.000 auf 6,9 Millionen Betroffen zurückgeganen. Durch die gute Wirtschaftsentwicklung hätten viele Schuldner neue Beschäftigungsverhältnisse aufnehmen können und seien dadurch in der Lage gewesen, ihre Schulden abzubauen, berichteten die Experten. Gleichzeitig ging erstmals seit Einführung der Verbraucherinsolvenz die Zahl der Privatinsolvenzen zurück.
„Entwicklung des Arbeitsmarktes wird voll durchschlagen“
„Nächstes Jahr wird die Entwicklung des Arbeitsmarktes voll durchschlagen“, sagte der Sprecher zu FAZ.NET. Obgleich die Deutschen generell vorsichtiger im Schuldenmachen seien als die Amerikaner führe schwache Konjunktur und steigende Arbeitslosigkeit „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dazu, dass Altkredite schwerer bedient werden können.“ Allerdings sei gleichzeitig ein Rückgang der Neuverschuldung unter den Privatpersonen zu erwarten. „Zum einen werden sie sich bei großen Anschaffungen zurückhalten und deshalb weniger Kredite aufnehmen, zum anderen werden die Banken die Bonität künftig sehr viel genauer prüfen“, sagte der Sprecher. Außerdem werde die durchschnittliche Höhe der Kredite sinken.
Im vergangenen Jahr nahm die Überschuldung in Ostdeutschland stärker ab als im Westen. Die niedrigsten Schuldnerquoten wiesen laut Schuldner-Atlas die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg auf, die höchsten Bremen, Berlin und Sachsen-Anhalt.
Amerikaner und Briten machen mehr Schulden
Der Schuldner-Atlas zeigt darüber hinaus, dass die Deutschen im Vergleich zu den Bürgern der Vereinigten Staaten oder Großbritannien zurückhaltend im Schuldenmachen sind. „Nach überschlägigen Berechnungen können rund 35 Millionen Amerikaner als überschuldet eingestuft werden“, hieß es in einer Mitteilung von Creditreform. Für die nächsten Monate sei in den Vereinigten Staaten vor dem Hintergrund von mehr als drei Millionen Zwangsversteigerungen im Jahr 2008, des konjunkturellen Abschwungs sowie eines deutlichen Anstiegs der Kreditkartenausfallquoten mit einem weiteren drastischen Anstieg der Schuldnerquote zu rechnen.
Auch in Großbritannien gelten etwa 5,1 Millionen Menschen als überschuldet; anders als in Deutschland ging die Überschuldung dort nicht zurück. Creditreform geht davon aus, dass die Überschuldung dort „auch 2009 weiter und stärker steigen wird als in Deutschland“. Verantwortlich dafür seien die stärkere Verstrickung in die globale Finanzkrise und Probleme am britischen Immobilienmarkt.
Kein Wunder. Wenn Politik sich vorwiegend darauf beschränkt,
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 04.11.2008, 16:46 Uhr
Nord-Süd-Gefälle
Martin Kunstmann (Martinek)
- 04.11.2008, 17:10 Uhr
