Home
http://www.faz.net/-gqf-7564i
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Schuldenkrise Standard & Poor ’s stuft Griechenland kräftig hoch

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Bonitätsbewertung für Griechenland von „teilweisem Kreditausfall“ auf „B-“ erhöht. Die Staaten der Eurozone seien entschlossen, Griechenland in der Eurozone zu halten, teilte S&P als Begründung mit.

© dpa Vergrößern Bescherung vor Weihnachten - S&P stuft Griechenland hoch

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands nach dem erfolgreichen Anleihenrückkauf um mehrere Stufen angehoben. Die Bewertung erhöhe sich von einem teilweisen Zahlungsausfall („SD“) auf „B-“, teilte die Agentur am Dienstagabend mit. Dies entspricht einer spekulativen Anlage. Der Ausblick sei stabil.

S&P begründete den Schritt mit der starken Bestrebung der Euro-Partner, das Land in der gemeinsamen Währungszone zu halten. Athen hatte zuletzt Anleihen im Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro am Markt aufgekauft. Erst vergangene Woche hatten die Euro-Finanzminister nach monatelanger Hängepartie 49,1 Milliarden Euro an Notkrediten endgültig freigegeben.

S&P hatte Griechenland wegen des Schuldenrückkaufs Anfang Dezember herabgestuft, weil es dieses Vorgehen als teilweisen Zahlungsausfall bewertet. Die Note für die Kreditwürdigkeit des Landes wurde seinerzeit von „CCC“ auf „SD“ gesenkt. Damals hatte die Agentur aber angekündigt, die Bewertung für den Fall eines geglückten Rückkaufs wieder zu erhöhen.

Streiks für Mittwoch angekündigt

Griechenland hatte mit dem Abschluss dieser Aktion den Weg für die Hilfsmilliarden freigemacht. Mit dem Rückkauf von alten Staatsanleihen über 31,9 Milliarden Euro reduzierte Athen seine Schuldenlast auf einen Schlag um rund 20 Milliarden Euro. Viele Anleger wollten ihre Papiere, deren Wert in den vergangenen Jahren rasant gesunken war, zu akzeptablen Preisen von 30 bis 40 Prozent des Nennwertes zurückgeben.

Insgesamt sehen die internationalen Geldgeber für die Rettung Griechenlands vor dem Staatsbankrott aber große Risiken. In ihrem in Brüssel veröffentlichten Bericht äußert die Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) Zweifel daran, dass Athen tatsächlich seinen Verpflichtungen nachkommt und die zugesagten Reformen verwirklicht. „Die Risiken für die Umsetzung des Programms bleiben sehr hoch“, heißt es. Probleme könnten durch die brüchige Regierungskoalition und den politischen Widerstand gegen manche Vorhaben entstehen. Die milliardenschweren Notkredite sollten dennoch wie geplant an Athen fließen.

Aus Protest gegen geplante Entlassungen wollen die Staatsbediensteten an diesem Mittwoch in Griechenland streiken. Schulen, Ministerien und Steuerämter sowie die Behörden der Städte sollen geschlossen bleiben. Auch Züge werden nicht fahren, wie die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes ADEDY mitteilte. Das Motto laute: „Entweder Du kämpfst oder Du wirst entlassen“. Im Zuge der Einsparungen sollen in den nächsten Jahren rund 150.000 Staatsbedienstete gehen.

Bereits seit Montag behandeln die Ärzte Patienten der staatlichen Krankenkassen nur gegen Barzahlung. Der Staat schuldet ihnen nach Angaben ihrer Gewerkschaft mehrere Millionen Euro. Schon seit zwei Wochen geben die griechischen Apotheker Medikamente nur noch gegen Bargeld aus. Hintergrund ist auch hier, dass die staatlichen Krankenkassen ihre Schulden bei den Apothekern seit Monaten nicht bezahlt haben sollen. Auch die Müllabfuhr streikt in vielen Städten des Landes.

Mehr zum Thema

Quelle: AFP, Reuters, dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Herabstufung Russlands Kreml: Ramsch-Rating direkter Befehl aus Washington

Die russische Regierung hat die Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau als politisch motiviert kritisiert. Die Rating-Entscheidungen hätten nichts mit der wirtschaftlichen Realität zu tun, sagte ein Putin-Sprecher. Mehr

27.01.2015, 15:31 Uhr | Finanzen
Eurozone Euro ohne Griechenland?

Könnte Griechenland aus der Eurozone austreten? Nach Angaben des Spiegels hält die Bundesregierung dies für möglich, sollte die griechische Linke die Wahlen gewinnen und sich dem Sparkurs verweigern. Mehr

05.01.2015, 09:09 Uhr | Politik
Neue Regierung Griechenland will entlassene Beamte zurückholen

Einen Tag nach ihrem Amtsantritt verkündet die neue Regierung in Griechenland erste Vorhaben: Entlassene Beamten sollen zurückgeholt werden. Zudem wird die Privatisierung der Häfen Piräus und Thessaloniki gestoppt. Mehr

28.01.2015, 10:20 Uhr | Wirtschaft
Selbst schuld? Griechen drohen Privat-Pleiten

In Griechenland ächzt nicht nur der Staat unter einer kolossalen Schuldenlast: Verbraucher und Firmen können 77 Milliarden Euro an Bankkrediten nicht zurückzahlen. Vielen Haushalten droht die Insolvenz, und das könnte auch das erhoffte leichte Wirtschaftswachstum gleich wieder abwürgen. Mehr

03.11.2014, 16:40 Uhr | Wirtschaft
Ratingagentur S&P stuft Russland auf Ramsch herunter

Der sinkende Ölpreis und die Kapitalflucht reicher Bürger machen Russland zu schaffen. S&P hat das Land jetzt auf Ramschniveau herabgestuft. Andere Ratingagenturen sind da noch optimistischer. Mehr

26.01.2015, 20:18 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.12.2012, 18:53 Uhr

Die vernachlässigten Steuerzahler

Von Manfred Schäfers, Berlin

Der Finanzminister rechnet die kalte Progression klein. Die Abgeordneten werden schlecht informiert. Mehr 51 54


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Grafik des Tages Das iPad macht halb so viel Umsatz wie Google

26,7 Milliarden Euro betrug der Umsatz mit Apples Tabletcomputer iPad. Damit setzt der Konzern allein mit einem Produkt mehr um, als viele Dax-Konzerne erwirtschaften. Mehr 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden