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Schrumpfendes BIP Europa fällt tiefer in die Rezession

 ·  Ein schlechteres Ergebnis als selbst von pessimistischen Ökonomen erwartet: Das Bruttoinlandsprodukt der 17 Länder der Eurozone ist im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent geschrumpft.

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© F.A.Z. Vergrößern

Die Wirtschaft der Eurozone ist im vierten Quartal 2012 in eine deutlich tiefere Rezession gesunken als bisher vermutet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der 17 Länder schrumpfte um 0,6 Prozent, teilte das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mit. Das war ein schlechteres Ergebnis als selbst von pessimistischen Ökonomen erwartet. Volkswirte sprachen vom stärksten Einbruch seit der Finanzkrise, vor allem weil sich die Rezession in Südeuropa verschärft hat. Der Euro-Kurs gab nach Bekanntwerden der Konjunkturdaten um fast ein Prozent nach. In Deutschland schrumpfte das BIP im Schlussquartal wie im Euro-Durchschnitt um 0,6 Prozent. Hauptgrund dafür waren der Einbruch der Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen sowie der Rückgang des Exports zum Jahresende. Die Industrie hat ihre Produktion im vierten Quartal um rund 3 Prozent gedrosselt, die Autobranche sogar um 8 Prozent.

Die Wirtschaftslage ist um so düsterer, je weiter südlich man blickt. Frankreich büßte im vierten Quartal 0,3 Prozent Wirtschaftsleistung ein. Schlecht entwickelte sich die Wirtschaft vor allem in Italien und Spanien: Mit 0,9 Prozent Absturz im Schlussquartal hat sich die Rezession der italienischen Wirtschaft erheblich verschärft. Auch in Spanien hat sich die Rezession mit 0,7 Prozent Einbruch nochmals verstärkt, Zypern rutschte tiefer in die Rezession. Den stärksten Quartals-Rückgang musste Portugal mit 1,8 Prozent hinnehmen. Die Arbeitslosenquote stieg dort zum Jahresende auf 16,9 Prozent, in Spanien beträgt sie gut 26 Prozent. In Griechenland sank das BIP um 6 Prozent unter den Vorjahreswert.

„Der französische Patient bereitet zunehmend Sorgen“

Die Schwächephase der deutschen Wirtschaft sei nur temporär, sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. „Die hohe Unsicherheit in Europa hat die Investitionen gebremst und die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland gedämpft“, erklärte Rösler. Im Verlauf dieses Jahres werde die deutsche Wirtschaft aber zum Wachstum zurückfinden. Aktuelle Unternehmensbefragungen bestätigten diese zuversichtliche Einschätzung. Triebkraft werde dabei die Binnenwirtschaft sein, vor allem wegen des robusten Arbeitsmarktes. Tatsächlich signalisieren das Ifo-Geschäftsklima oder der Einkaufsmanagerindex wieder mehr Optimismus in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sieht die Schwächephase schon im ersten Quartal überwunden. Der Dienstleistungsbereich stütze die Konjunktur, der Export ziehe aufgrund von Aufträgen aus den Schwellenländern an. Rolf Schneider, Volkswirt der Allianz, erwartet eine Erholung der Industrieproduktion im ersten Quartal und einen Anstieg des deutschen BIP um 0,5 Prozent.

Auch die Weltwirtschaft erholt sich, vor allem in Asien geht es wieder deutlich bergauf. „Nach dem Stillstand im vergangenen Halbjahr scheint die Weltkonjunktur wieder Tritt zu fassen“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. In Südeuropa hingegen sieht es düster aus. „Das Konjunkturgefälle wird sich im Jahr 2013 weiter vergrößern“, erwartet Christoph Weil von der Commerzbank. Die Peripherie bleibe in der Rezession und stabilisiere sich erst im Herbst. Am Vortag hatte der Europa-Chefanalyst der Ratingagentur S&P, Moritz Krämer, vor einer möglichen weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens, Italiens, Portugals und auch Frankreichs in diesem Jahr gewarnt.

In Frankreich ist die Wirtschaftsstimmung - anders als in Deutschland - zuletzt nochmals gesunken. „Der französische Patient bereitet zunehmend Sorgen, weil sich zyklische mit struktureller Schwäche mischt“, schreibt Holger Sandte, Chefanalyst der Fondsgesellschaft Nordea. „Die Wirtschaft dort dürfte auch im laufenden Quartal schrumpfen - und womöglich auch im Gesamtjahr 2013.“ Jüngst hat die Politik in Paris eingestanden, dass sie die Ziele zum Defizitabbau verfehlen wird. „Frankreich bleibt auf einer rutschigen Bahn in Richtung einer Finanzkrise, wenn auch vielleicht erst in einigen Jahren“, meinte der Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank.

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