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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schlechte Wirtschaftsdaten Die Sorge um die Weltkonjunktur wächst 

 ·  Nicht nur der Euro verliert derzeit an Wert. Schlechte Wirtschaftsdaten aus vielen Ländern sorgen für große Unsicherheit an den Finanzmärkten. Vor dem globalen Schwächeanfall bleiben nur wenige verschont.

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Eine Fülle schlechter Wirtschaftsdaten rund um den Globus wecken an den Finanzmärkten Sorgen über die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur. Neben den Industrienationen scheint die Krise auf bisher starke Schwellenländer auszustrahlen. Die Finanzmärkte reagieren mit Kursrückgängen für viele Aktien und Rohstoffe und einer steigenden Nachfrage nach Staatsanleihen aus Ländern wie den Vereinigten Staaten, Deutschland und der Schweiz, die als sicher gelten.

Während der MSCI-Welt-Aktienindex seit einem Zwischenhoch im März 2012 mehr als 10 Prozent eingebüßt hat und der Preis für ein Fass Brent-Rohöl (159 Liter) im gleichen Zeitraum sogar um rund 25 Prozent zurückgegangen ist, erreichte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen Ende vergangener Woche mit 1,13 Prozent einen historischen Tiefststand. Der Frachtraten-Index „Baltic Dry“ hat sich seit Dezember 2011 halbiert. Mittlerweile nehmen an den Finanzmärkten Spekulationen über weitere Lockerungen der Geldpolitik zu.

Vom globalen Schwächeanfall verschont

In ihrem neuen Quartalsbericht konstatiert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eine Rückkehr tiefer Verunsicherung an den Finanzmärkten, die sich unter anderem in starken Preisschwankungen und umfangreichen Spekulationen gegen den Euro an Devisen-Terminmärkten äußere.

Konjunkturelle Schwächezeichen sind nicht nur im Euroraum erkennbar, wo die Arbeitslosenquote 11 Prozent beträgt und der Einkaufsmanagerindex der Industrie mit 45,1 Punkten seinen niedrigsten Stand seit Mai 2009 erreicht hat. „Hohe Produktions- und Auftragseinbußen sorgten abermals für einen Stellenabbau“, kommentiert das Unternehmen Markit, das den Index nach einer Umfrage unter Managern berechnet. In Großbritannien gab es einen überraschend starken Rückgang der Stimmung im verarbeitenden Gewerbe.

Auch in den Vereinigten Staaten, die bislang von dem globalen Schwächeanfall weitgehend verschont geblieben waren, kühlt die Konjunktur deutlich ab. Im Mai wurden nach saisonbereinigter Rechnung nur noch 69.000 neue Stellen geschaffen, nachdem der April mit 77.000 neuen Stellen schon sehr schwach gewesen war. Ökonomen halten einen Stellenaufbau von rund 130.000 im Monat für notwendig, damit die Erholung ihren Schwung behält. In den ersten drei Monaten des Jahres waren dank des außergewöhnlich warmen Winterwetters durchschnittlich je 226 000 Stellen entstanden.

Das Tempo der Erholung im verarbeitenden Gewerbe ließ nach der Einkaufsmanagerumfrage des Institute for Supply Management nach. Für Präsident Barack Obama kommen die schlechten Wirtschaftsdaten höchst ungelegen. Er verwies auf die Schatten, die von Europa aus auf die amerikanische Wirtschaft fielen. Die Vereinigten Staaten stehen indes noch lange nicht vor einer Rezession. Die Industrieunternehmen berichteten auch im Mai von steigenden Aufträgen. Selbst der Anstieg der Arbeitslosenquote von 8,1 auf 8,2 Prozent kann auch als gutes Zeichen interpretiert werden. Er gründet vor allem darin, dass mehr Amerikaner auf den Arbeitsmarkt zurückkehren und auf Stellensuche gehen.

Wie in den beiden Vorjahren aber zeichnet sich nach einem guten Jahresbeginn eine deutliche Abkühlung der Konjunktur ab. Analysten nennen als Grund vor allem steigende Unsicherheit über die europäische Schuldenkrise, die Unternehmen vor Neueinstellungen zurückschrecken lasse. Damit bahnt sich eine Debatte über eine abermalige Lockerung der Geldpolitik an. In diesem Monat endet das „Operation Twist“ genannte Programm, in dem die Zentralbank Federal Reserve für 400 Milliarden Dollar kurzfristige Staatsanleihen verkauft und langfristige Staatsanleihen ankauft. Zuletzt hatten wichtige Geldpolitiker signalisiert, dass sie weitere Lockerungen vorerst nicht für nötig hielten.

Zweifel an einer robusten Wirtschaftsentwicklung ergreifen auch wichtige Schwellenländer. So hat sich die Stimmung in der chinesischen Industrie im Mai stärker eingetrübt als von Ökonomen erwartet. Der Stimmungsindex fällt seit gut einem halben Jahr. Die brasilianische Zentralbank hat ihren Leitzins wegen Konjunktursorgen auf 8,5 Prozent gesenkt. Basiliens Wirtschaft wuchs im ersten Quartal nur um 0,2 Prozent. An den Finanzmärkten hält man weitere Zinssenkungen für wahrscheinlich, da die brasilianische Wirtschaft unter einer konjunkturellen Abschwächung in China leiden könnte. Die Zentralbank versucht derzeit mit Devisen-Swapgeschäften eine weitere Abwertung der Landeswährung Real zu verhindern, nachdem sie zuvor über Jahre versucht hatte, eine unerwünschte Aufwertung zu erschweren.

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Von Julia Löhr

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