http://www.faz.net/-gqe-1121h

Prognose korrigiert : IWF sieht Weltwirtschaft vor einem schlimmen Jahr

  • -Aktualisiert am

Droht jetzt die Rezession? Ja, befürchtet der IWF Bild: dpa

Der Weltwährungsfonds sagt voraus, dass die Industrieländer erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam in eine Rezession gleiten. Die deutsche Wirtschaft werde kommendes Jahr um 0,8 Prozent schrumpfen. Im Oktober hatte der IWF noch eine Stagnation erwartet.

          Die Weltwirtschaft wird kommendes Jahr in eine Rezession gleiten. Besonders hart trifft es die entwickelten Industrienationen, darunter auch Deutschland. Ihre Wirtschaftsleistung wird zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs über ein gesamtes Jahr hinweg schrumpfen. Zu dieser düsteren Einschätzung gelangt der Internationale Währungsfonds (IWF) in einer aktualisierten, außerplanmäßigen Fassung seines Weltwirtschaftsberichts. Darin appelliert der Fonds eindringlich an Regierungen rund um die Welt, rasch zusätzliche Programme zur Stützung der Konjunktur zu beschließen.

          Der IWF hat unter dem Eindruck der schweren Finanzkrise und einem schwindenden Vertrauen von Verbrauchern und Unternehmen in zahlreichen Ländern seine Wachstumsprognosen noch einmal deutlich nach unten korrigiert. „Ich fürchte, ich bin wieder einmal der Überbringer schlechter Nachrichten“, sagte IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard bei der Vorstellung des Berichts am Donnerstag. In den vergangenen Wochen hätten sich die Hinweise auf einen scharfen Nachfragerückgang in den entwickelten Volkswirtschaften verstärkt, und durch die Finanzkrise habe sich der Zugang vieler Schwellenländer zu den internationalen Kapitalmärkten verschlechtert. Das habe die Revision der Prognose notwendig gemacht, sagte Blanchard.

          IWF: Deutsche Wirtschaft schrumpft 2009

          Die Weltwirtschaft insgesamt wird nach den Worten des Ökonomen 2009 nur noch um 2,2 Prozent wachsen, nicht um 3 Prozent, wie noch vor rund vier Wochen vorhergesagt. Viele Volkswirte sehen die Weltwirtschaft bei einem so niedrigen Wachstum in einer Rezession. Die größte Volkswirtschaft der Welt, die Vereinigten Staaten, wird der neuen Prognose zufolge kommendes Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,7 Prozent verzeichnen. Das deutsche BIP werde um 0,8 Prozent schrumpfen, prognostiziert der Fonds. Im Oktober hatte er nur eine Stagnation befürchtet (siehe auch: ). Den meisten anderen Ländern des Euro-Raums wird es nach Ansicht des IWF kaum besser ergehen. Auch die französische, italienische und spanische Wirtschaft dürften 2009 schrumpfen, heißt es.

          Deutlich heruntergeschraubt haben die Ökonomen des Währungsfonds auch die Wachstumserwartungen für die Schwellen- und Entwicklungsländer, von denen einige in den Strudel der Finanzkrise geraten sind und den IWF um Kredite gebeten haben. Insgesamt rechnet der Fonds nun für diese Ländergruppe mit einem Wachstum von 5 Prozent, 1 Prozentpunkt weniger als im Oktober. Dieser Einschnitt ist aber ungefähr ebenso scharf wie der in den Industrienationen, weil weniger entwickelte Volkswirtschaften höhere Wachstumsraten aufweisen.

          Von der Inflation zur Deflation

          Blanchard nannte zusätzliche Risiken, die die Entwicklung der Weltwirtschaft sogar noch weiter belasten könnten: „Zum einen die Lage auf den Finanzmärkten. Niemand kann sicher sein, dass nicht doch noch irgendwo Minen verborgen sind, die irgendwann explodieren.“ Außerdem bestehe die Gefahr, dass die globale Inflation in eine Deflation umschlage, einen die Konjunktur lähmenden, dauerhaften Rückgang des allgemeinen Preisniveaus. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu komme, sei allerdings aus heutiger Sicht sehr gering. Blanchard verwies aber auf die Preise zahlreicher Rohstoffe, die unter dem Eindruck der einsetzenden Konjunkturschwäche seit dem Sommer deutlich gesunken seien. Öl beispielsweise habe sich seit Mitte Juli um rund 50 Prozent verbilligt. Der IWF unterstellt in seiner neuen Prognose für 2009 einen durchschnittlichen Ölpreis von 68 Dollar, verglichen mit 100 Dollar im Oktober-Bericht.

          Der Währungsfonds ruft angesichts des nachlassenden Inflationsdrucks die führenden Notenbanken zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik auf. Blanchard hieß die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank und der Bank von England vom Donnerstag gut. Eine wichtige Rolle in der Rettung der Weltwirtschaft müsse aber auch die Finanzpolitik spielen, argumentiert der IWF. Nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern beispielsweise auch in Deutschland und in China bestehe noch Spielraum für Konjunkturpakete. Es könne notwendig werden, die Anstrengungen zu einer Rekapitalisierung von Banken durch eine Beteiligung der öffentlichen Hand noch zu verstärken. Die korrigierten Prognosen des Fonds enthielten nur solche Maßnahmen, die schon beschlossen sind. „Was wir brauchen, ist ein globaler finanzpolitischer Impuls. Und er muss international abgestimmt werden“, sagte Blanchard. Eine Erholung der Weltwirtschaft sei frühestens zum Ende des kommenden Jahres zu erwarten.

          Weitere Themen

          Die Sonntagsfrage Video-Seite öffnen

          F.A.S.-Quiz : Die Sonntagsfrage

          Testen Sie, wie wach Sie das wirtschaftliche Geschehen der Woche verfolgt haben. Für jede Frage ist eine Lösung richtig.

          Topmeldungen

          Der damalige Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino steht in der Kritik wegen angeblich unlauterer Vermittlungen in den Vergleichsverhandlungen mit Manchester City und PSG im Jahr 2014.

          Financial-Fair-Play : Uefa reagiert auf Football Leaks

          Die Veröffentlichung geheimer Dokumente durch Football Leaks bringt die Fifa in Bedrängnis. Nun stellt der Verband eine Neubewertung von Financial-Fair-Play-Fällen in Aussicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.