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Prognose der Bundesbank : Alternde Bevölkerung bremst die Wirtschaft

Unternehmen müssen sich auf zunehmend ältere Beschäftigte einstellen. Bild: dpa

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Die Bundesbank erwartet deshalb deutliche Wachstumseinbußen. Eine bestimmte Bevölkerungsgruppe könnte jedoch Abhilfe schaffen.

          Die zunehmende Überalterung der deutschen Gesellschaft wird das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren deutlich drücken. Nach einer neuen Berechnung der Bundesbank wird das sogenannte Potentialwachstum, das in den vergangenen fünf Jahren noch bei 1,25 Prozent lag, deutlich unter ein Prozent sinken. Im Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2025 werde es auf etwas über 0,75 Prozent abnehmen. Maßgeblich dafür seien die „demographisch bedingten Trends“, heißt es in dem am Montag vorgestellten Monatsbericht der Bundesbank.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Verschiedene Faktoren beeinflussen das künftige Potentialwachstum: Zum einen führt der demographische Wandel – also die geringe Kinderzahl und die längere Lebenserwartung – zur Alterung der ansässigen Bevölkerung. Obwohl zwar mehr Ältere noch arbeiten, sinkt die Zahl derer, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 74 Jahren werde bis zum Jahr 2025 um fast 2,5 Millionen sinken. Zudem steigt das Durchschnittsalter. Der Anteil der Personen im Alter von 55 bis 74 steigt um 7 Punkte auf fast 40 Prozent. Demnächst gehen die sogenannten „Baby-Boomer“ in Rente, jene Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge bis etwa 1964. Diese Arbeitskräfte fehlen dann der Wirtschaft.

          Höhere Löhne für die Arbeitnehmer

          Ein anderer Faktor ist die Zuwanderung. Die Bundesbank rechnet mit einer „weiterhin kräftigen Außenzuwanderung“. Im mittleren Szenario erwartet sie eine Zuwanderung von netto fast 2,5 Millionen Menschen in den Jahren bis 2025. Anfangs werde die Netto-Zuwanderung 500.000 im Jahr betragen, dann auf 200.000 sinken. Allerdings gebe es eine große Unsicherheit bezüglich dieser Annahme. Die Immigranten erhöhen die Zahl der potentiellen Arbeitskräfte und stärken damit das Wachstum. Allerdings fehlen vielen – besonders den Zuwanderern aus der Flüchtlingsmigrationswelle seit 2015 – berufliche Qualifikationen, auch die mangelnden Sprachkenntnisse hemmen die Integration in den Arbeitsmarkt. Die Bundesbank rechnet daher mit einer anfangs geringen Produktivität der Immigranten.

          Eine Schlüsselfrage wird sein, wie sich die Alterung der Gesellschaft auf das künftige Produktivitätswachstum auswirkt. Die Bundesbank geht von einer künftig geringeren Dynamik der Produktivitätszunahme der Arbeitenden aus. Ab einem gewissen Alter nimmt die Leistungsfähigkeit nicht mehr zu oder sogar ab. Die Bundesbank-Ökonomen erwähnen Studien, wonach die individuelle Produktivität in Deutschland bis zum Alter von 55 Jahren tendenziell zunehme, danach aber stagniere. Ein weiterer Faktor, der das Wirtschaftswachstum dämpft: Die alternde Gesellschaft braucht künftig weniger Wohnraum, das belaste die Investitionstätigkeit im Wohnungsbau. Die Bundesbank glaubt, dass sich ein Teil der beobachteten geringen Investitionstätigkeit in Deutschland schon jetzt mit der Alterung erklären lässt.

          Während das gesamtwirtschaftliche Wachstum durch die Alterung und die spätere Schrumpfung der deutschen Gesellschaft sinkt, muss das für den einzelnen Arbeitstätigen nicht unbedingt Einbußen bedeuten. Die Bundesbank erwähnt, dass die Knappheit des Faktors Arbeit zu höheren Löhnen führen kann. Eine andere Studie der Ökonomen Daron Acemoglu (MIT) und Pascual Restrepo (Boston University) kam vor kurzem zu dem Ergebnis, dass stark alternde Gesellschaften verstärkt in die Automatisierung investierten und damit die negativen Effekte überkompensieren könnten.

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