12.10.2005 · Der scharfe Anstieg des Ölpreises hat die Verbraucherpreisinflation in Deutschland im September auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren getrieben. Volkswirte erwarten keinen dauerhaften Inflationsanstieg.
Der scharfe Anstieg des Ölpreises hat die Verbraucherpreisinflation in Deutschland im September auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren getrieben. Das Statistische Bundesamt bestätigte am Mittwoch mit der endgültigen Rechnung seine Vorabschätzung. Die Inflationsrate erreichte im September 2,5 Prozent. Höher lag die Inflationsrate zuletzt im Mai 2001 mit 2,7 Prozent.
Nach den Angaben wurde der Preisauftrieb durch teurere Energie ausgelöst. Ohne die Preise für Heizöl und Kraftstoffe hätte die Inflationsrate 1,6 Prozent betragen. Leichtes Heizöl kostete 40 Prozent mehr als vor einem Jahr, Benzin und Diesel 17,4 Prozent. Der Gaspreis stieg um 11,9 Prozent, der Strompreis um 4,3 Prozent. Die Erhöhung der Tabaksteuer um 1,2 Cent je Zigarette ließ die Preise für Tabakwaren um 6,1 Prozent gegenüber August steigen. Im Vergleich zum September 2004 kostete Tabak 17,5 Prozent mehr. Preissenkungen gab es saisonbedingt bei Obst, Pauschalreisen und im Hotelgewerbe.
Auch die Kerninflationsrate steigt
Die hohe Inflation in Deutschland nährt die Sorgen über einen dauerhaften Anstieg der Teuerungsrate, die im April noch bei 1,6 Prozent lag. Die Kerninflationsrate zog im September spürbar von 0,9 auf 1,2 Prozent an. In diese Inflationsrate gehen die besonders stark schwankenden Preise für Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel nicht ein; sie ist ein Indiz für den zugrundeliegenden Preisdruck.
Der Anstieg der Kerninflation im September gründet nach Analyse von Ökonomen vor allem in dem Preisschub bei Bekleidungswaren, die im September 3,2 Prozent teurer waren als im August. Die Statistiker erklären dies mit dem Übergang von der Sommer- zur Herbst/Winterkollektion. Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank (HVB) sagte dieser Zeitung, daß wohl auch der Importstopp für Kleidungsstücke aus China die Preise hochgetrieben habe.
Nicht andauernd hoch
Die HVB erwartet, daß die Inflationsrate zur Jahreswende bei rund 2,75 Prozent liegen wird, auch als Folge der Preiserhöhung bei der Deutschen Bahn im Dezember. Im Jahresdurchschnitt 2006 werde sie sich auf 1,9 Prozent abschwächen, sagte Rees.
Ralph Solveen von der Commerzbank sagte, es sei zu früh, um aus dem Anstieg der Kerninflation schon einen dauerhaft steigenden Preisdruck herauszulesen. Solveen erwartet, daß die Inflationsrate zum Jahresbeginn 2006 wieder unter 2 Prozent liegen und im Lauf des Jahres auf etwa ein Prozent fallen könne, weil der Ölpreis auf rund 50 Dollar sinken dürfte. Dabei ist eine mögliche Mehrwertsteuererhöhung nicht berücksichtigt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,09 | −0,87% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2451 | −0,30% |
| Rohöl Brent Crude | 105,52 $ | −1,24% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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