Die Teuerungsrate im Euro-Raum lag im Durchschnitt des vergangenen Jahres bei 2,2 Prozent. Das ergibt sich aus den am Mittwoch veröffentlichten vorläufigen Schätzungen des europäischen Statistikamts Eurostat für die Dezember-Rate, auf deren Grundlage der Jahresdurchschnitt berechnet werden kann. Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) mittelfristig angepeilte Rate von „unter, aber nahe 2 Prozent“ ist damit im sechsten Jahr hintereinander verfehlt worden.
Der Grund für die relativ hohe Inflation 2005 war vor allem die kräftige Verteuerung von Energie. Sie schlug besonders stark im Herbst durch, als die Jahresrate auf 2,6 (September) und 2,5 Prozent (Oktober) kletterte. Im Dezember lag sie nach den Eurostat-Schätzungen wieder auf der Höhe des Jahresdurchschnitts, also bei 2,2 Prozent. Die leichte Abschwächung gegenüber der November-Rate (2,3 Prozent) erklären Ökonomen vor allem mit einem Basiseffekt - im Dezember 2004 waren die Tabakpreise wegen bevorstehender Steuererhöhungen deutlich gestiegen. Dieser Sondereffekt schlägt nun nicht mehr auf die Jahresteuerung durch. Gegenüber 2004 (2,1 Prozent) hat die Jahresdurchschnittsrate zwar leicht angezogen. Mehrere Ökonomen wiesen aber darauf hin, daß mit Ausnahme der Energiepreise fast alle in den Preisindex eingehenden Teilkomponenten weniger stark gestiegen sind als im Vorjahr.
Die Kerninflationsrate, in der die besonders schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise nicht berücksichtigt sind, lag 2005 nach ihren Berechnungen bei nur 1,4 bis 1,5 Prozent, während sie 2004 bei 2 Prozent lag. Mehrere Bankvolkswirte erwarten vor dem Hintergrund steigender Preisrisiken, daß die EZB voraussichtlich im Februar den Leitzins um weitere 25 Punkte erhöhen wird.
