Home
http://www.faz.net/-gqf-qwoo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Preise Erste Zeichen einer deutlich steigenden Inflation

16.08.2005 ·  Die Inflation ist zurück. Der steigende Ölpreis heizt die Teuerung an. Nach den hohen Werten in den Vereinigten Staaten und Großbritannien werden auch für den Euro-Raum Inflationssteigerungen erwartet.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der drastisch gestiegene Ölpreis hat in einigen Industriestaaten den Anstieg der Preissteigerungsrate deutlich verstärkt. In Amerika beschleunigte sich der Preisauftrieb im Juli wieder. Der Index der Verbraucherpreise habe sich im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Prozent erhöht, teilte das Amt für Arbeitsmarktstatistik mit. Die jährliche Inflationsrate kletterte damit von 2,5 auf 3,2 Prozent.

Ein Großteil des Inflationsschubs ist den Angaben zufolge auf höhere Energiepreise zurückzuführen. Amerikaner müssen derzeit soviel wie nie zuvor für Benzin bezahlen. Die Kerninflationsrate, die schwankungsanfällige Lebensmittel- und Energiepreise ausblendet, habe sich im Juli um 0,1 Prozent erhöht, hieß es weiter. Die Jahresrate der Kerninflation stieg leicht von 2 auf 2,1 Prozent. Der Preisanstieg entsprach ungefähr den Erwartungen der Bankvolkswirte an der Wall Street.

Britische Teuerung über dem Inflationsziel der Notenbank

Auch in Großbritannien trieben die Energiekosten im Juli die Teuerungsrate deutlich in die Höhe. Die Jahresrate der Inflation schnellte innerhalb eines Monats von 2 auf 2,3 Prozent in die Höhe. Dies hat sowohl die Banken in der Londoner City überrascht, die eine so starke Beschleunigung der Inflation nicht vorhergesehen hatten.

Aber auch die Bank von England hat die Inflationsgefahren des Ölpreises nicht als so gravierend eingeschätzt, denn sie hat vor knapp zwei Wochen erst noch den Eckzins, die „Base Rate“, von 4,75 auf 4,5 Prozent gesenkt. Eigentlich soll die Bank von England die Preissteigerungsrate in Großbritannien nicht wesentlich über einen Grenzwert von 2 Prozent steigen lassen. Mit 2,3 Prozent ist die Teuerung nun deutlich über diesen Wert geklettert, und die Bank von England muß diese Abweichung dem britischen Finanzministerium schriftlich erläutern.

Keine weiteren Zinssenkungen?

In der Londoner City hieß es als Reaktion auf den Sprung der Inflationsrate, daß von einer zweiten Zinssenkung im Herbst nun keine Rede mehr sein könne. In der Tat hatte die Bank von England bereits bei Vorlage ihres Inflationsberichtes in der vergangenen Woche die Hoffnungen gedämpft, sie könne im Herbst weitere Zinssenkungen folgen lassen. Entsprechend deutlich zogen am Dienstag die Renditen am britischen Anleihemarkt an.

Das britische Statistische Amt betonte, die Preissteigerungsrate sei vor allem aufgrund der deutlich gestiegenen Benzinpreise gestiegen. Dies zeigte sich zum Beispiel auch in höheren Transport- und Luftverkehrspreisen. Schließlich lagen die Benzinpreise im Juli um 3,3 Prozent höher als im Juni und um 9,8 Prozent höher als im Juli des vergangenen Jahres. Aber überraschenderweise stiegen auch die Preise zahlreicher anderer Produkte in dem Warenkorb, der als Bemessungsgrundlage dient, so daß Banken wie HSBC in der Londoner City folgerten: „Das ist jetzt das erste Zeichen einer richtig steigenden Inflation.“ Auch die Kerninflationsrate, die Energiekosten ausschließt, stieg nämlich deutlich an.

Anstieg auch im Euro-Raum?

Mit Spannung warten die Finanzmärkte nun auf die Veröffentlichung der Preissteigerungsrate der Europäischen Union für den Euro-Raum, die für diesen Donnerstag vorgesehen ist. Es wird erwartet, daß die Inflation von 2,1 Prozent im Juni auf 2,2 Prozent im Juli gestiegen sein dürfte. Die Preissteigerungsrate ist in der Währungsunion also bereits im Juni über den von der Europäischen Zentralbank (EZB) einzuhaltenden Grenzwert von bis zu 2 Prozent hinausgeschossen. Es wird erwartet, daß vor allem die deutschen Produzentenpreise aufgrund des höheren Ölpreises deutlich gestiegen sein dürften.

Quelle: bes./ctg. , F.A.Z., 17.08.2005, Nr. 190 / Seite 11
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 11 13

30.05.2012 10:35 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,74 −0,89%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.381,40 −0,91%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2451 −0,30%
Rohöl Brent Crude 105,52 $ −1,24%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.