09.06.2005 · Die deutschen Arbeitskosten wuchsen 2004 um 1,3 Prozent, deutlich langsamer als in anderen EU-Staaten. Sie sind aber immer noch hoch, erklärt das Statistische Bundesamt anhand eines neuen Arbeitskostenindex.
Die Arbeitskosten je Stunde in Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren moderater als in anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union entwickelt. Das hat der Präsident des Statistischen Bundesamts, Johann Hahlen, auf einer Pressekonferenz in Frankfurt gesagt. Von 1997 bis heute sei von den Arbeitskosten in Deutschland nur ein geringer Preisdruck ausgegangen, sagte Hahlen.
Das Amt stellte einen neuen Arbeitskostenindex vor, der auf Verlangen der EU und der Europäischen Zentralbank berechnet wurde. Danach sind die Arbeitskosten je Stunde 2004 um 1,3 Prozent gestiegen und im ersten Quartal 2005 um 1,2 Prozent. Von 1996 bis 2004 stiegen die Arbeitskosten jahresdurchschnittlich um 2,1 Prozent. Das Wachstum der Arbeitskosten hat sich von 2001 an abgeschwächt.
Im Gegensatz zu den bisher verfügbaren Lohnkostenindikatoren in Deutschland zeigt der neue Index die Entwicklung der gesamten Arbeitskosten je Stunde auf, die bei den Unternehmen im produzierenden Gewerbe und in ausgewählten Dienstleistungsbereichen anfallen. Berücksichtigt werden die Bruttolöhne und -gehälter und die Sozialaufwendungen der Arbeitgeber. Dazu zählen unter anderen deren Beiträge zu Sozialkassen, die Lohn- und Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Abfindungen bei Entlassungen.
Im Gastgewerbe sinkende Kosten
Aus den Angaben geht hervor, daß die Arbeitskosten im produzierenden Gewerbe 2004 um 1,5 Prozent und in den bisher erfaßten Dienstleistungsbereichen nur um 1,1 Prozent gestiegen sind. Am stärksten war der Zuwachs im Bergbau und bei Banken und Versicherern. Dagegen fielen im Gastgewerbe die Arbeitskosten um 2,6 Prozent. Hahlen begründete dies auch damit, daß in dem Bereich zunehmend viele gering entlohnte Beschäftigte Arbeit finden (Mini-Jobs).
Die Bruttolöhne und -gehälter stiegen 2004 durchschnittlich um 1,1 Prozent, während die Sozialbeiträge der Arbeitgeber um 1,6 Prozent zulegten. Hahlen wies darauf hin, daß die deutschen Arbeitskosten sich in den vergangenen Jahren durchgängig moderater als in anderen EU-Staaten entwickelt hätten. Deutlich wird dies zum Beispiel im Vergleich mit Frankreich, dem nach Deutschland zweitgrößten Staat im Euro-Raum. Die moderate Entwicklung habe den Export gestützt, hieß es.
Deutsche Arbeitskosten „sehr hoch“
Absolut gesehen, seien die Arbeitskosten in Deutschland aber „doch sehr hoch“, sagte Hahlen. Nach einer europäischen Statistik lagen die Arbeitskosten je Stunde im Jahr 2000 in Deutschland bei 26,34 Euro, in Frankreich bei 24,39 Euro und in den Altstaaten der EU bei 22,19 Euro. In den damaligen zehn Beitrittskandidatenländern kostete eine Stunde Arbeit im Schnitt 3,47 Euro. Neuere vergleichbare Angaben liegen für die EU-Staaten nicht vor.
Zur Berechnung des neuen Index habe das Bundesamt keine neuen Erhebungen durchgeführt, sondern die vorhandenen Daten „effizient genutzt“, sagte Hahlen. Bis zum Jahr 2007 will das Bundesamt die Erfassung auch auf öffentliche Dienstleister ausweiten. Der Index soll vierteljährlich berechnet werden und dient dem Vergleich der Arbeitskostenentwicklung zwischen den EU-Staaten. Für die EZB ist er ein Hilfsmittel, um Inflationsdruck im Euro-Raum besser einschätzen zu können.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.381,40 | −0,91% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2451 | −0,30% |
| Rohöl Brent Crude | 105,52 $ | −1,24% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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