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Olympische Winterspiele : Sotschi zwischen Wunsch und Wirklichkeit

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Baustelle Sotschi: Der Eispalast hinter den Palmen ist fertig, im Vordergrund wird noch mit Hochdruck gewerkelt Bild: REUTERS

Wenige Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele sucht Sotschi noch nach einem Konzept, wie die teuren Sportstätten auch künftig ausgelastet werden können.

          Wer Olympische Winterspiele wie in Sotschi in schneearmen subtropischen Klimazonen veranstaltet, kann vielleicht auch eine Lawine anhalten. Aber was hier aus der Ferne wie eine stehengebliebene Lawine aussieht, ist keine: Es sind vielmehr die Batterien von Schneekanonen, die rund um die Mittelstation des Skigebiets Rosa Chutor in gleißendem Sonnenlicht einen weißen Nebel erzeugen.

          Hier, in den kaukasischen Bergen oberhalb von Sotschi, Russlands Synonym für Sommerfrische am Schwarzen Meer, werden im Februar die olympischen Freiluftwettbewerbe stattfinden. Der Dezember war außergewöhnlich kalt, ein halber Meter Neuschnee ist gefallen, und die Schneekanonen laufen auf Hochtouren. Mit diesem Wetter habe er so früh überhaupt nicht gerechnet, sagt der sichtlich zufriedene Sportdirektor des Skigebiets, Yves Dimier. Jetzt garantiere er den Athleten wunderbare Pisten.

          In der Tat tut der Wintereinbruch der Szenerie gut: Auf der gegenüberliegenden Seite des Bergtals Krasnaja Poljana liegt das Biathlon-Zentrum, einen Berg weiter stehen die Bobbahn und dahinter die Sprungschanzen. Der Schnee macht den Gedanken etwas weniger surreal, Winterspiele auf dem Breitengrad von St. Tropez auszurichten.

          Putins Prestige-Projekt

          Spektakuläre Spiele zum Preis von 12 Milliarden Dollar, einzigartig kompakt und „keine Staus, das verspreche ich“ - im Jahr 2007 hatte sich Wladimir Putin, schon damals Präsident Russlands, nicht von seiner bescheidenen Seite gezeigt. Anlässlich der entscheidenden Abstimmung, in der sich Sotschi als Austragungsort gegen Salzburg und das südkoreanische Pyeongchang durchsetzten sollte, hielt Putin vor dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Guatemala eine seiner wenigen Reden auf Englisch.

          Angemessen war das zweifellos, denn die Winterspiele 2014 sind nicht nur Russlands größtes Bauprojekt seit dem Ende der Sowjetunion, sie sind vor allem Putins Prestigeprojekt. Nach den jüngsten Terroranschlägen im nahen Wolgograd drohte Putin zuletzt den Verursachern blutige Rache an und forderte seine Landsleute auf, sich trotzdem auf Olympia zu freuen.

          Inzwischen sind die Kosten auf mindestens 50 Milliarden Dollar gestiegen. Korruption und Veruntreuung ungeheuren Ausmaßes machen Sotschi zu den teuersten Spielen der Geschichte. Gelegentlich inszeniert Putin sein Missfallen über die Zustände. Prominentestes Opfer seiner Vergeltung, wenn auch für viele Beobachter nur ein Bauernopfer, ist Achmed Bilalow: Im Februar kanzelte Putin den Vizepräsidenten des Nationalen Olympischen Komitees vor laufenden Fernsehkameras ab, kurz darauf entließ er ihn. Bilalows Unternehmen war für den Bau der Skisprungschanzen zuständig. Er habe sich dafür „freiwillig gemeldet“, hieß es von der Regierung. Die Schanzen wurden zwei Jahre später fertig als geplant und kamen mit 245 Millionen Dollar etwa siebenmal teurer zu stehen als anvisiert.

          Russische Desorganisation

          Ganz hinten in Krasnaja Poljana, wo nagelneue Hotels mit kitschiger Architektur, Geschäfte und Boulevards auf die ersten olympischen Besucher warten, steht Sportdirektor Yves Dimier und schwärmt: Vor vier Jahren habe hier gar nichts gestanden, sagt er. Russlands Leistung sei mit früheren Winterspielen überhaupt nicht vergleichbar. Tatsächlich verlor Russland mit dem Ende der Sowjetunion auch alle alpinen Skigebiete, von ein paar versprengten Liften abgesehen. Jetzt kann es wenigstens eine einzige moderne, international konkurrenzfähige Skiregion vorweisen.

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