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OECD „Folgen der Globalisierung für Arbeitsmarkt werden überschätzt“

28.06.2005 ·  Die Arbeitslosenquote in Deutschland wird nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erst 2006 leicht zurückgehen. An der Globalisierung liege es nicht.

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Globalisierung und Konkurrenz durch Niedriglohnländer sind nach Einschätzung der OECD viel weniger für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich als vielfach angenommen. Während einige Sektoren von der Öffnung der Märkte profitierten, kämen andere unter Druck. Die Bilanz sei aber in der Regel positiv.

„Die Erfahrung lehrt, daß Protektionismus eine Sackgasse ist“, schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem jüngsten Arbeitsmarktausblick. Wichtig sei die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen und des Arbeitsmarktes.

Länger arbeiten für weniger Geld?

Die Arbeitnehmer aus bedrängten Branchen müßten allerdings mit längerer Arbeitslosigkeit und höheren Lohneinbußen rechnen als Mitarbeiter in anderen Wirtschaftszweigen. „Arbeitsplatzverluste in einigen Sektoren und neue Arbeitsgelegenheiten in anderen Sektoren begleiten unvermeidlich den Globalisierungsprozeß“, schreibt die OECD. Man müsse „die Jobverlierer entschädigen und gleichzeitig die Chancen für neue Beschäftigung fördern“. Die OECD-Untersuchung ergibt zum Beispiel, daß die Zahlung eines Bonus bei Arbeitsaufnahme und Formen eines „Kombi-Lohns", der fortgesetzte finanzielle Unterstützung nach Arbeitsaufnahme anbietet, wirksame Maßnahmen darstellen können", erklärte die OECD. In Deutschland hat sich vor allem die CDU für ein Kombi-Lohn-Modell ausgesprochen.

Die OECD betonte die Bedeutung des Prinzips „Fördern und Fordern", um Arbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen. Arbeitslose müßten mit Beratung, Weiterbildung und anderen Maßnahmen für die Jobsuche „aktiviert“ werden. „Vorruhestand, Arbeitsunfähigkeitsrenten oder Arbeitslosenunterstützung mit geringen Anforderungen an die Jobsuche sollten vermieden werden.“ Ein Verzicht auf nötige Reformen könne „die öffentliche Unterstützung für die Freihandelspolitik erodieren“, die eine „Quelle für zunehmende Beschäftigung und Wohlstand“ sei.

Je nach Spezialisierung der Wirtschaft entstünden in einigen Regionen mehr Arbeitsplätze als in anderen, hieß es. Die Wanderung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sei sehr gering und gleiche sich unter dem Strich zwischen den Regionen weitgehend aus. „Mit anderen Worten gibt es nur geringe Ansätze einer Umverteilung von Beschäftigten aus wirtschaftlich schwachen hin zu florierenden Regionen, so daß geographische Mobilität nur wenig zur Reduzierung regionaler Ungleichgewichte beiträgt.“

Risiko Ölpreis und Wechselkurse

Die hohen Ölpreise und die Wechselkursschwankungen bremsen nach Einschätzung der OECD auch 2006 die Erholung auf dem Arbeitsmarkt. So werde - wie bereits im Mai prognostiziert - in den 30 OECD-Staaten die Erwerbslosenquote nur von 6,7 auf 6,4 Prozent sinken und die Zahl der Arbeitssuchenden werde nur von 37 auf 36 Millionen zurückgehen. Etwa 35 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter bleibe damit nicht berufstätig.

Der Beschäftigungsausblick belegte einmal mehr, daß Deutschland besonders mit der Langzeitarbeitslosigkeit zu kämpfen hat: „Mehr als die Hälfte aller Arbeitslosen suchten bereits seit über einem Jahr nach Arbeit - verglichen mit weniger als einem Drittel im OECD-Durchschnitt.“

In Deutschland werde in diesem Jahr mit einem Anstieg von 9,3 auf 9,6 Prozent der Höhepunkt überschritten und 2006 sei mit einem Rückgang auf 9,1 Prozent zu rechnen. In den Vereinigten Staaten soll die Quote 2006 von 5,1 auf 4,8 Prozent sinken, in Japan von 4,4 auf 4,1 Prozent und in Frankreich von 10,0 auf 9,6 Prozent. Dagegen dürfte die Arbeitslosigkeit in Großbritannien von 4,9 auf 5,2 Prozent steigen.

Die Lohnstückkosten werden nur in Deutschland und Japan sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr weiter sinken. Über den gesamten OECD-Raum werde es einen Anstieg geben. Im Mittel aller OECD-Staaten dürften die Reallöhne aber geringer steigen als die Produktivität.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, Reuters
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