09.10.2006 · Die Nachbarstaaten Nordkoreas schnüren ein weiteres Bündel mit Wirtschaftssanktionen. Nach dem Nukleartest wird sogar an ein Zurückfahren der Lebensmittellieferungen gedacht. Auch industriepolitische Schlüsselprojekte des Regimes stehen auf der Kippe.
Von Stephan Finsterbusch, TokioNach dem Nukleartest der nordkoreanischen Regierung drohen dem Land weitreichende Sanktionen. Die Nachbarstaaten mit Japan an der Spitze machten sich unmittelbar nach Bekanntwerden der Zündung eines Sprengkopfes am Montag daran, ein Bündel für weitere Strafmaßnahmen zu schnüren. Andererseits werden die Finanzströme eingedämmt und Hilfslieferungen in das Land gekürzt. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hält sich derzeit zu politischen Gipfeltreffen in China und Südkorea auf.
Dort stehen Sanktionen gegen das nordkoreanische Aufrüstungsprogramm ganz oben auf der Agenda von Tokios neuem Regierungschef. In Südkorea zeigten sich alle Unternehmens- und Handelsvereinigungen entsetzt über die Nuklearversuche. China, das die Krise rund um Nordkorea bislang diplomatisch lösen wollte, könnte sich nun zu härteren Maßnahmen gezwungen sehen.
Lebensmittellieferungen stehen zur Disposition
Japanische Unternehmen wie Nippon Steel stoppten bereits sämtliche Rohstoffeinfuhren aus Nordkorea. Internationale Lebensmittellieferungen für das atomar bewaffnete, aber bitterarme Land stehen zur Disposition. Die Spenden aus Japan, sowie der grenzüberschreitende Handel mit China und Südkorea hatten Nordkorea bislang vor der Staatspleite bewahrt. Ohne Lebensmittellieferungen könnten die Kommunisten die Bevölkerung nicht mehr ernähren.
Dennoch forciert Pjöngjang ein Atomwaffen- und Raketenprogramm. Die Kosten betragen mehrere Milliarden Euro. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap teilte mit, geologische Überwachungsstationen hätten am Montag Erderschütterungen der Stärke 3,7 nahe der nordkoreanischen Stadt Musudan registriert. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Nordkoreas erklärt, erstmals einen unterirdischen Test „sicher und erfolgreich“ abgeschlossen zu haben. Im Juli führte Pjöngjang von Musudan aus mehrere Raketentests durch. Die Geschosse landeten im Japanischen Meer. Im Februar 2005 bekannte sich Nordkorea dazu, Atomwaffen zu besitzen. 1998 hatte das Regime eine Rakete über Japan hinweg in den Pazifischen Ozean geschossen. Tokio liegt 1300 Kilometer von Pjöngjang entfernt.
Asiens Börsen auf Talfahrt
Die nordkoreanischen Tests schickten Asiens Börsen am Montag auf Talfahrt. Yen und Won verloren mehr als ein Prozent an Wert gegenüber dem Dollar. Auf dem Seouler Aktienmarkt ging der Kospi-Index um 3 Prozent zurück. Die Börsen von Tokio und Taipeh hatten aufgrund von Feiertagen geschlossen. Die politische Lage ist angespannt. Die japanische Regierung läßt nichts unversucht, die Kriegsspiele Nordkoreas zu beenden. Nach den jüngsten Tests peilt Tokio nun an, wirtschaftliche Strafen zu verschärfen. Ministerpräsident Abe forderte „unverzügliche Schritte“ gegen die Testaktion der Nordkoreaner. Die Japaner drängen Peking und Seoul dazu, sich dem anzuschließen.
Das Seouler Finanzministerium erklärte, es lote aus, welche Folgen der Test der Nordkoreaner haben könnte. Der südkoreanische Ministerpräsident Han Myeong-sook forderte während einer Krisensitzung im Finanzministerium, die negativen Folgen für die Wirtschaft des Landes zu minimieren. Große Ratingagenturen hatten vorerst ausgeschlossen, die bislang gute Kreditwürdigkeit Südkoreas aufgrund der Waffentests im Norden der geteilten Halbinsel zu verändern. China verurteilte die Aktion Pjöngjangs in scharfen Worten.
Tokio will Bankenkanäle nach Nordkorea schließen
Bislang kritisierten China und Südkorea den harten Kurs der Japaner. Diese Ansicht dürfte sich nun rasch ändern. Setzt Nordkorea doch die Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region aufs Spiel. Tokio verbot im Sommer nordkoreanischen Handelsschiffen, japanische Häfen anzulaufen. Die Fährverbindungen zwischen Japan und Nordkorea sind für die Kommunisten ein wichtiger Versorgungsweg. Auch wird über den Seeweg Bargeld in Höhe von knapp 20 Millionen Dollar nach Nordkorea gebracht. In Japan leben seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges Zehntausende Koreaner. Viele fühlen sich dem Regime in Nordkorea verbunden. Sie schicken regelmäßig Hilfslieferungen in die alte Heimat.
Tokio aber macht sich gerade daran, Bankenkanäle nach Nordkorea zu schließen. Die Regierung identifizierte im September 15 koreanische Firmen, die es finanziell zu überwachen gelte. Im vergangenen Jahr wurden von Japan aus zwei Millionen Dollar per Bankauftrag nach Nordkorea überwiesen. Hintergrund für die bislang letzten Schritte der Japaner war ihr Beitritt zu den von Washington gegen Nordkorea verhängten Finanzsanktionen im vergangenen Jahr. Amerika hatte Hunderte Großbanken in aller Welt gewarnt, Geschäfte für Nordkorea zu machen. Zuvor waren massenhaft falsche Dollarscheine sichergestellt worden, die aus nordkoreanischen Druckereien stammen sollen. Pjöngjang arbeitete finanziell bislang mit Banken in Südchina zusammen. Nun signalisierte Peking, diesen Kooperationen einen Riegel vorzuschieben.
Südkorea versuchte kapitalistischen Brückenkopf zu schaffen
Darüber hinaus setzte Washington die nordkoreanische Sonderwirtschaftszone Kaesong auf den Index der Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen mit Südkorea. Die dort hergestellten Produkte will Amerika nicht in ein Abkommen aufnehmen. Dagegen wehrte sich Seoul. Kein Wunder: Floß doch viel südkoreanisches Geld nach Norden. Der Industriepark liegt wenige Kilometer hinter der innerkoreanischen Grenze. Er wurde von der Hyundai-Gruppe und der Korea Land Corp. errichtet. Die Kosten beliefen sich auf umgerechnet 150 Millionen Euro. Ende 2004 wurde der Park eröffnet. Die Arbeiter dort verdienen 50 Euro im Monat. Ziel der Südkoreaner war es, einen kapitalistischen Brückenkopf im Norden aufzubauen. Doch es siedelten nur wenige Unternehmen an. In der Startphase war ein Dutzend Firmen in Kaesong. Ende dieses Jahres sollten es 300 sein.
Die Androhungen der Amerikaner und Japaner, die Wirtschaftssanktionen zu verschärfen und die Geldströme der nordkoreanischen Machthaber einzudämmen, hinterließen auch in der internationalen Arena erste tiefe Spuren. Das kommunistische Regime in Pjöngjang nahm das Vorgehen Washingtons und Tokios im vergangenen Jahr zum Anlaß, die sogenannten Sechs-Länder-Gespräche in Peking bis auf weiteres zu blockieren. Die Gespräche werden zur Lösung der Krise rund um das Nuklear- und Waffenprogramm Nordkoreas geführt. An ihnen nehmen Japan, China, Rußland, Südkorea, Nordkorea und die Vereinigten Staaten teil.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,09 | −0,87% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2457 | −0,25% |
| Rohöl Brent Crude | 12.580,70 $ | −1,37% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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