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Nominallohn-Plus von 2,6 Prozent : Die Löhne werden weiter steigen, sagen Experten

Den Arbeitnehmern blieb im Durchschnitt im vergangenen Jahr ein Reallohnplus von 0,6 Prozent Bild: dpa

In Deutschland stiegen die Nominallöhne im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent. Was die Arbeitnehmer mehr auf dem Konto haben, bleibt ihnen aber nicht als reale Kaufkraft. Experten sehen dennoch eine positive Entwicklung.

          Die Nominallöhne in Deutschland sind im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent gestiegen, allerdings hat die Inflation von 2,0 Prozent diesen Zuwachs zu rund drei Vierteln aufgefressen. Den Arbeitnehmern blieb im Durchschnitt ein Reallohnplus von 0,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Dies war nach plus 1,0 Prozent im Jahr 2011 und plus 1,5 Prozent im Jahr 2010 der dritte Anstieg in Folge. Während der tiefen Rezession des Jahres 2009 (5 Prozent Einbruch der Wirtschaftsleistung) hatten die Arbeitnehmer nur eine kleine Einbuße von real minus 0,4 Prozent erlitten. Im anschließenden Aufschwung blieben ihre Reallöhne jedoch auch hinter dem Anstieg der Wirtschaftsleistung zurück.

          Im vergangenen Jahr war trotz der konjunkturellen Abkühlung ein leichter Anstieg der Reallohnsteigerungen zu beobachten. Im Schlussquartal, als die Wirtschaft schrumpfte, legten die Nominallöhne um 3,2 Prozent zu, die Reallöhne um 1,2 Prozent zum Vorjahresquartal. „In der Tendenz haben wir einen leichten Anstieg der Tarifabschlüsse“, sagte Reinhard Bispinck vom WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

          In den Investitionsgüterbranchen, darunter in der Metall- und Elektroindustrie, gab es den stärksten Tarifanstieg mit durchschnittlich 3,3 Prozent Plus, in den Grundstoffindustrien, darunter die Chemie, waren es durchschnittlich 3,0 Prozent Plus. Unterdurchschnittlich blieben die Tarifanstiege in der Finanzbranche mit 2,0 Prozent Plus.

          „Derzeit sind die Bedingungen eher wacklig“

          „In der Metall- und Elektroindustrie oder der Chemie sowie im öffentlichen Dienst gab es recht hohe Lohnzuwächse, nicht so gut sieht es in vielen Branchen mit strukturellen Problemen wie der Druckindustrie, vielen Dienstleistungsbereichen und dem Einzelhandel aus, man muss differenzieren“, ergänzt Hagen Lesch, Tarifexperte beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft. Allgemein erwartet er in den kommenden Jahren etwas höhere Reallohnsteigerungen, vor allem in der Industrie.

          „Ich erwarte, dass sich der positive Trend fortsetzt und eher bekräftigt“, sagte Bispinck. Hintergrund der steigenden Tarifabschlüsse ist der zunehmende Fachkräftemangel in einigen Industriebranchen sowie die bis Mitte 2012 noch recht gute Konjunktur. Die meisten Volkswirte erwarten im Jahresverlauf 2013 eine Erholung der deutschen Wirtschaft. „Derzeit sind die ökonomischen Bedingungen eher wackelig, aber in der zweiten Jahreshälfte wird sich die Konjunktur beleben“, sagte Bispinck.

          Die Inflationsrate lag 2012 bei 2,0 Prozent

          Allerdings erinnerte er daran, dass die deutschen Arbeitnehmer wegen der jahrelangen Lohnzurückhaltung und der zwischenzeitlich höheren Inflation im Durchschnitt seit dem Jahr 2000 effektiv keine Reallohnsteigerung bekamen, sondern inflationsbereinigt sogar etwas eingebüßt haben. „Die Tarifverdienste liegen seit 2000 um 6,9 Prozent im Plus, die Effektivverdienste liegen verglichen aber mit dem Niveau von 2000 noch immer um fast 2 Prozent niedriger, weil die tatsächlich ausgezahlten Lohnsteigerungen unter den Tarifabschlüssen bleiben“, sagte Bispinck. Dies liege zum großen Teil an der nachlassenden Tarifbindung in einigen Branchen.

          Was die Arbeitnehmer nominell mehr auf dem Konto haben, bleibt ihnen aber nicht als reale Kaufkraft. Die Inflationsrate lag im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt bei 2,0 Prozent. Allerdings verteuerten sich einige Warengruppen deutlich stärker. Energieprodukte wurden um 5,7 Prozent teurer, Nahrungsmittel um 3,2 Prozent.

          Es gibt eine höhere „gefühlte Inflation“

          Im repräsentativen Warenkorb, nach dem die Statistiker die Inflation errechnen, machen Energieprodukte wie Benzin, Heizöl und Gas etwa ein Zehntel des Gesamtumfangs aus. Weil die Verbraucher aber Benzin und Lebensmittel relativ häufig bar bezahlen als andere Waren oder Dienstleistungen wie Mieten, die nach den Statistiker-Angaben nur um 1,1 bis 1,2 Prozent gestiegen sind, gewichten sie diese Ausgaben subjektiv höher. Folglich gibt es eine höhere „gefühlte Inflation“, sagen die Statistiker, wenn sie mit Zweifeln an ihren Berechnungen konfrontiert werden.

          Quelle: FAZ.NET

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