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Neue Langfriststudie Alterndes Deutschland nur mit Mini-Wachstum

02.07.2010 ·  Die Bevölkerung schrumpft und altert. Deshalb werden in Deutschland in den kommenden Jahren hohe Wachstumsraten immer unwahrscheinlicher. Das ist das Fazit einer neuen Langfristvorhersage des Instituts Prognos.

Von Philip Plickert und Sven Astheimer
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Die alternde und zugleich schrumpfende Gesellschaft stellt Deutschland in den kommenden Jahren vor enorme Herausforderungen. Ohne längere Lebensarbeitszeiten, eine stärkere Beteiligung von Frauen, Älteren und Migranten und sinnvolle Bildungsinvestitionen wird das heutige Wohlstandniveau nicht zu halten sein. Doch selbst im günstigen Fall wächst die deutsche Wirtschaft bis zum Jahr 2025 im Durchschnitt nur noch um 1 Prozent. Davor warnt das Baseler Institut Prognos in seinem neuen „Deutschland Report 2025“, der am Freitag vorgestellt wurde.

In dieser umfangreicheren Studie werden langfristige Entwicklungen und Trends in Wirtschaft und Gesellschaft untersucht. „Die wirtschaftliche Dynamik geht zurück“, kommentierte Prognos-Geschäftsführer Christian Böllhoff die Ergebnisse der Studie. Die mittelfristigen Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise seien nur ein Faktor. „Langfristig bremst vor allem die ungünstige demographische Entwicklung.“ Diese ist vor allem durch den starken Rückgang der Geburtenraten geprägt, der Mitte der sechziger Jahre begann. Im Rekordjahr 1964 kamen 1,35 Millionen Kinder in Gesamtdeutschland auf die Welt. Im vergangenen Jahr wurden nur noch 651.000 Kinder geboren, so wenige wie noch nie zuvor. „Wir rechnen mit einer konstant niedrigen Geburtenrate von 1,4 Kindern je Frau“, sagte Böllhoff. Das ist ein Drittel weniger, als zur Erhaltung der Bevölkerungszahl notwendig wäre. In Europa bildet Deutschland bei der Geburtenziffer das Schlusslicht.

Heute leben in Deutschland knapp 82 Millionen Menschen. Innerhalb von 25 Jahren wird die Bevölkerungszahl nach der Prognose um rund 4 Millionen (minus 5 Prozent) sinken. Durch Wanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands wird der Osten deutlich stärker betroffen sein als der Westen. Auch die Altersstruktur wird sich verschieben: Die Zahl der Menschen im Alter von 20 bis 65, die der Wirtschaft potentiell als Arbeitskräfte zur Verfügung steht (Erwerbspersonenpotential), wird um 5,5 Prozent schrumpfen, die Zahl der Rentner steigt danach schnell an, weil die sogenannten Baby-Boomer in den Ruhestand gehen. Das Verhältnis von Älteren zu Erwerbsfähigen wird sich von heute 34 Prozent auf 58 Prozent erhöhen. Deutlich abgemildert werde diese Entwicklung durch die schrittweise Einführung der Rente mit 67, heißt es.

Klare Auswirkungen erwarten die Prognos-Autoren für die umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme. Mit Ausnahme der Arbeitslosenversicherung werden die Beiträge steigen, vor allem in der Pflegeversicherung. Der Gesamtbeitragssatz steigt bis zum Jahr 2035 um 6 Punkte auf 46 Prozent. Dieser Anstieg sei allerdings geringer, als noch vor einigen Jahren erwartet wurde. Deshalb sei die Kernbotschaft positiv: „Die Sicherungssysteme funktionieren und bilden auch in Zukunft ein stabiles Netz in Deutschland.“

Als Folge dieser Verschiebungen erwartet Prognos-Geschäftsführer Böllhoff, dass das Bruttoinlandsprodukt je Kopf nur noch um 1,2 Prozent wachsen wird. Die Schweizer Forscher betonen, dass die niedrige Wachstumsrate keineswegs auf pessimistischen Annahmen fußt. „Investitionen und technischer Fortschritt werden sich nicht ungünstiger entwickeln als in der Vergangenheit“, so Christian Böllhoff. Um das Wachstum von 1,2 Prozent überhaupt zu schaffen, müsse die Erwerbstätigenquote gesteigert werden. Gemeint ist der Anteil der arbeitsfähigen Menschen zwischen 20 und 65 Jahren, die einer Erwerbsarbeit nachgeben. Diese Quote müsse von 75 Prozent auf 83 Prozent steigen. Dies sei ein ehrgeiziges Ziel, heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Für Europa strebt die EU-Kommission an, die Erwerbstätigenquote von derzeit 68 auf 75 zu steigern.

Drei Bevölkerungsgruppen haben die Prognos-Forscher im Blick: „Wir müssen Jüngere früher in den Beruf bringen und die Zahl der Jungen ohne Berufsausbildung senken, die arbeitslos sind“, fordert Böllhoff. Zudem müsse die Erwerbsbeteiligung der Älteren steigen. Am wichtigsten sei eine höhere Erwerbsbeteiligung der Frauen, da gebe es die größte Reserve.

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