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Mittelstandsbarometer Mittelständische Unternehmen erwarten besseres Geschäft

17.01.2005 ·  Das KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer liegt erstmals seit fast einem Jahr über dem langjährigen Mittelwert. Die Stimmung hat sich im Dezember 2004 merklich aufgehellt.

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Die Stimmung der gewerblichen mittelständischen Wirtschaft hat sich im Dezember 2004 merklich aufgehellt und so die Verluste der vorangegangenen Monate mehr als kompensiert. Das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen, der zentrale Indikator des von der KfW-Bankengruppe und dem Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) im Auftrag dieser Zeitung entwickelten KfW-Ifo-Mittelstandsbarometers, verbesserte sich gegenüber dem Vormonat um 4 Zähler auf 0,7 Saldenpunkte. Damit liegt der Stimmungsindikator erstmals seit April 2004 wieder knapp über der Nullinie, die den langfristigen Mittelwert seit 1991 kennzeichnet.

Die Verbesserung betrifft alle Wirtschaftsbereiche des gewerblichen Mittelstandes. Zudem legten zum ersten Mal seit langem die Geschäftserwartungen (plus 3,5 Zähler auf 1,9 Saldenpunkte) wieder gleichzeitig mit den Lageurteilen (plus 4,3 Zähler auf 0,6 Saldenpunkte) zu. Allerdings ist der Anstieg im Westen, vor allem aufgrund der größeren Zufriedenheit mit der aktuellen Geschäftslage, deutlich ausgeprägter als im Osten des Landes. Die Beschäftigungserwartungen blieben dagegen ungünstig und haben sich sogar, wie die Absatzpreiserwartungen auch, leicht verschlechtert.

Treibende Kraft im Dezember war das mittelständische Handelsgewerbe. So nahm das Einzelhandelsklima in saisonbereinigter Rechnung schlagartig um 7,9 Punkte zu, was sich mit den Aussagen von Verbandsvertretern zum guten Verlauf des Weihnachtsgeschäfts deckt. Der deutliche Vormonatszuwachs darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Klimaindikator des Einzelhandels immer noch bei schwachen 5 Saldenpunkten notiert. Ebenfalls stark angezogen hat das Geschäftsklima im Großhandel (plus 6,1 Zähler auf 5,2 Saldenpunkte). Insofern weckt die verbesserte Stimmung im Handel Hoffnungen auf eine zumindest leichte Belebung der Binnennachfrage. Weniger stark ausgeprägt war die Klimaaufhellung dagegen im Verarbeitenden Gewerbe (plus 2,9 Zähler auf 6 Saldenpunkte) sowie im Bauhauptgewerbe (plus 3,2 Zähler auf 11,4 Saldenpunkte).

Versöhnlicher Schlußpunkt

Das Dezemberergebnis setzt einen versöhnlichen Schlußpunkt hinter ein für die Mittelständler konjunkturell durchwachsenes Jahr 2004. In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres hatte sich das KfW-Ifo-Geschäftsklima noch in allen Wirtschaftsbereichen per saldo verschlechtert. Für den gewerblichen Mittelstand insgesamt war der Klimaindikator von Dezember 2003 bis November 2004 um 5,3 Zähler auf 3,3 Punkte zurückgegangen. Allerdings resultierte dieser Rückgang ausschließlich aus dem Abbau des zu Beginn des vergangenen Jahres außergewöhnlich hohen Erwartungsniveaus, die Lagekomponente hatte sich in der gleichen Zeit um 2,3 Prozentpunkte verbessert.

Ein Erklärungsansatz für die "Erwartungsblase" vor Jahresfrist könnte sein, daß die Unternehmen nach den ersten Anzeichen einer Trendwende zunächst von einer raschen Konjunkturverbesserung ausgegangen waren; schließlich hatte die vorangegangene Stagnationsphase schon ungewöhnlich lange gedauert, so daß die historische Erfahrung für eine längst überfällige Normalisierung sprach. Angesichts der lediglich maßvollen Verbesserung der tatsächlichen Geschäftslage im Jahresverlauf wichen diese Erwartungen dann aber zunehmend einer realistischeren Zukunftseinschätzung, die den tatsächlichen Lageurteilen nicht mehr so weit enteilt.

Die moderate Klimaverschlechterung um 1,3 Punkte im Jahresverlauf 2004 ist das Resultat eines kräftigen Rückgangs der Erwartungen um 10,3 Punkte, während sich die Geschäftslageeinschätzung der mittelständischen Wirtschaft gleichzeitig um 6,6 Punkte verbesserte. Mit 0,6 Saldenpunkten erklommen die Lageurteile sogar den höchsten Wert seit April 2001. Gemessen an dem noch immer relativ bescheidenen Saldenstand knapp unterhalb des historischen Normalniveaus sowie den überschwenglichen Erwartungen vor Jahresfirst relativiert sich dieser Fortschritt gleichwohl.

Verhaltener Optimismus angebracht

Hinzu kommt, daß das Geschäftsklima im Mittelstand weiterhin deutlich schlechter ist als bei den Großunternehmen, wobei sich der Abstand im vergangenen Jahr ausweitete. So sank der relative Mittelstandsindikator im Dezembervergleich um 1,7 Punkte auf 7,4 Zähler. Dies ist jedoch allein auf die Lagekomponente zurückzuführen, bei der Erwartungseinschätzung verringerte sich der Rückstand der Mittelständler etwas. Hierin kommt zum Ausdruck, daß der Mittelstand in einem weit geringeren Ausmaß als die Großunternehmen vom Exportboom des vergangenen Jahres profitierte.

"Die mittelständische Wirtschaft kann verhalten optimistisch auf 2005 blicken. Ich erwarte, daß der moderate Aufschwung auch in diesem Jahr andauert. Allerdings wird diese Entwicklung noch nicht zu einer spürbaren Entspannung am Arbeitsmarkt führen", sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch in Frankfurt. Auf eine Fortsetzung der Erholung deuten auch die sich im Dezember erstmals wieder bessernden Geschäftserwartungen hin.

Quelle: F.A.Z./dfb. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2005, Nr. 14 / Seite 14
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