21.12.2004 · Ein neu entwickeltes Mittelstandsbarometer, das die F.A.Z. jetzt monatlich veröffentlicht, zeigt es: Die Stimmung der gewerblichen mittelständischen Wirtschaft hat sich im November deutlich abgekühlt.
Die Stimmung der gewerblichen mittelständischen Wirtschaft hat sich im November deutlich abgekühlt, nachdem sie noch im Monat zuvor stagniert hatte. So lautet das zentrale Ergebnis des von der KfW-Bankengruppe gemeinsam mit dem Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) neu entwickelten Mittelstandsbarometers, das diese Zeitung von Dezember 2004 an monatlich veröffentlicht.
Das KfW-Ifo-Geschäftsklima kleiner und mittlerer Unternehmen verlor gegenüber Oktober 1,5 Zähler und entfernte sich mit zuletzt 3,3 Saldenpunkten weiter von seinem "konjunkturneutralen" langfristigen Durchschnitt, welcher konzeptionell der Nullinie entspricht. Niedriger war der Indikator zuletzt im September 2003. Während sich die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate auf dem Vormonatsniveau von minus 1,7 Punkten behaupteten, wurde die aktuelle Geschäftslage (von minus 2,9 im Oktober auf minus 5 Punkte) deutlich zurückhaltender eingeschätzt.
Zunehmend ins Hintertreffen geraten
Gegenüber den Großunternehmen sind die mittelständischen Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren zunehmend ins konjunkturelle Hintertreffen geraten. Das Geschäftsklima der zumeist stark international ausgerichteten größeren Unternehmen hat sich im Zuge des Exportbooms nach dem Ende des Irak-Krieges rasch verbessert und hält sich schon seit Oktober vergangenen Jahres stabil positiv. Die Mittelständler wurden von dem Exportsog zwar auch mitgezogen, insgesamt aber weniger stark und bisher auch nur langsamer. Erst zwei Monate später, im November 2003, überschritten sie den langfristigen Durchschnitt knapp.
Der Exportfunke ist bislang nur in Ansätzen auf die Inlandsnachfrage übergesprungen. Bei den Ausrüstungsinvestitionen sind Anzeichen einer Belebung erkennbar, nicht hingegen bei den Bauinvestitionen oder dem privaten Verbrauch. Vor diesem Hintergrund blieb der Aufschwung bei den mehrheitlich stark binnenorientierten Mittelständlern bisher auch begrenzt. Schon seit Februar zeigt der mittelständische Klimaindikator, vor allem wegen der Korrektur überbordender Erwartungen zu Jahresbeginn, tendenziell nach unten und ist schon seit sieben Monaten wieder leicht negativ. Dazu paßt, daß die Bremswirkungen vor allem von den nahezu ausschließlich von der Inlandskonjunktur abhängigen Wirtschaftsbereichen Einzelhandel und Bau ausgehen.
Relativer Mittelstandsindikator
Die deutlich schlechtere konjunkturelle Verfassung der kleinen und mittleren Unternehmen im Vergleich zu den Großunternehmen kann an dem relativen Mittelstandsindikator abgelesen werden - der Differenz des Geschäftsklimas von Mittelstand und Großunternehmen. Schon seit dem Frühjahr 2002 zeigt dieser Indikator nach unten. Im November stagnierte er auf dem Vormonatsniveau von minus 7,6 Punkten. Dabei blieb die Lageeinschätzung (minus 8,3 Punkte) zuletzt in etwas größerem Ausmaß hinter dem entsprechenden Pendant der Großunternehmen zurück als die Zukunftserwartungen (minus 6,8).
"Die kleinen und mittleren Unternehmen spüren die gespaltene Konjunktur. Ihnen macht, trotz unverkennbarer Besserungstendenzen seit Anfang 2003, die in weiten Teilen noch immer kraftlose Inlandsnachfrage überproportional zu schaffen", sagte der Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe, Norbert Irsch, in Frankfurt.
Risiko für die gesamte Volkswirtschaft
Gerade im gegebenen konjunkturellen Umfeld - der weltwirtschaftliche Rückenwind läßt nach, die Aufwertung des Euro verteuert den deutschen Export, der vergleichsweise hohe Ölpreis entzieht den Verbrauchern Kaufkraft und bringt den Unternehmen gleichzeitig ein neues Kostenproblem ein - bedeutet dies ein nicht gering zu schätzendes Risiko für die gesamte Volkswirtschaft. Denn nur wenn der Wechsel der konjunkturellen Antriebskräfte von der Außenwirtschaft hin zu einer kräftigeren Binnendynamik einigermaßen gelingt, wird der Aufschwung im Jahr 2005 nicht abreißen. Dem Mittelstand kommt dabei eine Schlüsselrolle als konjunktureller Stabilisator zu. Die Chance dazu ist weiterhin gegeben, auch wenn der mittelständische Konjunkturmotor inzwischen unüberhörbar ins Stottern gekommen ist.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,09 | −0,87% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2457 | −0,25% |
| Rohöl Brent Crude | 12.580,70 $ | −1,37% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?