So sieht wohl ein schlechtes Zeugnis aus: höhere Zinsen, höhere Nebenkosten, weniger Kredit, bei kürzeren Laufzeiten und mehr Sicherheiten. Das sind einige der Klagen kleiner und mittlerer Unternehmen über ihre Banken, die sich aus einer Umfrage der Europäischen Zentralbank ergeben. 43 Prozent der rund 8500 befragten Unternehmen haben für die erste Jahreshälfte angegeben, die Verfügbarkeit von Bankkrediten habe sich verschlechtert. Nur 10 Prozent erkennen eine Verbesserung für diesen Zeitraum.
Gleichwohl sieht die Bundesbank keine Anzeichen für eine breite Kreditklemme. Für die Zukunft sei eine Klemme zwar nicht auszuschließen, sie sei aber ein unwahrscheinliches Szenario, heißt es im jüngsten Bundesbank-Monatsbericht.
Mehrheit erhielt gewünschte Finanzierung
Die EZB hat erstmals die Kreditbedingungen für die Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten ermittelt, die für etwa 60 Prozent der Wirtschaftskraft im Euro-Raum stehen. Immerhin 60 Prozent der Gesellschaften gaben an, sie hätten alle gewünschten Bankfinanzierungen, weitere 17 Prozent einen Teil der gewünschten Summen. 17 Prozent gaben an, dass sie abgelehnt wurden oder wegen zu hoher Kosten verzichteten.
Möglicherweise könnte aber auch eine generelle Unzufriedenheit der Bankkunden eine Rolle gespielt haben. Denn die Befragten äußerten sich auch zu Größen negativ, die sich aus objektiver Sicht verbessert haben. So gaben 34 Prozent der Unternehmen an, die Zinskosten hätten sich erhöht, nur 29 Prozent berichteten von einer Verbesserung. Dabei sind unter anderem wegen der stark gesunkenen Leitzinsen die Zinsen für neue Kredite im Durchschnitt spürbar gefallen.
Die schwierige Suche nach neuen Kunden
Der Zugang zu Krediten ist für die Unternehmen eine der größten Sorgen. Auf die Frage, was das dringendste Problem sei, nannten 24 Prozent die Gewinnung neuer Kunden. Unmittelbar danach folgt in der Rangliste der größten Sorgen mit 17 Prozent der Zugang zu Finanzierung. Das scheint auch im zweiten Halbjahr so zu bleiben. Für die bevorstehenden sechs Monate - gefragt wurde im Zeitraum von Mitte Juni bis Mitte Juli - erwarteten die Befragten mit einer kleinen Mehrheit eine weitere Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen. Mit einem Abstand von 4 Prozentpunkten überwogen die Pessimisten bei der Frage nach dem Zugang zu Bankkrediten. Für den Zugang zu Handelskrediten und Eigenkapital überwogen die Pessimisten mit 3 beziehungsweise einem Prozentpunkt.
Spürbar optimistischer äußerte sich eine Vergleichsgruppe großer Unternehmen gegenüber der EZB. Bei ihr überwogen die Optimisten die Pessimisten bei den Fragen nach dem Zugang zu Bankkredit, Handelskredit und Eigenkapital mit 4,2 beziehungsweise 5 Prozentpunkten. Das Ergebnis der Umfrage sei für Deutschland etwas besser ausgefallen als für den Durchschnitt, hieß es bei der EZB. Deutlich schwächer seien die Umfrageergebnisse in Spanien gewesen.
Bundesbank schließt Kreditklemme nicht aus
Eine die Konjunkturbelebung gefährdende Kreditklemme ist nach Einschätzung der Bundesbank in den kommenden Monaten nicht völlig ausgeschlossen. Zwar gebe es derzeit „keine stichhaltigen Hinweise“ darauf, heißt es im Monatsbericht, den die Bundesbank am Montag veröffentlichte. Es sei aber möglich, dass das Kreditangebot der Banken in einem allmählichen konjunkturellen Erholungsprozess in Deutschland „hinter dem Bedarf der Unternehmen zurückbleiben und so den Aufschwung erschweren könnte“. Dies sei aber nicht das wahrscheinlichste Szenario.
Zu den wirtschaftlichen Aussichten äußerte sich die Bundesbank optimistischer als einen Monat zuvor. Die Konjunktur habe sich im Sommer stabilisiert. Den Frühindikatoren zufolge sei im dritten Quartal „sogar mit einer merklichen Belebung“ der Wirtschaft zur rechnen. Den deutschen Unternehmen helfe, dass sich das Exportgeschäft belebe.
