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Militärputsch Für Thailands Wirtschaft besteht noch Hoffnung

20.09.2006 ·  Investitionsrisiken, Nachfrageschwund, leidender Tourismus: Der Militärputsch in Thailand verheißt nichts Gutes für die Ökonomie. Dennoch sind Experten verhalten optimistisch. Mit der Wirtschaftskrise im Sommer 1997 ist die Lage nicht vergleichbar.

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Trotz des Militärputsches hielt sich am Mittwoch Hoffnung in Kreisen der thailändischen Wirtschaft, daß Neuwahlen einer stabilen Demokratie den Weg ebnen könnten. Seit der Nacht auf Mittwoch hat ein „Komitee für demokratische Reformen unter dem König als Staatsoberhaupt“ unter der Führung des Oberbefehlshabers des Heeres die Regierungsgewalt in Thailand übernommen und das Kriegsrecht ausgerufen.

Nach seiner Rückkehr vom Gipfel des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Singapur sprach Zentralbankchef Pridiyathorn Devakula in Bangkok zwar von einem „friedvollen und akzeptablen Wechsel“, der die volkswirtschaftliche Lage nicht negativ beeinflusse.

Banken und Börse blieben geschlossen

„Nüchtern betrachtet, erkennen wir in den Vorgängen der vergangenen 24 Stunden nichts, was das Investitionsklima und die Wachstumsperspektiven verbessern würde - ein Putsch stellt eine ernste Eskalation der politischen Risiken dar, die Investoren abhalten und wohl auch die Nachfrage schwächen“, warnte freilich der Asien-Analyst Michael Spencer von der Deutschen Bank in Hongkong vor überzogenen Hoffnungen. „Als direkte Folge der Machtübernahme dürfte der Tourismussektor einen spürbaren Einbruch erleiden. Auslandsinvestitionen könnten auch so lange betroffen sein, bis sich eine neue Regierung herausschält“, meinte Aathira Prasad von der DBS Group Bank in Singapur.

Der Thai-Baht erlebte mit einem Minus von 1,3 Prozent am Mittwoch den größten Einbruch gegenüber dem Dollar seit drei Jahren. In Bangkok war der Handel ausgesetzt; an den anderen Börsen in Asien gaben die Aktienkurse nach. Banken, Börse und öffentliche Verwaltung blieben am Mittwoch auf Anordnung der Generäle geschlossen.

Nicht mit 1997 vergleichbar

Die Situation ist freilich nicht mit der Lage im Sommer 1997 zu vergleichen, als Thailand durch Währungsspekulationen in eine Wirtschaftskrise stürzte. Das Land ist heute wesentlich besser aufgestellt, Banken und Unternehmen haben ihre Verschuldung verringert. Die Auslandsschulden betragen 57 Milliarden Dollar, die Dollarreserven 60 Milliarden. Größere Fragezeichen als zuvor stehen freilich hinter dem Konsum und vor allem hinter dem Interesse von Investoren.

Besonders für japanische Unternehmen gilt Thailand als Ausgangspunkt für ihre Geschäfte in Südostasien. Am Mittwoch jedoch hielten viele japanische Unternehmen ihre Werke, Fabriken und Betriebe in Thailand geschlossen. Der Autobauer Nissan machte zwei seiner Fabriken in Bangkok dicht und ließ alle Geschäfte schließen. Der Elektronikkonzern Matsushita fuhr in sämtlichen 21 thailändischen Werken die Produktion herunter. Dem folgte die Kosmetikgruppe Kao. Derzeit sind in Thailand 1250 Firmen aus Japan tätig. In den vergangenen zehn Jahren hatten japanische Unternehmen wie Toyota, Honda oder Sharp umgerechnet insgesamt 10 Milliarden Euro in Thailand investiert.

Ab sofort unter Beobachtung

„Investoren sind natürlich sehr verunsichert – das Wort Militärputsch hört sich schrecklich an“, sagte Stefan Buerkle, der stellvertretende Leiter der Deutsch-Thailändischen Handelskammer in Bangkok. „Wir gehen aber davon aus, daß wir in den kommenden Tagen wieder ganz normal weiterarbeiten können.“ In der Hauptstadt herrschte am Mittwoch zwar wenig Verkehr, zahlreiche Unternehmen auch in den Industriezonen hatten geschlossen, ansonsten aber wirkte sie relativ normal. Der Flughafen blieb geöffnet, das Internet funktionierte, auch die englischsprachigen Zeitungen erschienen.

Im Laufe des Tages aber warnten immer mehr Regierungen davor, nach Thailand zu reisen. Gleichwohl werde der neue Großflughafen Suvarnabhumi planmäßig Donnerstag in einer Woche eröffnet werden, hieß es bei dessen Verwaltung. „Man kann den Putsch dann als Hoffnungszeichen verstehen, wenn er zu einer politischen Lösung führt und sich die Wirtschaft daraufhin schnell wieder erholt“, sagte James McCormack, Asien-Analyst der Agentur Fitch Ratings. David Beers von Standard & Poor’s ergänzte: „Derzeit erwarten wir keine spürbaren negativen Auswirkungen auf die Region.“ Beide Agenturen haben Thailand allerdings sofort unter Beobachtung gestellt.

Investitionsklima könnte Schäden nehmen

Falls die politischen Wirren in Thailand weitergehen, sieht die Lage freilich anders aus. „Fortgesetzte Unsicherheiten bedeuten einen Rückschritt für Thailand, aber auch für die gesamte Region“, hieß es im Außenministerium des benachbarten Stadtstaates Singapur. Ein politisch weiter gelähmtes Thailand könnte das Zusammenwachsen Südostasiens weiter hinauszögern. „Kehrt das Land nicht schnell zum Zivilrecht und zur thailändischen Verfassung zurück, würde nicht nur der Zustand der politischen Lähmung fortgesetzt, sondern auch das Investitionsklima ernsthaft beschädigt“, warnte der Standard-&-Poor’s-Analyst Kim Eng Tan.

Schon der Schwebezustand nach den Wahlen im April hat Thailand spürbar zurückgeworfen. „Das politische Chaos hat längst seinen Preis gekostet“, sagte Frank Harrigan, stellvertretender Chefvolkswirt der Asiatischen Entwicklungsbank. „Schon in den Monaten der Unsicherheit vor dem Staatsstreich hat das Investitionsklima gelitten. Sowohl private wie öffentliche Investitionen wurden zurückgestellt“, faßte Andreas Klocke, Thailand-Repräsentant der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Bangkok, die Lage zusammen.

Thaksin gilt als korrupter Steuerbetrüger

Die abgesetzte Regierung erwartete für 2006 nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 5,5 Prozent. „Die politische Unsicherheit seit einem Jahr hat zu einem sehr schwachen Konsum geführt. Das Vertrauen der Verbraucher und der Geschäftsleute ist auf einen Tiefpunkt gesunken“, sagt der DBS-Analyst Prasad. „Bis wir ein klareres Bild gewinnen, wie das Militärregime aussehen wird, bleiben wir bei unserer Vorhersage von 4,9 Prozent Wachstum in diesem und 5,1 Prozent im kommenden Jahr.“

Durch seine expansive Politik ist Ministerpräsident Thaksin Shinawatra zwar populär bei der Landbevölkerung. Im Gegenzug für ihre Wahlstimme verschaffte er ihr Unterstützungszahlungen und Zugang zu medizinischer Hilfe. Überworfen aber hat er sich mit der Mittelschicht in Bangkok und mit dem Militär. Viele Bürger Bangkoks sehen Thaksin als korrupten Steuerbetrüger.

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