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Veröffentlicht: 01.03.2017, 16:29 Uhr

Markus Söder „Allein in diesem Jahr verlieren die Sparer 100 Milliarden Euro“

Erstmals seit fast fünf Jahren ist die Teuerungsrate hierzulande auf mehr als 2 Prozent gestiegen. Bayerns Finanzminister richtet in der F.A.Z. eine klare Forderung an die Notenbank.

© dpa „Es ist höchste Zeit für eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik der EZB“, fordert der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU)

Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) hat die Europäische Zentralbank angesichts der auf 2,2 Prozent gestiegenen Inflationsrate scharf angegriffen. „Es ist höchste Zeit für eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik der EZB“, sagte Söder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Das Sparvermögen in Deutschland beträgt mehr als fünf Billionen Euro. Angesichts der Nullzins-Politik der EZB bedeuten zwei Prozent Inflation, dass die Sparer allein in diesem Jahr 100 Milliarden Euro verlieren.“

Die Politik des billigen Geldes werde für Deutschland immer teurer und müsse beendet werden. Die EZB sollte daher ihr Anleihekaufprogramm beenden und eine „Zins-Umkehr“ anstreben, forderte Söder.

„Die EZB sollte ihre Anleihekäufe reduzieren“

Auch der Präsident des Ifo-Instituts Clemens Fuest rief die EZB dazu auf, ihre Geldpolitik zu überdenken. „Die steigende Inflation in Deutschland spricht dafür, den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik in Europa vorzubereiten“, sagte Fuest der F.A.Z.. „Wenn sich diese Daten für den Euroraum insgesamt bestätigen, sollte die EZB ihre Anleihekäufe ab April um monatlich 10 Milliarden Euro reduzieren.“ Die Europäische Zentralbank hatte im Dezember gegen Einwände der Bundesbank beschlossen, das Anleihekaufprogramm von April an mit monatlich 60 Milliarden Euro fortzuführen.

Am Mittwochvormittag hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass die Teuerungsrate in Deutschland erstmals seit viereinhalb Jahren über die Marke von zwei Prozent gestiegen ist. Im Februar kosteten Waren und Dienstleistungen 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Eine so hohe Inflationsrate wurde zuletzt im August 2012 gemessen.

Nicht nur in Deutschland steigen die Preise

Grund für die gestiegene Teuerungsrate in Deutschland sind vor allem die Preise für Energie: Heizöl, Benzin und Diesel verteuerten sich zusammengenommen um 7,2 Prozent. Die in der Opec organisierten Ölförderländer hatten sich Ende des vergangenen Jahres darauf verständigt, die Förderung zu kürzen. Vor allem der größte Produzent Saudi-Arabien legte hier vor.

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Nahrungsmittel kosteten 4,4 Prozent mehr als im Februar 2016, unter anderem wegen mäßig ausgefallener Ernten in südeuropäischen Ländern. Die EU-Kommission sagt Deutschland für dieses Jahr eine durchschnittliche Inflationsrate von 1,9 Prozent voraus, was fast viermal so viel wäre wie im vergangenen Jahr.

Nicht nur Energie und Nahrungsmittel, sondern auch viele andere Waren und Dienstleistungen dürften bald teurer werden, erwartet Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. „Grund dafür ist die gute Konjunktur mit steigender Beschäftigung“, sagte er. „Das eröffnet den Unternehmen Spielräume, höhere Kosten – etwa durch steigende Importpreise infolge des abgewerteten Euro – auf die Kunden umzulegen.“

Weidmann hält höhere Teuerung für möglich

Den Währungshütern in der Europäischen Zentralbank dürften die Zahlen nicht ungelegen kommen. Sie bestätigen einen in vielen Mitgliedsländern der Währungsunion zu beobachtenden Trend, nach dem die Preise wieder etwas anziehen. Spanien beispielsweise, die drittgrößte Euro-Volkswirtschaft, meldete gerade eine um 3 Prozent gestiegene Teuerungsrate. In der Währungsunion insgesamt betrug die Inflationsrate im Januar 1,8 Prozent.

Die Notenbanker um Mario Draghi hatten im Dezember beschlossen, die monatlichen Anleihekäufe zurückzufahren von 80 auf 60 Milliarden Euro ab April. Weil zuletzt auch viele Konjunkturdaten erfreulich ausgefielen, spekulieren Fachleute verstärkt, ob die EZB eher früher als später weitere Schritte folgen lassen könnte – entweder indem sie die Anleihekäufe weiter zurückfährt, die Zinsen verändert oder zumindest die Wortwahl dahingehend ändert, dass sie die Wirtschaft auf wieder steigende Leitzinsen einstellt.

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