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Korruption Thailands Sumpf reicht bis nach Singapur

25.09.2006 ·  Nach dem Putsch in Thailand ermittelt eine Anti-Korruptions-Kommission gegen den abgesetzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Ihm drohen Strafen bis zu zwei Milliarden Dollar, meinen Beobachter. Doch nicht nur er ist in das Visier der Fahnder geraten.

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Im Bemühen, ihre Redlichkeit zu beweisen, haben die Putschisten in Thailand eine Untersuchungskommission für Korruption eingerichtet. Im Zentrum des Interesses steht dabei das Handeln des abgesetzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, seiner Kabinettsmitglieder und seiner Geschäftsfreunde. Die achtköpfige Kommission soll unter Vorsitz eines früheren Richters des Obersten Gerichtshofes Regierungsprojekte unter die Lupe nehmen. Sie hat das Recht, auch von börsennotierten Unternehmen alle notwendigen Informationen und Unterlagen einzufordern.

„Wenn wir Beweise dafür finden, daß Kabinettsmitglieder versuchen, ihren Besitz ins Ausland zu schaffen, werden wir die Konten einfrieren“, kündigte Sawat Chotiphanit an, der neu eingesetzte Leiter der Antikorruptionsbehörde. Nachrichtenagenturen berichten, Thaksin habe vor dem Militärcoup zwei Maschinen gechartert, die mehrere hundert Kisten außer Landes geflogen hätten. Der gestürzte Ministerpräsident hält sich derzeit mit seiner Frau Pojamarn in London auf.

Ermittlungen geben auch Singapur zu denken

Die Untersuchungen erstreckt sich auch auf den neuen Großflughafen Bangkoks, Suvarnabhumi Airport, der an diesem Donnerstag eröffnet wird. Dabei geht es vor allem um die Lieferung von amerikanischen Sprengstoff-Scannern und Transportbändern. Bis jetzt liegen der Untersuchungskommission 14 Verdachtsfälle von Korruption vor, heißt es. Kritiker Thaksins sagen seit langem, er habe seine Zeit als Ministerpräsident dazu genutzt, den Reichtum seiner Familie zu mehren. Allerdings sind Korruption und Vetternwirtschaft in Thailand nicht ungewöhnlich.

Die Ermittlungen um Thaksin werden besonders der Elite im benachbarten Stadtstaat Singapur zu denken geben. Denn der Kauf des Kommunikationskonzerns Shin Corp. von der Familie Thaksin durch die staatliche Singapurer Investitionsgesellschaft Temasek Holdings Ltd. vor einem halben Jahr hatte den Fall des Ministerpräsidenten letztlich eingeleitet. Thaksins Familie hatte 49,6 Prozent der Aktien für 1,9 Milliarden Dollar nach Singapur verkauft, ohne dafür Steuern zu zahlen. Kurz darauf erwarb Temasek weitere Anteile und hält heute rund 96 Prozent an Shin Corp. Der Kauf erschien aus Sicht vieler Thailänder politisch motiviert, da Singapur und das Thaksin-Regime eng miteinander verknüpft waren.

Leser mit hellseherischer Kraft

Thaksin gilt als großer Bewunderer der Singapurer Familie Lee, die die wichtigsten Positionen im Stadtstaat innehat. Zugleich heißt es, Temasek habe den Kauf weiterer Anteile über Mittelsmänner abgewickelt, was gegen die thailändischen Gesetze verstieße. Diese Gerüchte und Vermutungen hatten das Bürgertum Bangkoks so in Rage versetzt, daß Demonstranten vor die Botschaft Singapurs zogen und die Bilder von Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong und seiner Ehefrau, Ho Ching, verbrannten. Madame Ho leitet nicht nur die mehr als 100 Milliarden Dollar schwere Temasek, sondern ist auch die Ehefrau von Lee und damit die Schwiegertochter des Staatsgründers.

Während sich Singapur gerade zum Vorreiter der guten Unternehmensführung („good governance“) in Asien aufschwingt, hat Temasek durch den Kauf von Shin Corp. innerhalb von nur einem halben Jahr rund 2 Milliarden Dollar an Buchwert verspielt. Eine Auswirkung auf die Besetzung des Boards hat der Mißgriff indes bisher nicht gehabt. Dies widerspricht dramatisch dem Image eines gutgeführten, sicheren Hafens, das der Stadtstaat für Temasek und seine Chefin Ho Ching aufbaut. Noch vor dem Umsturz in Thailand hatte ein Leser der Singapurer Zeitung „Today“ mit geradezu hellseherischer Kraft das Handeln von Madame Ho kritisiert: „Wenn wir unser Schicksal an eine führende Familie binden, ist das eine zweischneidige Sache. Wir können gemeinsam mit ihr aufsteigen. Aber wenn sie stürzt, stürzen wir mit ihr.“

Temasek drohen hohe Strafen

Der Abgrund ist mit dem Militärcoup in Thailand vor einer Woche näher gerückt. Die angesehene Zeitung „Sydney Morning Herald“ vermutet in ihrer Montag-Ausgabe, Temasek drohe eine Strafe von bis zu 2 Milliarden Dollar oder ein Einfrieren der Shin-Corp.-Anteile, sollte die Untersuchung durch das thailändische Handelsministerium die Rechtmäßigkeit des Kaufes oder seiner Abwicklung in Frage stellen. Sicher erscheint schon jetzt, daß Shin Corp. als Tochterunternehmen eines Singapurer Staatskonzerns und Verbündeter der Thaksin-Familie so viel Ansehen in Thailand eingebüßt hat, daß ihr Wert und Ansehen bei Kunden schwerlich wieder frühere Höhen erreichen wird.

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