29.01.2008 · Die Weltwirtschaft wird sich nach Einschätzung des IWF in diesem Jahr deutlich abschwächen, eine Rezession in den Vereinigten Staaten wird aber nicht erwartet. Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien sehen trotz der IWF-Prognose keine Notwendigkeit für ein Konjunkturprogramm.
Die Turbulenzen an den Finanzmärkten werden in diesem Jahr aus Sicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Weltwirtschaft merklich bremsen. Die Finanzinstitution stutzte ihre globale Wachstumserwartung im Vergleich zur vorangegangenen Prognose vom Herbst für 2008 um 0,3 Prozentpunkte auf 4,1 Prozent. Mit die stärksten Abstriche muss demnach der Euroraum hinnehmen: Dort erwartet der IWF im laufenden Jahr nun nur noch ein Wachstum von 1,6 Prozent, lediglich ein zehntel Prozentpunkt mehr als in den Vereinigte Staaten. Das geht aus dem aktualisierten Weltwirtschaftsausblick des IWF hervor, der am Dienstag in Washington veröffentlicht wurde.
Für den Euroraum hatte der Fonds im Herbst noch ein Plus von 2,1 Prozent vorausgesagt, für die Vereinigten Staaten 1,9 Prozent. IWF-Chefökonom Simon Johnson warnte gleichzeitig vor Inflationsgefahren in der Eurozone. Dort sei man „in einer schwierigen Position“, sagte er. „Das Wachstum verlangsamt sich, zugleich gibt es ernsthafte Sorgen über den Preisauftrieb.“ Johnson bezeichnete die bisherige Politik der Europäischen Zentralbank, die Zinsen trotz Risiken für das Wachstum vorerst nicht zu senken, als „angemessen“. „Inflation bleibt für Zentralbanken rund um den Globus das Top-Thema“, sagte er.
Aufstrebende Volkswirtschaften robust
„Das wichtigste Risiko für den globalen Wirtschaftsausblick ist, dass eine Fortsetzung der Finanzmarkt-Turbulenzen die Binnennachfrage in den entwickelten Volkswirtschaften verringert und auf die Schwellen- sowie Entwicklungsländer übergreift“, schreiben die Experten. Die aufstrebenden Volkswirtschaften zeigen sich nach Einschätzung des IWF derweil robust. Für die Schwellen- und Entwicklungsländern rechnet der Fonds im Vergleich zu seiner Herbstvorhersage lediglich mit einem um 0,2 Prozentpunkte verringerten Wachstum von durchschnittlich 6,9 Prozent. Die Prognose für China blieb dabei unverändert bei 10 Prozent. „Diese Ökonomien profitieren von wachsender Inlandsnachfrage, stabilieren makroökonomischen Rahmenbedingungen und, was Rohstoffexporteure angeht, von hohen Energie- und Lebensmittelpreisen.“
Für das vergangene Jahr geht der Fonds von einem weltweiten Wachstum von 4,9 Prozent aus. Euroraum legte demnach noch um 2,6 Prozent zu, und die Vereinigten Staaten als größte Volkswirtschaft der Welt um 2,2 Prozent. Die Schwellen- und Entwicklungsländer verbuchten 2007 der Schätzung zufolge ein Plus von durchschnittlich 7,8 Prozent.
Es sei von „höchster Wichtigkeit“, dass die Währungshüter weiterhin mit Blick auf die Marktbedürfnisse flexibel blieben, fordern die Fachleute des Fonds. Das reibungslose Funktionieren der Geldmärkte müsse durch Bereitstellung von Liquidität gewährleistet werden, um die Folgen der Kreditkrise für die Realwirtschaft zu verringern, hieß es in dem gleichzeitig veröffentlichen Bericht des IWF zur Stabilität der globalen Finanzmärkte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,09 | −0,87% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2457 | −0,25% |
| Rohöl Brent Crude | 12.580,70 $ | −1,37% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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