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Konjunktur Wirtschaft am Wendepunkt

13.08.2009 ·  Die schwerste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik ist zu Ende. Die deutsche Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal überraschend um 0,3 Prozent im Vergleich zum ersten Vierteljahr. Wirtschaftsminister Guttenberg wertet die Hoffnungszeichen als Beleg für eine gute Arbeit der Bundesregierung.

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Die schwerste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik ist zu Ende. Die deutsche Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal überraschend um 0,3 Prozent im Vergleich zum ersten Vierteljahr, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Zugleich fiel der Absturz im ersten Quartal mit minus 3,5 Prozent schwächer aus als zunächst berechnet.

Die Wirtschaft hat sich damit schneller erholt als von Experten erwartet. Viele Volkswirte hatten einen weiteren Rückgang des Bruttoinlandsprodukt (BIP) prognostiziert und zeigten sich überrascht. Auch zahlreiche Länder im Euro-Raum konnten sich im Frühjahr aus der Rezession befreien (siehe: Rezession im Euro-Raum vor dem Ende). „Die Rezession ist vorbei. Nicht nur in Deutschland. Der Unsicherheitsschock, der nach der Lehman-Pleite weltweit eingesetzt hatte, ist abgeebbt. Die Unternehmen holen Investitionen nach“, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. In den kommenden Monaten sollte die Wirtschaft seiner Einschätzung nach weiter wachsen. Das Konjunkturprogramm habe allerdings keinen großen Anteil an der Erholung.

Guttenberg: „Beherztes Handeln der Regierung“

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) führte das Wachstum hingegen auf die Bundesregierung zurück. Die Zahlen belegten, „dass der stärktste Einbruch der Wirtschaftsleistung hinter uns liegen dürfte“, erklärte Guttenberg in Berlin. „Dies ist auch auf unser schnelles und beherztes Handeln zurückzuführen.“ So habe die Abwrackprämie den privaten Konsum angekurbelt. Die staatlichen Ausgaben für Infrastrukturprojekte hätten das Baugewerbe gestützt. Das Wachstum sei noch etwas günstiger ausgefallen als von der Bundesregierung erwartet, sagte Guttenberg. Zugleich warnte er, die Zahlen seien „kein Anlass zur Euphorie“. Es sei „noch ein weiter Weg, bis unsere Wirtschaft das Vorjahresniveau erreicht“.

Der Konjunkturoptimismus beflügelte auch den Aktienmarkt. Der Dax startete am Donnerstag im Plus und baute seine Gewinne aus. (siehe dazu auch: Konjunkturoptimismus hält den Dax im Plus)

Nach vier BIP-Rückgangen in Folge wurde erstmals wieder ein Zuwachs erzielt, ein Wachstum hatte es zuletzt im ersten Quartal 2008 gegeben. Angekurbelt wurde die Konjunktur von den privaten und staatlichen Konsumausgaben sowie den Bauinvestitionen, hieß es vom Statistischen Bundesamt. Da die Importe stärker sanken als die Exporte, trug auch der Außenhandel zum Wachstum bei. Negative Einflüsse ergaben sich Destatis zufolge durch einen Abbau der Lagerbestände. Der Euro schnellte nach Bekanntgabe der Daten nach oben. Er notierte zuletzt bei 1,4263 Dollar, nachdem er zuvor bei 1,4210 gelegen hatte. Details zum Wirtschaftswachstum wollen die Statistiker am 25. August nennen.

Rekordrückgang im Jahresvergleich

Dennoch steht die Wirtschaft wegen des dramatischen Absturzes zuvor schlechter da als vor einem Jahr. Im Vorjahresvergleich sank das BIP um 7,1 Prozent, kalenderbereinigt um 5,9 Prozent. „Einen stärkeren Rückgang gab es noch nie in der Nachkriegszeit“, sagte ein Statistiker.

Die Bundesregierung und führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen bislang für 2009 mit einem Minus von sechs Prozent. Das wäre der stärkste Einbruch seit Gründung der Bundesrepublik. Ursache dafür ist die globale Wirtschaftskrise, unter der Exportweltmeister Deutschland besonders leidet.

Volkwirte rechnen weiter mit positiver Entwicklung

Positive Überraschungen gab es zuletzt nicht nur von Frühindikatoren wie dem Ifo-Geschäftsklimaindex, sondern auch von harten Konjunkturindikatoren wie den Exporten und den Auftragseingängen. Die deutschen Ausfuhren verzeichneten im Juni den stärksten Anstieg seit fast drei Jahren (siehe: Exporte nehmen wieder deutlich zu ), die Industriebestellungen legten den vierten Monat in Folge zu (siehe: Gute Auftragslage: „Die Rezession ist zu Ende“).

Viele Ökonomen erwarten ab dem dritten Quartal wieder eine größere Dynamik. Die BIP-Prognosen für das zweite Halbjahr liegen bei einigen Banken schon im Bereich von plus 0,8 Prozent bis plus 1Prozent. Dennoch wird weiterhin davon ausgegangen, dass - angesichts des katastrophalen ersten Quartals - die Wirtschaft im Gesamtjahr 2009 deutlich schrumpfen wird.

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Von Heike Göbel

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