Home
http://www.faz.net/-gqf-pwe7
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Samstag, 11. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Konjunktur Weihnachtsgeschäft auf 10-Jahres-Tief

02.02.2005 ·  Der deutsche Einzelhandel hat ein schlechtes Jahr 2004 mit einem enttäuschenden Weihnachtsgeschäft abgeschlossen. Der Optimismus des Einzelhandels hat sich nicht erfüllt.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Der deutsche Einzelhandel hat ein schlechtes Jahr 2004 mit einem enttäuschenden Weihnachtsgeschäft abgeschlossen. Nach den vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts vom Mittwoch erlitt die Branche den schlechtesten Dezember seit zehn Jahren. Der Umsatz lag nominal um 2,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Inflationsbereinigt betrug das Minus sogar 2,7 Prozent. Im saisonbereinigten realen Vergleich setzten die Einzelhändler 0,3 Prozent weniger um als im November.

Das schlechte Ergebnis steht in auffälligem Kontrast zur großen Zuversicht, die der Einzelhandel im Weihnachtsgeschäft ausgestrahlt hatte. "Geiz ist gewesen", hatte der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr, noch einen Tag vor Weihnachten verlauten lassen. Der HDE hatte auf einen Mehrumsatz im Weihnachtsgeschäft von 1,3 Prozent gehofft. Branchenkenner hatten indes schon damals Zweifel angemeldet, ob der Handel mit einem Plus aus dem Weihnachtsgeschäft gehen werde (F.A.Z. vom 22. Dezember). Schon der November hatte dem Handel ein schlechtes Ergebnis beschert.

HDE um Schadensbegrenzung bemüht

Der HDE bemühte sich am Mittwoch, den Eindruck zu verwischen, er habe Zweckoptimismus betrieben. Pellengahr sagte dieser Zeitung: "Die gute Stimmung war keine Fata Morgana." Sie habe aber nur etwa zweieinhalb Wochen angehalten, und das Geschäft sei in der zweiten Monatshälfte eingebrochen. Auch Umfrageindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima im Einzelhandel oder das GfK-Konsumklima hatten sich im Dezember verbessert.

Pellengahr verwies zudem darauf, daß das Lebensmittelgeschäft und der Versandhandel nicht im Mittelpunkt der vorweihnachtlichen Beobachtung stünden. In diesen beiden Bereichen brach der Umsatz im Dezember mit am stärkten ein. Der Verkauf von Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren, der rund ein Drittel des gesamten Einzelhandelsumsatzes ausmacht, sank im Dezember real um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat; der Versandhandel verlor 5,7 Prozent. Einen kleinen Lichtblick erkannte Pellengahr im Textilhandel, der als einziger Geschäftsbereich nominal und real ein kleines Plus verbuchte.

Verluste im dritten Jahr nacheinander

Im gesamten Jahr 2004 setzte der Handel real 1,7 Prozent weniger um als im Vorjahr und erlitt damit den dritten Verlust nacheinander. Die Aussichten für dieses Jahr sieht der Handel zurückhaltend. Pellengahr sagte, man werde viel Glück brauchen, um das Vorjahresniveau zu halten. Die Arbeitslosenzahlen drückten die Stimmung; entscheidend für den Handel sei aber die Entwicklung der Beschäftigung und vor allem der voll sozialversicherungspflichtigen Stellen. Solange diese nicht in Schwung käme, sei eine Trendwende im Einzelhandel nicht absehbar. "Woher die Bundesregierung ihren Optimismus für eine stärkere Binnennachfrage nimmt, ist uns schleierhaft", sagte der HDE-Sprecher. Eine Umsatzprognose für dieses Jahr will der Verband erst in wenigen Wochen vorlegen.

Erwartungen für das Wirtschaftswachstum sinken

Mit dem schlechten Dezemberergebnis der Einzelhändler sinkt auch die Hoffnung, daß die deutsche Wirtschaft sich im vierten Quartal deutlich von der Fast-Stagnation im dritten Vierteljahr erholt hat. Im Jahresschlußquartal fiel der Einzelhandelsumsatz, der freilich als schlechter Frühindikator für den gesamten privaten Konsum gilt, um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Bankvolkswirte erklärten am Mittwoch, damit steige das Risiko, daß das Wirtschaftswachstum sich zum Jahresende nur marginal beschleunigt erhöht habe. Zum Jahresauftakt 2005 haben sich das Geschäftsklima im Einzelhandel und das Konsumklima abermals verbessert. Auf der Positivseite stehen die Steuerentlastung der privaten Haushalte um 5 Milliarden Euro. Auf der Negativseite notieren Volkswirte die seit Dezember geltende Erhöhung der Tabaksteuer und die Belastungen der Haushalte durch die Hartz-IV-Reform.

Quelle: pwe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2005, Nr. 28 / Seite 17
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Einknicken der Euro-Retter

Von Holger Steltzner

Das Leben auf Pump geht weiter: Der Süden druckt einfach das Geld, das er für Rechnungen braucht. Warum soll sich Griechenland ändern, wenn es doch immer wieder neue Kredite gibt? Mehr 81 212

10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK
10.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.692,96 −1,41%
FAZ-INDEX 1.495,13 −1,32%
TecDAX 769,89 −0,43%
MDAX 10.249,10 −1,04%
SDAX 4.985,13 −0,71%
REX 421,06 −0,02%
Eurostoxx 50 2.480,76 −1,65%
F.A.Z. EURO INDEX 80,01 −1,60%
Dow Jones 12.801,20 −0,69%
Nasdaq 100 2.547,32 −0,65%
S&P500 1.342,64 −0,69%
Nikkei225 8.947,17 −0,61%
EUR/USD 1,3195 −0,67%
Rohöl Brent Crude 117,61 $ −0,91%
Gold 1.711,50 $ −2,09%
Bund Future 138,62 € +1,01%