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Konjunktur Währungsfonds bleibt für Deutschland pessimistisch

21.04.2004 ·  Der IWF sieht wegen der schlechten Stimmung der Konsumenten Gefahr für den Aufschwung im Euro-Raum. Die Europäische Zentralbank solle notfalls die Konjunktur durch eine weitere Lockerung der Geldpolitik ankurbeln.

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Der Euro-Raum fällt im globalen Konjunkturaufschwung zurück.  Insbesondere die deutsche Wirtschaft kommt nicht recht in Schwung. Das geht aus dem neuen Weltwirtschaftsbericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington hervor. Im "World Economic Outlook" sagen die Fondsökonomen Deutschland ein Wachstums von 1,6 Prozent in diesem und von 1,9 Prozent im kommenden Jahr voraus.

Als größte Volkswirtschaft des gemeinsamen Währungsraums von zwölf europäischen Staaten trägt die deutsche Wachstumsschwäche wesentlich zur mäßigen Prognose für den Euro-Raum von 1,7 Prozent (2004) und 2,3 Prozent (2005) bei. Für Amerika beträgt der erwartete Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts 4,6 beziehungsweise 3,9 Prozent. Auch für andere Industrienationen, einschließlich Japans, rechnet der IWF mit höheren Wachstumsraten als für den Euro-Raum.

Aufwertung des Euro nicht auszuschließen

"Der Euroraum profitiert insbesondere von der Auslandsnachfrage - trotz des stärkeren Euro-Wechselkurses. Vom privaten Verbrauch aber gehen keine Impulse aus", heißt es in dem Bericht. Weil wegen der schlechten Stimmung unter den Konsumenten und der hohen Arbeitslosigkeit eine Belebung der Binnennachfrage nicht zu erwarten sei, gerate auch der mäßige Aufschwung im Euro-Raum in Gefahr.

Darüber hinaus sei eine scharfe Aufwertung des Euro nicht auszuschließen, die sich dann negativ auf die Ausfuhren auswirken werde. Nach Einschätzung des IWF sind im Euro-Raum derzeit keine nennenswerten Inflationsgefahren zu erkennen. Die Europäische Zentralbank solle darum notfalls versuchen, die Konjunktur durch eine weitere Lockerung der Geldpolitik anzukurbeln, rät der IWF.

IWF lobt Agenda 2010

Um das Wachstumspotential in Europa langfristig zu erhöhen, seien weitere Reformen zur Flexibilisierung der Arbeits- und Gütermärkte unverzichtbar. Eine Lockerung der Kündigungsschutzbestimmungen sei in vielen Ländern ebenso notwendig wie eine Reform der sozialen Sicherung mit dem Ziel, die Anreize zur Aufnahme einer Arbeit für Arbeitslose zu erhöhen, meint der Fonds und lobt die ersten Reformen im Rahmen der Agenda 2010 der Bundesregierung als einen ersten Schritt auf dem richtigen Weg. "Der Konjunkturaufschwung bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Reformen voranzutreiben."

Zuversichtlich ist der Fonds für die Wirtschaftsentwicklung in Amerika in den kommenden Monaten. Dort sei mit einem fortgesetzt kräftigen Wachstum und weiteren Produktivitätsgewinnen zu rechnen. Der Impuls der Finanzpolitik auf den Konsum laufe zwar bald aus, die Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt sowie Kursgewinne am Aktienmarkt würden den privaten Verbrauch aber stützen.

In Anbetracht des kraftvollen Aufschwungs rücke nun auch der Zeitpunkt näher, da die amerikanische Notenbank (Fed) die Leitzinsen erhöhen müsse. "Dafür muß die Fed den Weg ebnen, indem sie sich auf einen neutraleren Kurs in der Geldpolitik begibt", empfiehlt der IWF.

IWF sieht Aufschwung durch amerikanisches Defizit belastet

Trotz der insgesamt positiven Aussichten für die amerikanische Wirtschaft bestünden zahlreiche Risiken, die schnell einen Strich durch die Prognosen machen könnten, warnt der IWF. Dies seien vor allem die hohen Haushaltsdefizite der amerikanischen Regierung, die zu einem scharfen Anstieg der Kapitalmarktzinsen führten, wenn die Konsolidierung der Staatsfinanzen nicht entschlossener vorangetrieben werde.

Höhere Kapitalmarktzinsen hätten auch einen Anstieg der Hypothekenzinsen zur Folge, mit negativen Folgen für die Bauwirtschaft und den privaten Verbrauch. Darüber hinaus berge das hohe Defizit in der amerikanischen Leistungsbilanz - es beträgt inzwischen mehr als 5 Prozent des BIP - die Gefahr eines Kursrutsches des Dollar.

Sowohl eine ungeordnete Anpassung des Dollar-Kurses und damit einhergehende Turbulenzen an anderen Finanzmärkten als auch ein Anstieg der Kapitalmarktzinsen stellten nicht nur eine Belastung für den amerikanischen, sondern für den Aufschwung der Weltkonjunktur dar.

Quelle: ctg., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2004, Nr. 94 / Seite 11
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