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Konjunktur Verbraucherstimmung hellt sich deutlich auf

29.08.2005 ·  Nach Monaten der Zurückhaltung zeigen die Deutschen wieder mehr Lust zu konsumieren. Ökonomen sind positiv überrascht, aber uneins darüber, inwieweit die Mehrwertsteuerdebatte Ursache für den Stimmungswandel ist.

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Wenige Wochen vor der Bundestagswahl hat sich die Verbraucherstimmung in Deutschland überraschend deutlich aufgehellt. Alle Indikatoren hätten sich im August gegenüber dem Vormonat positiv entwickelt, teilte der Marktforscher GfK am Montag in Nürnberg mit.

Insbesondere die Neigung, größere Anschaffungen zu tätigen, sei zum zweiten Mal in Folge deutlich gestiegen. Der Index für das Konsumklima werde infolgedessen im September auf einen Wert von 3,4 Punkten steigen nach 3,2 Punkten im August, berichtete die GfK.

Stimmung in Ostdeutschland erheblich schlechter

GfK-Chef Klaus Wübbenhorst sagte, die bevorstehende Bundestagswahl wirke sich positiv auf die Stimmung der Verbraucher aus. „Die Bürger haben jetzt wieder etwas mehr Sicherheit.“ Wübbenhorst bekräftigte die GfK-Prognose, daß der private Konsum in diesem Jahr um 0,2 Prozent steigen werde.

Der Konsumklima-Studie zufolge bleibt die Stimmung in den neuen Bundesländern aber wesentlich schlechter als in den alten. Eine ausgesprochen pessimistische Stimmung herrsche auch bei den älteren, nicht mehr berufstätigen Menschen vor. Dagegen äußerten sich die Jüngeren überwiegend positiv.

Ökonomen positiv überrascht

Durchweg positiv überrascht zeigten sich die Bank-Volkswirte. Matthias Rubisch von der Commerzbank sagte: „Das ist eine positive Überraschung und geht ganz klar auf das Konto der gestiegenen Anschaffungsneigung. Die Menschen denken, daß jetzt eine gute Zeit für größere Anschaffungen ist, obwohl nicht klar ist, in wie weit die Debatte über eine Mehrwertsteuererhöhung verantwortlich ist. Wir sind uns nicht sicher, wie ernst man den Anstieg nehmen muß.“ Der Ökonom der Commerzbank gab aber auch zu bedenken: „Das größere Konjunkturbild ist noch immer ziemlich negativ. Der Ölpreis steigt und es gibt wenig Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt. Es sieht daher nicht so aus, als sollte es einen Aufschwung beim privaten Konsum geben.“

Andreas Scheuerle von der Dekabank hält die Aussicht auf einen Mehrwertsteuererhöhung noch nicht für entscheidend. „Das wird sicher noch ein Thema, je nachdem wie die Wahl ausgeht“, sagt der Bank-Volkswirt. „In letzter Zeit ist das aber etwas in den Hintergrund gerückt. Im Gegenteil: Alle sprechen im Moment über Kirchhof und Steuererleichterungen.“

Vorzieheffekt oder grundsätzlicher Stimmungswandel

Anders interpretiert Andreas Rees von der Hypovereinsbank die Entwicklung: „Es gibt zwei Ursachen: Die eine ist ein Sondereffekt; die Leute bereiten sich ganz offensichtlich auf eine Mehrwertsteuererhöhung vor. Die Menschen rechnen damit unabhängig, ob es zu einer CDU/FDP-Koalition oder einer Großen Koalition kommt und ziehen Käufe vor. Es gibt auch einen zweiten Grund und der ist fundamental: Die Konsumstimmung ist auch besser, weil sich am Arbeitsmarkt etwas gedreht hat. Die Geschwindigkeit, mit der Vollzeitjobs abgebaut werden, hat in den letzten Monaten abgenommen.“

Mehrwertsteuererhöhung bis zum Januar 2006 nicht durchführbar

Unterdessen meldet sich der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) in der Debatte um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei Prozent, wie sie die Union in ihr Wahlprogramm aufgenommen hat, zu Wort. Der Einzelhandel ist strikt gegen eine Mehrwertsteuererhöhung, wie sie die Union bei einem Wahlsieg plant. „Das ist Gift für den gesamten Konsum“, sagte Hubertus Pellengahr, Sprecher des HDE. Es gebe im Einzelhandel derzeit ohnehin eine große Kaufzurückhaltung. „Es ist eine große Vertrauenskrise, die auf diesem Lande lastet. Die Menschen wissen nicht genau, was Ihnen die Zukunft bringt“, sagte Pellengahr. Der Sprecher fügte hinzu: „Es ist auch rein technisch für den Handel gar nicht möglich, das bis zum 1. Januar 2006 zu bewerkstelligen. Das heißt, der Handel bliebe erst mal auf der Mehrwertsteuer sitzen. Das würde Unternehmen belasten, das würde Jobs kosten.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AFP, Reuters, AP
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