Trotz des hohen Ölpreises hat sich das Geschäftsklima in Deutschland unerwartet aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 94,6 Punkten im August auf 96,0 Punkte im September.
Die vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung befragten rund 7000 Unternehmen schätzten die aktuelle Geschäftslage deutlich besser ein, während die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate nahezu unverändert blieben. Bankvolkswirte hatten mehrheitlich eine Verschlechterung des Geschäftsklimas erwartet. Die Verbesserung des Stimmungsindikators weist auf eine anziehende Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte hin. "Die Aussichten sind nicht schlecht, daß sich die Konjunktur belebt", sagte der Ifo-Ökonom Gernot Nerb am Dienstag.
Bundestagswahl belastet tendenziell
Der Ausgang der Bundestagswahl hat die Stimmung nach Einschätzung des Ifo-Instituts tendenziell belastet. Rund 20 Prozent der Antworten in der Umfrage gingen nach der Wahl ein. Diese Unternehmen bewerteten die Geschäftsaussichten ein wenig ungünstiger als der Rest, ohne die generelle Verbesserung des Geschäftsklimas, die maßgeblich in einer besseren Geschäftslage gründet, zu verhindern.
Mit Ausnahme der Bauwirtschaft hellte sich das Geschäftsklima in allen anderen Branchen auf. Die erheblich bessere Beurteilung der Lage im Verarbeitenden Gewerbe steht im Einklang mit der im Sommer guten Produktions- und Auftragsentwicklung. Neben dem gut laufenden Export gebe es auch Anzeichen für eine Belebung bei den Investitionsgüterherstellern, sagte Nerb. Hier könnte hineinspielen, daß das Recycling der Petrodollar-Einnahmen der ölexportierenden Länder gerade den deutschen Herstellern von Investitionsgütern zugute kommt. Doch schätzten die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes die künftigen Geschäftsaussichten schlechter ein. Die Unternehmen des Groß- und Einzelhandels meldeten eine bessere Stimmung. Hier verbesserten sich auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate.
Erholung in Sicht
Bankvolkswirte sehen den Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex als Indiz, daß die Wirtschaft im dritten Quartal und darüber hinaus Fahrt aufnehmen wird. Einem sich selbsttragenden Aufschwung stünde freilich entgegen, daß mit einer Erholung des privaten Konsums nicht zu rechnen sei, erklärte Ralph Solveen von der Commerzbank.
Das bessere deutsche Geschäftsklima deutet auch auf bessere Aussichten im Euro-Raum hin. Auch in Belgien hatte sich das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe zuletzt deutlich aufgehellt. Die belgische Entwicklung gilt als guter Indikator für den Euro-Raum, weil die dortige Wirtschaft besonders stark mit denen der anderen Euro-Staaten verflochten ist.
