26.07.2005 · Die Erwartung einer moderaten Belebung der deutschen Konjunktur im zweiten Halbjahr gewinnt an Plausibilität. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli zum zweiten Mal nacheinander und unerwartet kräftig gestiegen.
Die Erwartung einer moderaten Belebung der deutschen Konjunktur im zweiten Halbjahr dieses Jahres gewinnt zunehmend an Plausibilität. Das Geschäftsklima der Unternehmen hat sich im Juli zum zweiten Mal nacheinander und unerwartet kräftig aufgehellt. Der vom Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung ermittelte Geschäftsklimaindex stieg von 93,3 auf 95 Punkte. Im Juni war der Index leicht gestiegen.
Die rund 7000 befragten Unternehmen bewerteten die aktuelle Lage, vor allem aber die Erwartungen für die kommenden sechs Monate deutlich besser als zuvor. Der Teilindikator für die Geschäftserwartungen stieg von 92,9 auf 95 Punkte.
Silberstreif am Konjunkturhorizont
Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, erklärte, es sei ein erster Silberstreif am Konjunkturhorizont zu sehen. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte: "Wir befinden uns jetzt fest auf Wachstumskurs und es wird weiter aufwärts gehen." Allerdings gefährde die von der Union geplante Mehrwertsteuererhöhung den "Erfolgskurs der deutschen Wirtschaft". Dagegen erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Ronald Pofalla, vom Ifo-Index gehe das klare Signal aus, daß die deutsche Wirtschaft auf einen Regierungswechsel hoffe.
Eine dreimalige Verbesserung des Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als Zeichen einer konjunkturellen Wende nach oben. Die Terroranschläge von London hatten nach Einschätzung des Ifo-Instituts keine signifikante Auswirkungen auf das deutsche Geschäftsklima. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und im Großhandel hellte sich das Geschäftsklima im Juli deutlich auf. Dabei stiegen die Exporterwartungen der Industrieunternehmen nur gering. Die Einzelhändler nahmen ihre Geschäftserwartungen deutlich zurück. Das Ifo-Institut mutmaßt, daß möglicherweise die Diskussion über eine höhere Mehrwertsteuer die Stimmung drückte.
Volkswirte warnen vor zu viel Optimismus
Volkswirte zeigten sich über die Ifo-Daten erfreut, warnten aber vor zu viel Optimismus. "Das ist ein phantastischer Wert", sagte Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Matthias Rubisch von der Commerzbank sagte: "Die kleine Delle in der Industrie der vergangenen Monate ist überwunden." Klaus Baader von Merril Lynch warnte: "Es ist noch zu früh, um von einem Wendepunkt der Konjunktur zu sprechen." Begründet wird die Stimmungsaufhellung neben der Euro-Abwertung vor allem mit der Verbesserung des Wirtschaftsausblicks für die Vereinigten Staaten und für Asien.
Verbesserung auch in Italien und Belgien
Auch in anderen Euro-Staaten verbesserte sich das Geschäftsklima im Juli. Das italienische Statistikamt berichtete über den zweiten Anstieg des Geschäftsklimaindex im Verarbeitenden Gewerbe. In Belgien hellte sich das Klima in der Industrie und in der Bauwirtschaft auf. Die Niederlande meldeten dagegen eine spürbare Verschlechterung des Geschäftsklimas.
Angesichts der besseren Umfrageergebnisse im Euro-Raum nehmen Volkswirte die geringe Wahrscheinlichkeit, die sie einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) noch zuordneten, weiter zurück. "Die heutigen Daten stützen die Erwartung, daß die EZB Mitte 2006 eine erste Zinserhöhung vornimmt", sagte Lorenz Codogno von der Bank of America. Ifo-Präsident Sinn sagte dem Fernsehsender CNBC, die ökonomische Situation in Europa sei schlecht genug ist, um eine Zinssenkung zu rechtfertigen."
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,67 | −0,82% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2457 | −0,25% |
| Rohöl Brent Crude | 105,70 $ | −1,08% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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