Home
http://www.faz.net/-gqe-74vb0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 06.12.2012, 16:42 Uhr

Konjunktur Überraschend starkes Auftragsplus für die Industrie

Überraschende Nachrichten aus der Industrie: Zum Herbstbeginn hat sie bei den Bestellungen 3,9 Prozent Zuwachs verzeichnen können. Ökonomen sehen jedoch keine Trendwende.

© F.A.Z.

Die deutsche Industrie hat zum Herbstbeginn einen überraschend starken Auftragseingang verzeichnet. Im Vergleich zum schwachen Vormonat stiegen die Bestellungen im Oktober um 3,9 Prozent, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Volkswirte in Banken hatten nur mit einem kleinen Plus gerechnet. Sie wollten die neuen Zahlen aber noch nicht als Trendwende werten. Im September war der Auftragseingang noch um 2,4 Prozent zurückgegangen. Zunächst war ein noch stärkerer Rückgang gemeldet worden.

Der Umfang an Großaufträgen war nach Angaben des Ministeriums auch im Oktober unterdurchschnittlich. Verantwortlich für den hohen Anstieg waren Bestellungen von außerhalb der Eurozone (plus 8,5 Prozent). Bis zuletzt war der Export nach Amerika und Asien stark. Auch aus der Eurozone kamen mehr Aufträge (plus 3,5 Prozent), doch dies konnte den starken Rückgang im Vormonat (minus 8,3 Prozent) nicht ausgleichen. Das Wirtschaftsministerium kommentierte die neuen Zahlen zurückhaltend: „Das wirtschaftliche Umfeld bleibt schwach.“ Die Industrieproduktion werde sich in den nächsten Monaten verhalten entwickeln. Allerdings habe das Auftragsplus im Oktober die negative Tendenz abgemildert.

Ökonomen wollen die Daten nicht überbewerten

Auch die meisten Volkswirte wollten die neuen Auftragsdaten nicht überbewerten. Der Zuwachs sei zu einem beträchtlichen Teil einem starken Plus im Bereich „sonstige Fahrzeuge“ geschuldet, wozu Schiffe, Züge und Flugzeuge zählen, erklärte Ralph Solveen von der Commerzbank. „Von einer Wende bei den Aufträgen nach oben kann also noch keine Rede sein.“ Allerdings machten die Zahlen Hoffnung, dass sich die deutsche Wirtschaft nach einem Minus im vierten Quartal zum Jahresbeginn tatsächlich stabilisieren könnte.

Auch Alexander Koch, Deutschland-Chefvolkswirt der Unicredit, warnte vor verfrühtem Optimismus. „Bevor wir jetzt alle tanzen, sollten wir die neuen Auftragszahlen in Perspektive setzen: Sie sind keine fundamentale Wende, sondern eine technische Gegenreaktion oder Korrektur auf den immer noch schwachen September.“ Die heimische Nachfrage sei nur magere 0,4 Prozent gewachsen. Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex seien erst jüngst zum ersten Mal nach langer Talfahrt ein wenig gestiegen. Bis die Konjunktur drehe, dauere es üblicherweise mehrere Monate.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mehr als 7 Prozent Indiens Wirtschaft wächst schneller als Chinas

Unter den aufstrebenden Volkswirtschaften gibt es einen Wechsel: Mittlerweile wächst Indiens Wirtschaft schneller als die chinesische. Das merken auch deutsche Exporteure. Mehr

08.02.2016, 15:00 Uhr | Wirtschaft
Düsseldorf NRW rechnet nicht mit Rückgang der Flüchtlingszahlen

Die Zahl der nach Deutschland flüchtenden Menschen könnte 2016 so hoch bleiben wie im Vorjahr. Das sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger. Trotz der momentan sinkenden Flüchtlingszahlen könne er keine Trendwende erkennen. Mehr

26.01.2016, 17:16 Uhr | Politik
Marktbericht Achterbahnfahrt beim Dax endet moderat tiefer

Daimler-Aktien sind am Donnerstag als größter Dax-Verlierer aus dem Handel gegangen. Weder gute Quartalszahlen und ein optimistischer Ausblick noch ein hoher Dividendenvorschlag konnten die Anleger erfreuen. Mehr

04.02.2016, 15:35 Uhr | Wirtschaft
Erstmals seit 13 Jahren Umsatzrückgang bei Apple

Im laufenden Quartal muss der amerikanische Technologieriese Apple erstmals seit 13 Jahren einen Umsatzrückgang hinnehmen. Vor allem die schwache Konjunktur in China drückt auf das Geschäft. Mehr

27.01.2016, 07:47 Uhr | Wirtschaft
Staatsanleihen Japan überrascht mit Negativzins

In den Industrienationen sinken die Renditen von Staatsanleihen nach der Lockerung der japanischen Geldpolitik weiter. Hochrisikoanleihen sind weniger beliebt. Mehr Von Patrick Welter, Gerald Braunberger

29.01.2016, 19:27 Uhr | Finanzen

Deutsche Bank im Sturz

Von Holger Steltzner

Um das Ausmaß der Wertvernichtung der Deutschen Bank zu begreifen, muss man weit zurückgehen - bis in die achtziger Jahre. Die Boni-Banker haben sehr viel Geld verjubelt. Mehr 32 87


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages So sieht sogar Donald Trump arm aus

Donald Trump ist der Milliardär unter den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten. Vielleicht tritt nun aber jemand an, der sogar ihn schmächtig erscheinen lässt. Mehr 1