23.11.2004 · Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal von der Binnennachfrage leicht gezogen worden, während der Außenhandel im Saldo die Erholung stark bremste. Ein Lichtblick ist, daß die Unternehmen mehr investierten.
Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal von der Binnennachfrage leicht gezogen worden, während der Außenhandel im Saldo die wirtschaftliche Erholung stark bremste. Dabei legten die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen überraschend deutlich zu. Das geht aus den Detailangaben zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung hervor, die das Statistische Bundesamt am Dienstag veröffentlichte. Das Amt bestätigte zugleich seine erste Schätzung, nach der das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Juli bis September mit einem Zuwachs um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal faktisch stagnierte (Deutschland fällt in die Stagnation zurück). In den ersten beiden Quartalen war das BIP um je 0,4 Prozent gewachsen.
Die Angaben belegen, daß die deutsche Binnennachfrage den Verlust des außenwirtschaftlichen Schubs im dritten Quartal nicht ausgleichen konnte. Seit dem Schlußquartal 2003 hing das deutsche Wirtschaftswachstum am Außenhandel. Im dritten Quartal dieses Jahres aber fiel der Export von Waren und Dienstleistungen saisonbereinigt um 1,1 Prozent gegenüber der Vorzeit, nachdem er im ersten Halbjahr noch um 6,2 Prozent zugelegt hatte.
Spätfolgen der Euro-Aufwertung
Volkswirte machen für den Exporteinbruch die Spätfolgen der vergangenen Euro-Aufwertung verantwortlich, aber auch die als Folge des höheren Ölpreises nachlassende Weltkonjunktur. Zugleich stieg der Import beschleunigt um 4,3 Prozent, nach einem Zuwachs um 3,5 Prozent im ersten Halbjahr. Beide Entwicklungen führten dazu, daß der Außenbeitrag, also Export minus Import, das Wirtschaftswachstum mit 1,9 Prozent des BIP belastete. Es floß mehr Kaufkraft über den Import ins Ausland, als die Exporterlöse ausgleichen konnten.
Die Binnennachfrage in Deutschland war unverändert zu schwach, um diesem Entzug etwas entgegensetzen zu können. Als Lichtblick werteten Volkswirte, daß die Unternehmen ihre Nachfrage nach Investitionen deutlich erhöhten. Die Bruttoanlageinvestitionen wuchsen zum ersten Mal seit Jahresschluß 2003 und stiegen im dritten Quartal um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dahinter verbergen sich abermals sinkende Bauinvestitionen (minus 0,8 Prozent), aber ein kräftiges Plus der Ausrüstungsinvestitionen. Die Unternehmen fragten 4,1 Prozent mehr Ausrüstungen nach. Zugleich revidierten die Statistiker die Angaben für das zweite Quartal von Stagnation auf ein Plus von 0,9 Prozent.
Privater Konsum stagniert
Damit scheint die Schwäche der Ausrüstungsinvestitionen im Sommer überwunden. Volkswirte warnen aber, daß diese Erholung nicht dauerhaft sein muß. Sie verweisen für die weitere Entwicklung mit Besorgnis auf den im dritten Quartal stagnierenden Auftragseingang und den großen Lageraufbau. Diese statistische Restgröße ist sehr revisionsanfällig und dürfte noch geändert werden. Aufgrund des großen Lageraufbaus stieg die Binnennachfrage im dritten Quartal um 2,1 Prozent.
Im Gegensatz zur guten Entwicklung der Investitionen stagnierte der private Konsum, auf den mit knapp 60 Prozent der Löwenanteil des BIP entfällt. Seit Jahresende 2002 sinkt der Privatverbrauch in der saisonbereinigten realen Rechnung oder er stagniert wie im dritten Quartal. Das Arbeitnehmerentgelt fiel zuletzt saisonbereinigt um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Zugleich sparten die Deutschen mehr; die Sparquote stieg von 10,9 auf 11,1 Prozent. Die Erwerbstätigkeit erhöhte sich saisonbereinigt um 0,1 Prozent auf 38,345 Millionen. Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben um 0,6 Prozent und schob damit das Wachstum um 0,1 Prozentpunkte an.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,67 | −0,82% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2457 | −0,25% |
| Rohöl Brent Crude | 105,70 $ | −1,08% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?