08.03.2006 · Die Wirtschaft wird nach Ansicht des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung 2006 stärker wachsen als bislang erwartet, die Obergrenze der Neuverschuldung könnte unterschritten werden und der Arbeitsmarkt entwickle sich positiv.
Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) 2006 stärker wachsen als erwartet.
Das Essener RWI erhöhte am Mittwoch seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 1,8 von bisher 1,6 Prozent. Die wesentlichen Wachstumsimpulse kämen dabei vom Export und von den Investitionen, schrieben die Forscher. Dank der günstigeren Konjunktur dürfte auch der Fehlbetrag der öffentlichen Haushalte geringer ausfallen als angenommen. So könnte es bereits in diesem Jahr gelingen, die im europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt festgeschriebene Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) einzuhalten.
Wirtschafts- und Steuerpolitik bremst das Wachstum 2007
Für das kommende Jahr erwarten die RWI-Experten dann nur noch einen BIP-Zuwachs um 1,3 Prozent, wofür sie die Wirtschafts- und Steuerpolitik verantwortlich machen. Vor allem die Anhebung der Mehrwertsteuer und der Versicherungssteuer um drei Prozentpunkte auf 19 Prozent zu Beginn des kommenden Jahres bedeute ein Wachstumshemmnis. „Eine Konsolidierung hätte vor allem an der Ausgabenseite ansetzen müssen, die Regierung geht stattdessen den Weg des geringsten Widerstandes und erhöht die Steuern“, kritisierten die Ökonomen. Die Steuererhöhung sollte überdacht oder zumindest auf ein Maß beschränkt werden, bei dem die Abgabenlast insgesamt nicht steige.
Keine Belebung des Konsum
Eine Belebung des privaten Konsums, der 2005 stagnierte, war, erwartet das RWI nicht. In diesem Jahr könne er wegen im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung vorgezogener Ausgaben etwas höher ausfallen. Die Lohnstückkosten sollten in diesem Jahr um 0,6 Prozent sinken, im kommenden Jahr um 0,4 Prozent. Die Inflation sieht das RWI 2006 bei 1,7 Prozent, 2007 wegen der Steuererhöhung bei 2,3 Prozent.
Positives am Arbeitsmarkt
Positive Signale erwarten die Essener Forscher am Arbeitsmarkt. So werde die Zahl der Erwerbstätigen 2006 um 160.000 steigen, die Arbeitslosenquote auf 10,6 von 11,2 Prozent 2005 fallen. Für 2007 wird ein weiterer Anstieg der Erwerbstätigenzahl um 140.000 und eine Quote von 10,4 Prozent erwartet. Dabei dürfte der Stellenaufbau vor allem bei sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen stattfinden, während bei Mini- und Ein-Euro-Jobs keine nennenswerten Zuwächse zu erwarten seien.
Der Aufschwung der Weltwirtschaft wird sich dem RWI zufolge nur wenig verlangsamen, das Welt-Sozialprodukt 2006 um drei Prozent und 2007 um 2,8 Prozent wachsen. Daraus errechnet sich ein Wachstum von 7,7 beziehungsweise sieben Prozent für den Welthandel.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,67 | −0,82% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2457 | −0,25% |
| Rohöl Brent Crude | 105,70 $ | −1,08% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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