13.11.2008 · Die Finanzkrise schlägt nach Einschätzung der OECD auf die Konjunktur durch und lässt die Wirtschaft im Euroraum und den Vereinigten Staaten voraussichtlich bis zum dritten Quartal 2009 schrumpfen. Die OECD ruft daher zu Steuersenkungen auf.
Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ruft angesichts der schweren Konjunkturkrise zu Steuersenkungen auf, um die Wirtschaft zu beleben. Über Zinssenkungen hinaus seien zusätzliche makroökonomische Maßnahmen notwendig, heißt es in einem zwei Tage vor dem Weltfinanzgipfel in Washington veröffentlichten Ausblick auf die Konjunkturentwicklung in den Vereinigten Staaten, dem Euroraum und Japan. Der OECD-Raum sei in eine Rezession getreten, im kommenden Jahr werde die Wirtschaftsleistung in den 30 Mitgliedsstaaten um 0,3 Prozent sinken.
„In normalen Zeiten ist die Geldpolitik das bevorzugte Stabilisierungsinstrument“, erklärte OECD-Chefökonom Jorgen Elmeskov am Donnerstag in Paris. „Aber unter den gegenwärtigen extremen Bedingungen sind Steuererleichterungen eine wichtige kurzfristige Möglichkeit.“
Weithin steigende Arbeitslosigkeit
In zahlreichen Mitgliedsländern der OECD steige die Arbeitslosigkeit, heißt es in dem Ausblick. Für den Euroraum wird 2009 mit einem Abschwung von 0,5 Prozent gerechnet, Einzelprognosen für die 15 Staaten mit der europäischen Einheitswährung legt die OECD in der kommenden Woche vor.
In den Vereinigten Staaten wird die Konjunktur nach einem Wachstum von 1,4 Prozent in diesem Jahr um 0,9 Prozent schrumpfen. Auch Japan wird in die Rezession abgleiten, wenngleich der Abschwung dort mit 0,1 Prozent dort am Glimpflichsten ausfallen wird.
Sinkende Rohstoffpreise stützen die Kaufkraft
Aber es könnte noch schlimmer kommen, denn die Prognosen beruhen auf der Annahme, dass das Gröbste der Finanzmarktkrise bald überstanden sein wird. Eine Stabilisierung der Immobilienmärkte werde dagegen insbesondere in mehreren EU-Staaten noch auf sich warten lassen. Einziger Lichtblick für die Wirtschaften ist den OECD-Experten zufolge die steigende Kaufkraft dank stark sinkender Rohstoffpreise.
Bessere Aussichten für die Preisstabilität im Euroraum prognostiziert auch die Europäische Zentralbank (EZB). „Die Inflation dürfte in den kommenden Monaten weiter zurückgehen und im Verlauf des Jahres 2009 ein Niveau erreichen, das mit Preisstabilität im Einklang steht“, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht Oktober. Der EZB-Rat hatte seinen Leitzins bei der Sitzung am 6. November um 50 Basispunkte gesenkt, nachdem bereits zuvor am 8. Oktober im Rahmen einer international konzertierten Aktion eine Zinssenkung um den gleichen Betrag erfolgt war.
Die EZB begründet ihre relativ entspannte Sicht der Inflationsrisiken damit, dass die Verschärfung und Ausweitung der Finanzmarktturbulenzen die Nachfrage weltweit und im Euroraum für einen recht langen Zeitraum dämpfen dürften. „In diesem Umfeld sollten sich Preis-, Kosten- und Lohndruck im Eurogebiet angesichts des in den vergangenen Monaten beobachteten starken Rückgangs der Rohstoffpreise ebenfalls verringern“, heißt es.
EZB erwartet zunehmende Spannungen in der Realwirtschaft
Die Unsicherheit infolge der Finanzmarktentwicklung bleibt laut EZB äußerst hoch, und in Zukunft seien außergewöhnliche Herausforderungen zu bewältigen. „Wir erwarten vom Bankensektor, dass er seinen Beitrag zur Wiederherstellung des Vertrauens leistet“, betont die Notenbank. Der EZB-Rat werde in nächster Zeit alle Entwicklungen sehr genau verfolgen. Hinsichtlich der Konjunkturaussichten spricht die EZB von einem außergewöhnlich hohen Maß an Unsicherheit, die zum großen Teil von der Verschärfung und Ausweitung der Finanzmarktunruhen herrühre. Die negativen Auswirkungen machten sich in der gesamten Weltwirtschaft bemerkbar; die Spannungen griffen zunehmend vom Finanzsektor auf die Realwirtschaft und von den fortgeschrittenen Volkswirtschaften auf die Schwellenländer über.
Im Hinblick auf den Euroraum, dessen Konjunktur sich wegen einer gedämpften Inlands- und Auslandsnachfrage erheblich abgeschwächt habe, werde es darauf ankommen, solide Grundlagen für eine Erholung zu schaffen. „Damit dies schnellstmöglich geschehen kann, ist es von größter Bedeutung, Disziplin zu wahren, eine mittelfristige Ausrichtung der gesamtwirtschaftlichen Politiken beizubehalten und Zweitrundeneffekte zu vermeiden“, erklärt die EZB.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,67 | −0,82% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2457 | −0,25% |
| Rohöl Brent Crude | 105,70 $ | −1,08% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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