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Konjunktur OECD senkt Wachstumsprognose für Deutschland

02.09.2008 ·  Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung rechnet für 2008 nur noch mit 1,5 Prozent Wachstum. Auch für Frankreich und Italien senkte die OECD die Prognosen. Ganz anders für Amerika.

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Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr arbeitstäglich bereinigt nur noch um 1,5 Prozent zulegen, hieß es in der am Dienstag veröffentlichten Prognose. Noch im Juni hatte die OECD mit 1,9 Prozent gerechnet. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) bekräftigte dagegen im Reuters-Interview die Regierungsprognose von unbereinigt 1,7 Prozent („Es gibt auch unter Ökonomen einen Herdentrieb“).

Im Vergleich zu den beiden anderen großen Volkswirtschaften des Euro-Raums steht Deutschland noch gut da. Für Frankreich senkte die OECD ihre Vorhersage von 1,8 auf 1,0 Prozent, für Italien von 0,5 auf 0,1 Prozent (Luxusartikel helfen, das teure Öl belastet). Für den gesamten Euro-Raum geht die OECD nur noch von 1,7 (bisher: 1,3) Prozent aus. „Die Finanzkrise, der Abschwung am Immobilienmarkt und die hohen Rohstoffpreise belasten das globale Wachstum weiter“, hieß es zur Begründung. Dagegen dürfte sich die amerikanische Konjunktur besser als erwartet entwickeln: Für die weltgrößte Volkswirtschaft wurde die Prognose von 1,2 auf 1,8 Prozent heraufgesetzt.

Steuergeschenke und Senkung des Dollarkurses haben dagegen die amerikanische Wirtschaft im Frühjahr kräftig auf Trab gebracht. Statt einer Rezession gab es im zweiten Quartal einen Wachstumsschub von 3,3 Prozent (Jahresrate). Doch die OECD bezweifelt, dass das andauert. Wie in Deutschland könnte jetzt in den Vereinigten Staaten ein Rückschlag kommen, heißt es. Im vierten Quartal werde die Wirtschaft nur noch mit einer Rate von 0,7 Prozent expandieren. Doch sei unsicher, wie das Konjunkturpaket weiter wirke.

Deutschland tritt auf der Stelle

Die deutsche Wirtschaft tritt der OECD zufolge bis Jahresende auf der Stelle. Das Bruttoinlandsprodukt werde im laufenden dritten Quartal stagnieren und auch im Schlussquartal kaum zulegen. Im Frühjahr war die Wirtschaft um 0,5 Prozent und damit zum ersten Mal seit knapp vier Jahren geschrumpft. Alle wichtigen Indikatoren haben sich seither weiter abgeschwächt: das Ifo-Geschäftsklima der Unternehmen, das GfK-Konsumklima der Verbraucher und der ZEW-Indikator der Finanzmarktexperten befinden sich jeweils auf dem niedrigsten Stand seit Jahren.

Finanzminister Steinbrück rechnet aber nicht mit einer Rezession und sieht Chancen für eine Erholung, sobald die Finanzkrise überwunden ist. „Die Wirtschaft ist deutlich besser aufgestellt als vor fünf Jahren - und die augenblicklichen Schwierigkeiten meistern wir erkennbar besser als damals und besser als andere Partner.“ Die Inflation und das schwache Wachstum seien zwar nicht erfreulich: „Aber wir haben bisher keine negativen Effekte auf dem Arbeitsmarkt, was ganz wichtig ist.“

Schwächerer Euro sorgt für Auftrieb

Etwas Rückenwind für die Wirtschaft der Euro-Länder verspricht der schwächere Euro. Dadurch stiegen die Absatzchancen in Übersee, sagte OECD-Chefvolkswirt Jorgen Elmeskov. Allerdings habe die Euro-Abwertung auch ihre Schattenseite, da damit die Importe von Rohstoffen teurer würden. „Es ist eine gute Nachricht für das Wachstum, aber eine schlechte für die Inflation“, sagte Elmeskov angesichts der jüngsten Kursentwicklung, die den Euro von seinem Rekordhoch von 1,60 auf aktuell 1,45 Dollar gedrückt hat.

Für den Euro-Raum gebe es mehr Inflationssorgen als für die Vereinigten Staaten: Der Trend zeige in Europa nach oben. Doch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bezeichnete der OECD-Chefvolkswirt als „angemessen“. Wegen der Rekordinflation hatten die Währungshüter ihren Leitzins im Juni von 4,0 auf 4,25 Prozent angehoben. Dabei dürften sie ihn nach Einschätzung der meisten Analysten bei ihrer Ratssitzung an diesem Donnerstag sowie für den Rest des Jahres belassen. Angesichts der trüben Konjunkturaussichten wird derzeit aber damit gerechnet, dass die EZB ihren Leitzins im kommenden Jahr senkt.

Bei niedrigeren Zinsen wird es für Banken billiger, sich bei der Notenbank mit frischem Geld einzudecken. Dadurch sinken auch die Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher, was Investitionen und Konsum ankurbeln, aber auch den Inflationsdruck erhöhen kann.

Auf dem amerikanischen Immobilienmarkt sieht die OECD Licht am Ende des Tunnels, doch in Europa greife die Krise von Großbritannien bis Spanien um sich. Trotz der andauernden Kreditknappheit und der Krise an den Finanzmärkten sieht die OECD aber nicht alles schwarz. „Die schlechten Nachrichten können gute grundlegende Fakten verbergen“, sagte Elmeskov.

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