01.07.2010 · Die Branche verbucht abermals ein deutliches Auftragsplus, aber das Vorkrisenniveau ist noch nicht wieder erreicht. Von Februar an hat das Auftragsvolumen stetig zugenommen.
Die Aufholjagd der deutschen Maschinen- und Anlagebauer geht weiter. Im Mai verzeichneten die Unternehmen der Branche einen um 61 Prozent gewachsenen Auftragseingang gegenüber dem Vorjahresmonat. Das teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Donnerstag in Frankfurt mit. Im Inlandsgeschäft gab es ein Plus von 50 Prozent, die Nachfrage aus dem Ausland kletterte sogar um 68 Prozent. Das Rekordplus führt der Verband darauf zurück, dass im Mai des vergangenen Jahres „der absolute Tiefpunkt“ bei den Auftragseingängen lag.
Dennoch sieht der Verband einen stabilen und vor wenigen Monaten noch nicht erwarteten Aufwärtstrend für die in weiten Teilen exportorientierte Branche. „Die Order-Kurve des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus zeigt weiter stetig bergauf. Die Wachstumsdynamik ist nach wie vor ungebrochen“, sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.
Vorkrisenniveau noch nicht erreicht
Das Vorkrisenniveau sei mit dem neuerlichen Anstieg der Bestellungen aber noch nicht erreicht, sagte der VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. Man habe fast das Niveau der Aufschwungjahre 2005/06 erreicht, verfüge aber inzwischen über erweiterte Kapazitäten. Die Produktion ist nach seiner Einschätzung derzeit zu etwas mehr als 80 Prozent ausgelastet, anzustreben seien 84 bis 86 Prozent.
Wegen der positiven Entwicklung will der Verband in den kommenden Tagen seine Produktionsprognose überprüfen. Die recht wacklige Vorhersage eines Nullwachstums gegenüber 2009 sei inzwischen eine sehr konservative Prognose, sagte Wortmann. Im ersten Quartal hatte die Produktion noch 7,0 Prozent unter dem Wert aus 2009 gelegen, der Umsatz lag noch 8,7 Prozent zurück. Die Entwicklung der Ordereingänge schlägt mit etwa einem halben Jahr Verzögerung auf Umsatz und Produktion durch.
Begünstigt wird das Geschäft der Maschinen- und Anlagenbauer unter anderem durch den abgewerteten Euro, der Exporte verbilligt. Schwierigkeiten haben viele Unternehmen hingegen bei der Finanzierung ihrer Projekte, klagte der VDMA in Richtung der Banken.
Asien und Südamerika als treibende Kräfte
Vor allem haben nach Angaben Wortmanns die Bestellungen aus Asien und Südamerika zugenommen. Aber auch die Märkte in den USA und Australien zögen wieder an. Die europäische Nachfrage bleibe verhalten, einzig Russland falle als starker Kunde auf. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich von März bis Mai verzeichnete der Maschinenbau ein Bestellplus von 37 Prozent. Die Nachfrage aus In- und Ausland lag hier mit Zuwächsen von jeweils 37 Prozent im Gleichklang.
Das Auftragsvolumen im Maschinenbau werde auch in den kommenden Monaten weiter wachsen, „allerdings nicht in dem Tempo wie bisher“, sagte Wortmann. Die Branche hatte im vergangenen Jahr deutlich unter der Wirtschaftskrise gelitten. Von Oktober 2008 bis November 2009 lagen die Auftragseingänge
durchgängig im Minus. Seit Dezember 2009 steigt das Auftragsvolumen - mit einem leichten Einbruch im Januar dieses Jahres - stetig.
Neuer Präsident wird erwartet
Im Verband zeichnet sich zudem die turnusgemäße Wachablösung an der Spitze ab. Neuer Präsident wird voraussichtlich der Chef des Nadelherstellers Groz-Beckert, Thomas Lindner. Der Unternehmer aus dem baden-württembergischen Albstadt kandidiere bei der Mitgliederversammlung des Verbandes am 8. Oktober in München, teilte der Verband mit. Amtsinhaber Manfred Wittenstein darf sich nach drei Jahren Amtszeit laut Satzung nicht erneut bewerben. Lindner ist bislang Vizepräsident.
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Frank Geiser (geiser123)
- 02.07.2010, 06:03 Uhr
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