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Konjunktur Leichte Konjunkturbeschleunigung in Deutschland

12.08.2004 ·  Die Wirtschaft in Deutschland ist von April bis Juni ein wenig schneller gewachsen als zuvor. Der Export stützt die wirtschaftliche Erholung, die Binnenwirtschaft lahmt. Frankreich zeigt, wie es anders geht.

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Die Wirtschaft in Deutschland ist von April bis Juni ein wenig schneller gewachsen als zuvor. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhöhte sich in preis- und saisonbereinigter Rechnung im zweiten Quartal um 0,5 Prozent gegenüber dem ersten Vierteljahr, in dem es um 0,4 Prozent zugelegt hatte. Das hat das deutsche Statistische Bundesamt am Donnerstag mitgeteilt.

Im Vergleich zum zweiten Quartal 2003 wuchs die Wirtschaftsleistung um 2 Prozent. Im längerfristigen Vergleich war das Wachstum so stark wie seit Jahresbeginn 2001 nicht mehr. Doch arbeiteten die Deutschen von April bis Juni einen Arbeitstag mehr als im Vorjahreszeitraum. Ohne die Mehrarbeit wäre das BIP nur um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen, teilte das Bundesamt mit.

Binnenwirtschaft stagniert

Den Angaben zufolge hat der Exportschub auch im zweiten Vierteljahr nicht auf die Binnenwirtschaft übergegriffen. Die inländische Nachfrage stagnierte nahezu, nachdem sie im ersten Quartal um 0,4 Prozent geschrumpft war. Dagegen legte der Export abermals deutlich stärker zu als der Import.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erklärte, Deutschland profitiere von seiner internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Zusammen mit den Reformen der Bundesregierung legten die außenwirtschaftlichen Impulse die Grundlage für einen sich selbst verstärkenden Aufschwung.

Ifo: Spätphase des weltwirtschaftlichen Aufschwungs

Für die weitere Entwicklung ist nach Ansicht von Bankvolkswirten entscheidend, ob und wie stark der außenwirtschaftliche Schub andauert. Das Weltwirtschaftsklima des Münchener Ifo-Instituts für das dritte Quartal zeigte am Donnerstag eine leichte Abkühlung an. Die von Ifo befragten 1180 internationalen Fachleute schätzten die aktuelle Lage besser ein als zuvor, nahmen ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate aber zurück. "Diese Konstellation ist typisch für die Spätphase eines Aufschwungs", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Doch betont das Institut, daß die Abkühlung von Asien und Amerika ausginge. In Westeuropa, das der Weltwirtschaft hinterherhinkt, stieg der Klimaindikator hingegen leicht an.

Viele Volkswirte erwarten dennoch, daß die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten leicht schwächer wachsen wird als im ersten Halbjahr. Die sich leicht abkühlende Weltwirtschaft und auch der gestiegene Ölpreis forderten ihren Tribut. Nach Ansicht von Jörg Krämer, dem Chefvolkswirt der Anlagegesellschaft Invesco, schwächt sich die Belebung bereits wieder ab, noch bevor die Menschen den Aufschwung richtig zu fühlen begonnen hätten. Das Wachstum im zweiten Quartal war zu schwach, um eine Wende am Arbeitsmarkt auszulösen. Die Wirtschaftsleistung wurde im zweiten Quartal von 38,2 Millionen Erwerbstätigen erbracht; das waren 112 000 Personen oder 0,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Frankreich hält hohes Wachstumstempo aufrecht

Im Euro-Raum könnte sich das Wachstum nach Einschätzung von Analysten im zweiten Quartal ein wenig verlangsamt haben. Frankreich hält zwar das hohe Wachstumstempo aufrecht. Das Statistikinstitut Insee meldete am Donnerstag, die Wirtschaft sei von April bis Juni zwischen 0,8 und 0,9 Prozent gewachsen; im ersten Quartal hatte das BIP um 0,8 Prozent zugelegt. Die Niederlande meldeten dagegen für das zweite Quartal eine Schrumpfung um 0,2 Prozent, nach einem Plus von 0,6 Prozent zu Jahresbeginn. In Italien war das BIP um 0,3 Prozent gewachsen, nach 0,4 Prozent im ersten Quartal. Das EU-Statistikamt wird eine Schätzung für das Euro-Wachstum an diesem Freitag vorlegen; im ersten Quartal wuchs das BIP um 0,6 Prozent. Detaillierte Angaben zur deutschen Entwicklung wird das Statistische Bundesamt am 24. August mitteilen.

Quelle: pwe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2004, Nr. 187 / Seite 13
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