13.02.2007 · Die Wirtschaftsleistung in den großen Staaten des Euro-Raums legte am Jahresende 2006 unerwartet stark zu. In Deutschland wuchs das Bruttoinlandsprodukt nach neuen Daten im Gesamtjahr sogar um 2,7 Prozent.
Die Konjunktur im Euro-Raum hat zum Jahresende 2006 entgegen mancher Vorhersagen einen kräftigen Schub erhalten. In den vier größten Euro-Staaten, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, beschleunigte sich nach ersten Schätzungen der Statistiker das Wirtschaftswachstum im Zeitraum von Oktober bis Dezember. Für Deutschland meldete das Statistische Bundesamt vorläufig einen Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das ist fast doppelt so hoch, wie es das Amt bisher vermutet hatte.
Aufgrund des unerwartet starken Zuwachses setzten die Statistiker die Wachstumsrate des preisbereinigten BIP für das Gesamtjahr 2006 von zuvor geschätzten 2,5 auf 2,7 Prozent herauf. Stärker wuchs die deutsche Wirtschaft zuletzt im Jahr 2000. Zu der Revision trug auch bei, dass die Wirtschaft im Sommerhalbjahr 2006 stärker zulegte als bisher berechnet.
Auch in anderen großen Euro-Staaten fiel das Wachstum im letzten Vierteljahr 2006 stärker aus als erwartet. Für die französische Wirtschaft, die im dritten Quartal stagniert hatte, schätzte das Statistikamt Insee am Dienstag einen Quartalszuwachs von 0,6 bis 0,7 Prozent. In Italien , nach Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum, wurde sogar ein Plus von 1,1 Prozent genannt, nach 0,3 Prozent im dritten Vierteljahr. Damit wäre die italienische so schnell wie die spanische Wirtschaft gewachsen.
Euro-Wirtschaft wuchs 2006 doppelt so stark wie zuvor
Für den gesamten Euro-Raum meldete das statistische Amt der EU vorläufig eine Quartalswachstumsrate von 0,9 Prozent, fast doppelt so hoch wie von Analysten erwartet. Im Gesamtjahr 2006 ist die Euro-Wirtschaft damit um 2,7 Prozent gewachsen, fast doppelt so schnell wie im Vorjahr. Nach einer aktuellen Projektion der Europäischen Kommission soll das Wachstum im Euro-Raum sich bis zum Sommer nur leicht abschwächen. Die Industrieproduktion im Euro-Raum wuchs im Dezember deutlich beschleunigt um 1 Prozent gegenüber dem Vormonat, was den konjunkturellen Schwung bestätigt.
In Folge der guten Wachstumsdaten stieg der Euro-Kurs an den Devisenmärkten wieder über 1,30 Dollar je Euro. Die Geldhändler fühlten sich sicherer, dass die Europäische Zentralbank den Leitzins bis Juni von 3,5 auf dann 4 Prozent anheben werde.
„Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist hervorragend aufgestellt“, kommentierte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die deutschen Wachstumsdaten.
Außenhandel in Deutschland stärker als die Binnennachfrage
Nach den Einschätzungen der deutschen Statistiker trug der „extrem dynamische Außenhandel“ zum Jahresende 2006 den „deutlich größeren“ Anteil als die inländischen Impulse zum Wirtschaftswachstum bei. Das Amt sprach von steigenden Investitionen und „erhöhten“ privaten Konsumausgaben. Bankvolkswirte entnehmen der vorsichtigen Wortwahl und den vorliegenden Daten über den Einzelhandelsumsatz, dass vorgezogene Käufe vor der Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar das Wachstum weniger gestützt haben als zuvor angenommen. Das Plus des privaten Konsums sei gemessen an den Erwartungen wohl eher bescheiden ausgefallen, hieß es bei der Deka-Bank.
Die Investitionen wurden im Baugewerbe durch den milden Winter gestützt. Der Export erwies sich zum Jahresschluss wohl abermals als Wachstumsmotor: Dem Wert nach stieg die Warenausfuhr im vierten Quartal beschleunigt um 5,9 Prozent, die Wareneinfuhr nur um 0,8 Prozent.
Die Wirtschaftsleistung in Deutschland wurde im vierten Quartal von 39,7 Millionen Erwerbstätigen erbracht, teilte das Amt mit. Das waren 452.000 oder 1,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gegenüber dem Jahresschluss 2005 lag das reale BIP 3,5 Prozent oder 3,7 Prozent höher, wenn man berücksichtigt, dass ein Arbeitstag weniger zur Verfügung stand.
Wachstumsprognosen dürften erhöht werden
Mit der Wachstumsbeschleunigung ging die Wirtschaft mit mehr Schwung in das kommende Jahr. Der statistische Überhang liegt nach den aktuellen Daten mit 1,3 Prozent 0,3 Prozentpunkte höher als zuvor bekannt. Erste Banken setzten am Dienstag ihre Prognosen entsprechend um 0,3 Prozentpunkte herauf. Die Prognosen, die im Mittelwert bisher bei knapp 1,6 Prozent lagen, dürften nun allgemein um 0,3 Prozentpunkte steigen.
Manche Volkswirte warnte am Dienstag indes davor, dass mit dem starken, außenwirtwaftsgetriebenem Wachstum zum Jahresschluss 2006 die Gefahr bestehe, dass das erste Quartal 2007 schlechter ausfallen könne als zuvor vermutet. Unklar ist auch, wie sehr der private Konsum sich zum Jahresbeginn unter der höheren Mehrwertsteuer entwickelt. Die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg hatte unlängst erklärt, dass der Konsum sich besser als vor einem Jahr entwickelt habe und dass die Belastung durch die Mehrwertsteuer wohl überschätzt worden sei.
Finanzmarktanalysten und Investoren sind nach dem am Dienstag veröffentlichen ZEW-Indikator der Konjunkturerwartungen aber zuversichtlich, dass die Wirtschaft nach einer Abschwächung im ersten Halbjahr wieder Fahrt aufnehmen werde. Der Indikator stieg deutlich von minus 3,6 auf plus 2,9 Punkte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,40 | −0,77% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2452 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 105,74 $ | −1,04% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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