27.07.2004 · Die Unternehmen blicken im Juli optimistischer in die konjunkturelle Zukunft. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung steigt. Die Bundesbank ist verhalten zuversichtlich.
Die Unternehmen in der gewerblichen Wirtschaft Deutschlands blicken im Juli optimistischer in die konjunkturelle Zukunft. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München stieg von 94,6 auf 95,6 Punkte und liegt damit wieder über seinem langfristigen Mittelwert. Im Mai und Juni war der Index gesunken und hatte Sorgen ausgelöst, daß die Konjunkturerholung ihr Ende finden könnte. Dieser Befürchtung ist nun vorerst der Boden entzogen.
Bundesbankpräsident Axel Weber sprach am Montag abend in Frankfurt von einem "deutlichen Anstieg der Wirtschaftsdynamik". Die Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal um etwa 0,5 Prozentpunkte - oder auf ein Jahr gerechnet um 2 Prozent - gewachsen sein; das wäre leicht mehr als das überraschend starke Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent im ersten Vierteljahr. "Es gilt, verhalten optimistisch zu sein", sagte Weber. Einen Durchbruch in der Binnennachfrage gebe es aber noch nicht. Der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Wiegard, sagte, dank der Ausfuhr dürfte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr so stark wachsen wie seit fünf Jahren nicht mehr. "Es ist ziemlich sicher, daß die Wirtschaft um 1,8 Prozent zulegen wird", sagte Wiegard. Im kommenden Jahr seien 2 Prozent erreichbar. Im Jahr 2000 war die Wirtschaft um 2,9 Prozent gewachsen und 2003 um 0,1 Prozent geschrumpft.
Analysten begründeten die Verbesserung des Geschäftsklimas unter anderem mit größerer Zuversicht der Unternehmen in die Reformdebatte. Angesichts der Tarifvereinbarungen bei Siemens und Daimler-Chrysler und angesichts der Debatte um eine generell längere Arbeitszeit kämen die Strukturreformen voran. Weber sagte dazu, längere Arbeitszeiten seien kein Allheilmittel, könnten aber für einige Unternehmen eine Lösung sein. Wichtig sei, Betriebsvereinbarungen und Öffnungsklauseln zu ermöglichen.
Breites Fundament
Die Analysten werteten positiv, daß die vom Ifo-Institut befragten rund 7000 Unternehmen sowohl die aktuelle Lage als auch die künftige Entwicklung besser einschätzten als zuvor. Die Beurteilung der Lage stieg von 93,2 auf 94,1 Punkte. Der Teilindikator für die Erwartungen stieg zum ersten Mal in diesem Jahr von 96 auf 97,1 Punkte wieder an, nachdem die Unternehmen seit Januar ausgesprochen optimistische Zukunftshoffnungen zurückgenommen hatten. Nach Angaben des Ifo-Instituts verbesserte sich das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe, im Einzelhandel und vor allem im Großhandel. Nur im Baugewerbe fiel die Stimmung abermals. Sowohl in West- wie in Ostdeutschland waren die Unternehmen zuversichtlicher gestimmt. Das breite Fundament des verbesserten Geschäftsklimas stützt die Einschätzung von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, daß der Indikator eine Fortdauer der konjunkturellen Aufwärtsentwicklung im zweiten Halbjahr anzeige.
Die wirtschaftliche Erholung ist bislang weitgehend von der Ausfuhr getrieben. Nach Auskunft von Ifo-Volkswirt Gernot Nerb erreichten die Exporterwartungen im Juli einen Jahreshöchststand. Selbst wenn sich die Weltwirtschaft etwas beruhigen sollte, stünde das nicht im Gegensatz zu einer konjunkturellen Erholung in Europa. Doch sieht das Ifo-Institut laut Nerb auch erste Anzeichen für ein Anziehen der Investitionstätigkeit, was die Binnenkonjunktur beleben könnte. Bundesbankpräsident Weber sagte, die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung habe ein wenig angezogen.
Auch in Italien verbesserte sich das Geschäftsklima im Juli. Der Index stieg von 92,5 auf 95 Punkte, teilte das staatliche Forschungsinstitut Isae mit.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,40 | −0,77% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2452 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 105,74 $ | −1,04% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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