27.12.2006 · Die deutschen Industrieunternehmen sehen ihre Lage so positiv wie schon seit 15 Jahren nicht mehr. Der Aufschwung soll sich 2007 fortsetzen. Erstmals seit 2001 würden dabei im neuen Jahr wieder neue Stellen in nennenswertem Umfang entstehen.
Die deutschen Industrieunternehmen bewerten ihre Lage so gut wie seit 15 Jahren nicht mehr. Auch im kommenden Jahr wird das verarbeitende Gewerbe nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) überproportional weiter wachsen und die Folgen der Mehrwertsteuererhöhung bis zum Sommer ausgleichen, so daß die Gesamtwirtschaft dann wieder Anschluß an das starke Wachstum dieses Jahres finden könne. Erstmals seit 2001 würden dabei im Jahr 2007 wieder neue Stellen in nennenswertem Umfang entstehen. „Wir rechnen mit einem Aufbau von bis zu 30.000 neuen Stellen“, sagte der DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Bei sechs Millionen Beschäftigten im Industriesektor entspricht dieser Wert einer erwarteten Zunahme um etwa 0,5 Prozent.“
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) machte zugleich deutlich, daß er seine Wachstumsprognose von 1,5 Prozent erhöhen werde. „Die Stimmung ist so gut wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr“, schrieb der CSU-Politiker in der „Bild am Sonntag“. Der DIHK stellte fest, nach einem langen Schrumpfungsprozeß seien die Perspektiven der Industrie nunmehr vielversprechend. „Die Geschäftslagebewertung erreicht Ende 2006 ihren höchsten Stand seit 1991, so daß die Industrieunternehmen sehr optimistisch in das kommende Jahr blicken“, resümierte Nitschke die Befragung, an der im Dezember 9300 Unternehmen teilnahmen. Doch trübten Unwägbarkeiten über Reformen am Arbeitsmarkt und im Steuersystem die Erwartungen. „Hier besteht für die Politik noch Potential zur Kräftigung des Aufschwungs.“
Vorübergehenden Wachstumsdelle Anfang 2007
Die Mehrwertsteuererhöhung werde vor allem den Handel und das Tourismusgewerbe spürbar belasten, prognostizierte er. „Infolge der robusten Industriekonjunktur dürfte es aber allenfalls zu einer vorübergehenden Wachstumsdelle Anfang 2007 kommen.“Auf dem Arbeitsmarkt habe die Industrie in diesem Jahr den langjährigen Abwärtstrend gestoppt. Die Erholung werde sich „weiter fortsetzen und im Jahr 2007 - erstmals seit 2001 - zu einem spürbaren Beschäftigungsaufbau in der Industrie führen“. Die Umfrage belege, daß der oft mit großer Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit registrierte Verlust von Arbeitsplätzen in einigen Großunternehmen „inzwischen von einem umfangreichen und zunehmenden Stellenaufbau in vielen mittelständischen Unternehmen mehr als ausgeglichen“ werde.
Nachdem die Industrie ihre Produktion zuletzt um etwa 5 Prozent ausgeweitet haben dürfte, erwartet der DIHK für das kommende Jahr eine Abschwächung des Wachstums auf 3 Prozent. Motor bleibe das gutlaufende Ausfuhrgeschäft, vor allem in der Investitionsgüterbranche. Die reduzierte Prognose für 2007 spiegelt die auf dem erreichten hohen Niveau leicht eingetrübten Geschäftserwartungen. Doch rechnen noch 28 (Frühsommer: 35) Prozent der Betriebe mit einer besseren, 59 (55) Prozent mit gleichbleibenden Geschäftschancen. Auf eine Verschlechterung stellen sich 13 (10) Prozent ein.
Spürbare Investitionszunahme im neuen Jahr
Die starke Position im Ausfuhrgeschäft begründet Nitschke unter anderem mit der moderaten Lohnkostenentwicklung der vergangenen Jahre. Merklich zugenommen hätten die Investitionsvorhaben. Diese lägen auf dem höchsten Niveau seit 2001. Im neuen Jahr sei auch im Inland mit einer spürbaren Investitionszunahme zu rechnen. Das betreffe die Hersteller von Vorleistungsgütern, aber auch die chemische Industrie. Vor allem im Maschinenbau und in der Metallverarbeitung werde es nach Jahren der Zurückhaltung erstmals wieder zu umfangreichen Kapazitätserweiterungen kommen.
Im Branchenvergleich wiesen die Medizin-, Meß-, Steuer- und Regelungstechnik, die Elektrotechnik und der Maschinenbau die besten Geschäftsaussichten auf. In keiner Industriebranche seien die Geschäftserwartungen im Saldo schlechter als im Herbst 2005 ausgefallen. Die allgemein verbesserte Stimmung in der Industrie werde auch dadurch deutlich, daß die Pharmaindustrie trotz zum Vorjahr kaum veränderter positiver Geschäftserwartungen statt Platz 1 nur noch Rang 11 unter 17 Branchen einnehme.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,40 | −0,77% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2452 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 105,74 $ | −1,04% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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