Home
http://www.faz.net/-gqf-14m1q
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Konjunktur Industrie treibt den Aufschwung wieder an

06.12.2009 ·  Die deutsche Industrie wird 2010 mit einem Produktionszuwachs von 5 Prozent wieder Zugpferd des Aufschwungs sein. Dennoch stehen nochmals 300.000 Jobs auf der Kippe. Zu diesem Schluss kommt der DIHK in einer der F.A.Z. vorliegenden Auswertung seiner jüngsten Industrieumfrage.

Von Andreas Mihm
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Mit einem Zuwachs von 5 Prozent wird die Industrieproduktion im nächsten Jahr dreimal stärker wachsen, als es Wirtschaftsexperten derzeit der gesamten Volkswirtschaft zutrauen. Zu dem Schluss kommt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in einer der F.A.Z. vorliegenden Auswertung seiner jüngsten bundesweiten Industrieumfrage. Allerdings sei die durch die Wirtschaftskrise entstandene Wachstumsdelle noch lange nicht ausgeglichen. „Im Jahr 2010 dürfte die Industrie ein gutes Drittel des Rückgangs wettmachen“, erwartet DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Zwar sei die Industrie erstmals seit 2008 wieder der zuversichtlichste Wirtschaftszweig. „Die Krise ist für die Produzenten damit jedoch bei weitem noch nicht ausgestanden“, heißt es in dem Report. Die Zahl der Industriebeschäftigten werde 2010 um 300.000 abnehmen, wenn auch nicht so stark wie unlängst noch befürchtet.

Energieversorger, Pharmahersteller und Ernährungswirtschaft optimistisch

Nach Branchen differenziert, bewerten Energieversorger, Pharmahersteller und die Ernährungswirtschaft ihre Geschäftslage positiv, besonders miserabel fällt sie bei Metallverarbeitern, Maschinen- und Kraftfahrzeugherstellern aus. Die Abwrackprämie habe die deutsche Kraftfahrzeugproduktion kaum erhöht. Im Vergleich der Erwartungen für die kommenden Monate herrsche in der Chemie besondere Zuversicht, bei Maschinenbauern und im Druckgewerbe überwögen die negativen Einschätzungen.

Die Industrie habe wichtige Schritte aus dem Konjunkturtal gemacht, sagte Wansleben der F.A.Z. Auch für die kommenden Monate sähen sich die Unternehmen auf einem guten Weg. Angesichts deutlich verbesserter Geschäftserwartungen rechne der DIHK mit einem Zuwachs der Industrieproduktion im kommenden Jahr von 5 Prozent. Um einen Abbau der Kapazitäten kämen viele Industrieunternehmen allerdings dennoch nicht herum, denn die Folgen der Krise seien noch nicht überwunden.

Heftige Arbeitsplatzverluste, jedoch weniger als erwartet

Ein Indiz dafür seien die „nach wie vor sehr negativen Beschäftigungsabsichten der Großunternehmen, insbesondere im exportstarken Süden Deutschlands“. Der DIHK gehe deshalb davon aus, dass im Jahr 2010 im Produzierenden Gewerbe 300.000 Arbeitsplätze verlorengingen. „Zusammen mit den Arbeitsplatzverlusten des laufenden Jahres hätte die Krise damit mehr als eine halbe Million Arbeitsplätze in der deutschen Industrie gekostet.“ Betroffen seien vor allem Beschäftigte im Kraftfahrzeug- und im Maschinenbau sowie in der Metallindustrie.

Gemessen an den heftigen Produktionseinbrüchen fielen diese Arbeitsplatzverluste aber immer noch geringer aus als zwischenzeitlich prognostiziert worden sei. Gerade die mittelständischen Industriebetriebe hielten so lange wie möglich an ihrer Stammbelegschaft fest, denn sie hätten im zurückliegenden Aufschwung besonders große Probleme gehabt, geeignete Fachkräfte zu finden. Zudem versuchten die Industrieunternehmen durch Investitionen in neue Produkte und verbesserte Prozesse den Ausweg aus der Krise zu beschleunigen. „Eine wichtige Ursache für die insgesamt nicht ganz so dramatischen Beschäftigungsrückgänge ist die moderate Arbeitskostenentwicklung der vergangenen Jahre“, fügte Wansleben hinzu. Sie habe Kostennachteile gegenüber dem Ausland reduziert.

Exporterwartungen sind aufwärts gerichtet

Gerade das Ausland trage zu der Verbesserung der Erwartungen erheblich bei. Die Exporterwartungen seien allgemein aufwärts gerichtet. Doch hielten sich die Unternehmen angesichts unausgelasteter Kapazitäten mit Investitionen zurück. Lediglich 16 Prozent der Betriebe hätten angegeben, ihre Investitionen ausweiten zu wollen, 41 Prozent wollten sie zurückfahren. Allerdings hätten mehr Unternehmen als im Vorjahr berichtet, in den Umweltschutz investieren zu wollen. Viele Betriebe suchten sich hierüber auch international einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Konkurrenten zu verschaffen.

Das wichtigste Thema für die Unternehmen bleibe der Zugang zu Krediten, insbesondere zur Vorfinanzierung von Aufträgen und somit eines Aufschwungs, sagte Wansleben. Er mahnte Anpassungen der Ratingverfahren für die Bonitätsbewertung an. Wie in Österreich sollten statt der letzten drei Jahre die letzten fünf Jahre in die Bewertung einbezogen werden. Andernfalls würden die Ratings von den Auftragseinbrüchen des Jahres 2009 dominiert, die in der mittelständischen Wirtschaft erst zu Jahresbeginn 2010 voll auf die Geschäftsbilanzen durchschlagen. Auch sollten die Perspektiven der Betriebe stärker in der Ratingbewertung berücksichtigt werden.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Mit Schulden

Von Johannes Ritter

Die Stadt Hamburg will ihren Anteil an der Reederei Hapag-Lloyd aufstocken. Solche ordnungspolitischen Sündenfälle haben in der Hansestadt Tradition. Mehr 3

10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK
13.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.692,96 −1,41%
FAZ-INDEX 1.495,13 −1,32%
TecDAX 769,89 −0,43%
MDAX 10.249,10 −1,04%
SDAX 4.985,13 −0,71%
REX 421,06 −0,02%
Eurostoxx 50 2.480,76 −1,65%
F.A.Z. EURO INDEX 80,01 −1,60%
Dow Jones 12.801,20 −0,69%
Nasdaq 100 2.547,32 −0,65%
S&P500 1.342,64 −0,69%
Nikkei225 8.998,66 +0,58%
EUR/USD 1,3239 +0,01%
Rohöl Brent Crude 118,24 $ +0,29%
Gold 1.711,50 $ −2,09%
Bund Future 138,62 € +1,01%