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Konjunktur in Deutschland Im Wirtschaftswunderland

14.08.2010 ·  Die deutsche Mixtur aus Sparen und Rückkehr zur Wettbewerbsstärke hat sich ausgezahlt: Deutschland ist im Frühjahr so stark gewachsen wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Der Vorwurf aus Frankreich und Amerika, Deutschland wachse „auf Kosten“ seiner Handelspartner, geht fehl.

Von Holger Steltzner
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Ist das ein Wirtschaftswunder? Das statistische Bundesamt vermeldet für das Frühjahr das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung - und das im Jahr nach dem größten Konjunktureinbruch seit hundert Jahren. Das ist kein Wunder, sondern ein Ergebnis der gesunden Struktur der deutschen Volkswirtschaft.

Die Industrie ist wieder der Motor des Wachstums. Weil Investitionsgüter von hoher Qualität begehrt sind, profitieren deutsche Exportunternehmen vom Boom in Asien, der die Konjunkturschwäche in den Vereinigten Staaten ausgleicht. Zum Glück ist Deutschland nicht dem Vorbild der angelsächsischen und vieler anderer früherer Industrieländer gefolgt, die sich von der Produktion verabschiedet und auf Dienstleistungen konzentriert haben.

Durch freien Handel gewinnen alle

Der politische Vorwurf aus Frankreich und den Vereinigten Staaten, Deutschland wachse „auf Kosten“ seiner Handelspartner geht fehl. Trotz magerer Zuwachsraten in Amerika und in anderen europäischen Ländern brummt die heimische Wirtschaft. Es ist auch nicht so, dass der deutsche Aufschwung mit Einbußen in Asien „erkauft“ werde. Vielmehr gewinnen durch freien Handel alle. So hat sich China zum größten Lieferanten Deutschlands aufgeschwungen.

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal deutlich stärker als erwartet gewachsen.

Sicher wäre eine stärkere Binnenwirtschaft dennoch wünschenswert. Sogar dieser Wunsch kann in Erfüllung gehen. Nach klassisch deutschem Konjunkturmuster springt der Funke vom Export über, es wird wieder mehr im Inland investiert, der private Konsum wächst mit der Zahl der Beschäftigten, und auch die gestiegenen Staatsausgaben zeigen Wirkung. Der deutsche Aufschwung gewinnt an Breite, trotz mancher wirtschaftspolitischen Irrfahrt der schwarz-gelben Koalition.

Die Wirtschaftsentwicklung in Europa bereitet Sorge

Über das Vorpreschen der deutschen Wirtschaft in Europa darf man sich freuen. Aber Sorge bereitet, wie stark die Wirtschaftsentwicklung im gemeinsamen Währungsraum auseinanderdriftet. Der abermalige Konjunktureinbruch in Griechenland ist ein Sonderfall. Doch auch in Spanien und Italien wächst die Wirtschaft kaum, dort steigt die Arbeitslosigkeit weiter an, vor allem unter jungen Leuten.

In diesen Fliehkräften steckt politischer Sprengstoff für den Zusammenhalt der Währungsunion. Anstatt weiterhin darüber zu fabulieren, dass sich Deutschland angeblich zu Tode spare, könnte man die erfolgreiche Mixtur aus Sparen und Rückkehr zur Wettbewerbsstärke nachahmen.

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