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Konjunktur IfW und EZB sehen 2010 Rückkehr zum Wachstum

11.06.2009 ·  Für das Jahr 2009 bleibt es dabei: Die Wirtschaft wird dramatisch schrumpfen, wenn auch in der zweiten Jahreshälfte deutlich langsamer. Doch fürs kommende Jahr erwarten die Europäische Zentralbank und das Institut für Weltwirtschaft in Kiel eine Wende. Auch in Amerika und Japan gibt es Zeichen einer Stabilisierung.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) und das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel haben ein Ende der Wirtschaftskrise für das nächste Jahr vorhergesagt. Die EZB rechnet damit, dass es ab Mitte 2010 wieder zu einem Wirtschaftswachstum kommen wird. Im am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht der Währungshüter heißt es, in den beiden letzten Quartalen des Jahres 2009 werde sich die Rezession abschwächen. Nach einer Stabilisierungsphase würden ab Mitte 2010 positive Wachstumsraten erwartet.

Nach einem „extrem schwachen“ ersten Quartal werde die Wirtschaftstätigkeit im weiteren Verlauf des Jahres 2009 weitaus weniger negativ ausfallen, erklärte die Zentralbank. Diese Prognose schließe auch nachlaufende Effekte mit ein, speziell die erwartete Eintrübung des Arbeitsmarkts. Damit bekräftigte die EZB jüngste Aussagen ihres Präsidenten Jean-Claude Trichet. In dieser Einschätzung seien die Auswirkungen der Konjunkturprogramme sowie der Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems mitberücksichtigt. Nach Auffassung des EZB-Rats sind die Risiken für den Wirtschaftsausblick ausgewogen.

Einerseits könnten sich die Konjunkturprogramme stärker auswirken als angenommen und auch das Vertrauen könne schneller zunehmen als derzeit zu erwarten sei. Andererseits sei es jedoch auch möglich, dass sich Turbulenzen an den Finanzmärkten stärker auf die Realwirtschaft auswirkten, mahnten die Währungshüter.

Das Institut für Weltwirtschaft rechnet vom Herbst an mit deutlich steigenden Arbeitslosenzahlen. Im laufenden Jahr dürfte sich die Zahl der Arbeitslosen um reichlich 300.000 auf fast 3,6 Millionen Menschen erhöhen. Für 2010 werden 4,365 Millionen Arbeitslose erwartet.

IfW hebt den Ausblick auf 2010 an

Die Rezession sei keineswegs überwunden, auch wenn sich die Konjunktur zur Jahresmitte annähernd stabilisiert habe. Das IfW erklärte für das laufende Jahr: „Zur Jahresmitte hat sich die Konjunktur in Deutschland annähernd stabilisiert. Einige Indikatoren deuten darauf hin, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion nach dem Einbruch im Winterhalbjahr 2008/09 zuletzt nur noch wenig zurückgegangen ist.“ Deshalb hat das Institut auch seinen Ausblick auf 2010 angehoben: Für das kommende Jahr erwartet das IfW „einen sehr moderaten Anstieg“ um 0,4 Prozent. Bisher hatte das Institut für 2010 einen Rückgang von 0,1 Prozent erwartet. Für das laufende Jahr erwarten die Kieler Forscher aber noch einen massiven Rückgang mit einem Minus von 6 Prozent. Bisher hatte das IfW einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 3,7 Prozent vorhergesagt.

„Das Produktionsniveau ist im ersten Quartal spürbar niedriger als damals unterstellt“, begründeten die Kieler Wirtschaftsforscher am Donnerstag die Korrektur ihrer Vorhersage. Mit der gesenkten Prognose für 2009 ist das IfW auf einer Linie mit der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Bundesbank erwartet ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts um 6,2 Prozent. Die EZB rechnet mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes im Euro-Raum um 5,1 bis 4,1 Prozent.

Die EZB schrieb, die Inflation in der EU werden unter dem Zielwert von 2 Prozent bleiben. In den nächsten Monaten könne es sogar zu einem Preisverfall kommen, ehe gegen Jahresende wieder Preissteigerungen registriert werden sollen (Inflation erstmals seit 1987 bei null).

Längere Rezession bedroht Banken

Es gibt in der EZB aber auch Stimmen, die selbst eine weitere Bankenkrise im kommenden Jahr nicht ausschließen - für den Fall, dass die Rezession sich in die Länge zieht. Sollte es eine schnelle „V-förmige“ Erholung geben, seien die Banken stark genug, um den Abschwung zu überstehen, zitierte der „Daily Telegraph“ am Mittwoch auf seiner Internetseite EZB-Finanzstabilitätsexperte Dejan Krusec. „Sollte sie jedoch 'U-förmig' ausfallen, werden die Banken Probleme bekommen“, sagte Krusec demnach auf einer Fitch-Ratings-Konferenz zu Osteuropa. „Das Problem ist nicht 2009. Die Banken in der Euro-Zone sind ausreichend kapitalisiert, um Verluste abzudecken. Das Problem ist 2010. Wir sind besorgt, was die Länge (der Rezession) angeht“, sagte Krusec dem Bericht zufolge weiter. Die EZB überwache 25 Banken, die von strategischer Bedeutung seien.

Das derzeitige Leitzinsniveau von 1,0 Prozent bezeichnet die EZB nach wie vor als „angemessen“. Diese Einschätzung beziehe neben der Zinspolitik auch zusätzliche Maßnahmen wie den geplanten Ankauf von Pfandbriefen (Covered Bonds) mit ein.

Weltbank senkt ihre Prognose

Die Weltbank hat ihre globale Konjunkturprognose für dieses Jahr dramatisch nach unten korrigiert. Nach Einschätzung der Entwicklungshilfeorganisation wird die Leistung der Weltwirtschaft 2009 um drei Prozent schrumpfen. Bislang war die Bank von einem Minus von 1,75 Prozent ausgegangen. Obwohl sich die Finanzmärkte in vielen Industrieländern inzwischen stabilisierten, stiegen Arbeitslosigkeit und ungenutzte Produktionskapazitäten weiter, teilte die Weltbank am Donnerstag in Washington mit. Dadurch wachse der Druck auf die globale Wirtschaft.

Fed: Anzeichen für Aufwind in Amerika

Die Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten bleibt nach Angaben der amerikanischen Notenbank Fed weiter angespannt. Allerdings gebe es Anzeichen für eine langsame Erholung, erklärte die Federal Reserve in ihrem am Mittwoch vorgelegten Konjunkturbericht „Beige Book“.
Das Beige Book wird von den zwölf regionalen Notenbanken der Federal Reserve erstellt. Die Gesamtlage sei im Mai schlecht geblieben und habe sich in Teilbereichen weiter verschlechtert. Trüb sieht es den Währungshütern zufolge besonders auf dem Arbeits-, Immobilien- und Kreditmarkt aus.

In einigen Regionen gebe es jedoch die Hoffnung, dass sich die wirtschaftliche Lage verbessere, erklärte die Fed. Unter anderem sei mancherorts die Arbeitslosenquote nicht mehr so stark gestiegen wie zuvor. Die Notenbank hat den Leitzins auf nahezu Null gesenkt und zusätzlich über eine Billion Dollar in die Wirtschaft gepumpt, um gegen die schwerste Rezession seit Jahrzehnten anzukämpfen.

Japan vor zögerlicher Erholung

Nach dem schärfsten Einbruch seit dem zweiten Weltkrieg steht Japans Wirtschaft vor einer zögerlichen Erholung. Zum Jahresauftakt 2009 ging die Wirtschaftsleistung in dem Exportland noch um 3,8 Prozent zurück, wie die am Donnerstag veröffentlichten revidierten Zahlen zeigen. Dennoch war das Minus etwas geringer als zunächst angenommen. Experten sehen nun den Tiefpunkt durchschritten. „Die Wirtschaft hat das Schlimmste überstanden“, sagte Hiroshi Watanabe vom Daiwa-Forschungsinstitut.

So kurbelten die Firmen ihre Produktion wieder an, zumindest für das Frühjahr zeigen die Daten eine kräftige Erholung an. Auch haben die Firmen ihre Lagerbestände abgebaut, so dass zusätzliche Nachfrage nicht mehr aus den Beständen bedient werden kann und die Produktion stützt. Auch das umgerechnet 109 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket zeigt erste Wirkungen. Experten erwarten nun ein Wachstum von 0,5 Prozent im zweiten Quartal.

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