Home
http://www.faz.net/-gqf-12snt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Konjunktur Ifo-Geschäftsklima hellt sich deutlich auf

22.06.2009 ·  Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist zum dritten Mal in Folge gestiegen - auf den höchsten Stand seit mehr als einem halben Jahr. Doch selbst die Wirtschaftsforscher aus München sprechen nicht von einer Trendwende. Der Aktienmarkt bleibt unbewegt.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (9)

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni weiter aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklima-Index verbesserte sich von 84,3 Punkten auf 85,9 Punkte, wie das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Montag in München mitteilte. Das ist der dritte Anstieg in Folge.

Doch selbst nach Einschätzung des Ifo-Instituts signalisiert das noch keine konjunkturelle Trendwende. „Der Anstieg ist vor allem von den besseren Geschäftserwartungen der Unternehmen getrieben“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Montag zu Reuters. Die aktuelle Lage bleibe indes schlecht. Für eine echte Trendwende müsste sich auch diese Komponente verbessern.

Der Index-Anstieg fiel deutlicher aus, als von Experten erwartet. Die deutsche Wirtschaft stabilisiere sich allmählich wieder, hieß es von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. „Die Befragungsergebnisse untermauern, dass sich die deutsche Wirtschaft allmählich stabilisiert“, teilte Sinn weiter mit. Der Pessimismus der Befragungsteilnehmer hinsichtlich der Entwicklung im kommenden halben Jahr habe weiter abgenommen. Mit ihrer derzeitigen Geschäftslage seien die Unternehmen dagegen genauso unzufrieden wie im Mai.

Die Geschäftserwartungen der Unternehmen stiegen im Juni von revidiert 86,0 (zunächst 85,9) Punkten im Vormonat auf 89,5 Punkte. Dies war bereits der sechste Anstieg in Folge. Die Lagebeurteilung trübte sich unterdessen erneut ein. Sie sank von 82,5 Punkten auf 82,4 Punkte.

Die deutschen Aktienindizes haben am Montag kaum auf die Veröffentlichung reagiert und weiterhin Verluste verzeichnet. Der Dax verlor 1,00 Prozent auf 4.789,68 Punkte. „Der Ifo reißt niemanden vom Hocker“, sagte ein Aktienhändler. „Er ist für den Markt erstmal irrelevant.“

„Die Konjunktur ist weiter mau“

David Milleker, Chefvolkswirt von Union Investment schreibt, der „Ifo-Index gibt oft Fehlsignale in Phasen, in denen die Erwartungs- und
Lageeinschätzung stark voneinander abweichen“. Derzeit habe sich die Lage leicht stabilisiert, während die Erwartungen deutlich in die Höhe geschossen seien. Aussagekräftig sei eher die Lage: „Die Konjunktur ist weiter mau. Erwartungsblasen haben wir schon oft
gesehen. Hier schon ein Aufschwungsignal herauszulesen, wäre definitiv zu früh.“ Ein gutes Zeichen für einen Aufschwung, so glaubt Milleker, wäre, wenn die Lage den Erwartungen vorausliefe.

Alexander Koch von der Bank Unicredit stellt fest, dass nach dem Stimmungseinbruch im Herbst die Verbesserung schneller eingesetzt habe als in früheren Konjunkturzyklen. „Enttäuschend ist aber, dass sich die Lageeinschätzung weiter verschlechtert hat. Wir erwarten, dass die Rezession auch im zweiten Quartal anhalten wird.“

DIHK warnt vor Kreditklemme

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht noch keine umfassende Konjunkturwende. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben warnte zugleich vor der Gefahr, dass der Aufschwung an Finanzierungsproblemen in der Wirtschaft scheitern könnte. „Ich sehe die Gefahr, ja.“ Die jüngste DIHK-Umfrage habe gezeigt, dass in einigen Bereichen der Wendepunkt erreicht sei - aber nicht überall. „Umso wichtiger ist, dass dieses Finanzierungsthema jetzt geklärt wird“, sagte Wansleben. Dieses könnte einen späteren Aufschwung behindern und im schlimmsten Fall sogar abwürgen.

Allein Thilo Heidrich von der Postbank ist vorsichtig optimistisch: „Wir können jetzt davon sprechen, dass eine wirtschaftliche Stabilisierung da ist. Wir werden in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich eine weitere Konsolidierung sehen, aber noch keine nachhaltige Erholung.“

Das Ifo-Geschäftsklima ist der wichtigste Stimmungsindikator für die deutsche Wirtschaft und basiert auf einer Umfrage unter 7.000 Unternehmen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 11 13

30.05.2012 10:23 Uhr
  Vortag
Dax 6.349,83 −0,73%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.383,40 −0,77%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2452 −0,29%
Rohöl Brent Crude 105,74 $ −1,04%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.